Das "Buddhistische Haus" in Berlin, Frohnau

Das Hauptsymbol der Verbindung zwischen Sri Lanka und Deutschland

(Der Artikel behandelt die frühere Situation)

Hans Gruber


Am 21. September 1952 hat der singhalesische Geschäftsmann und Buddhist Asoka Weeraratna, der beruflich auf Sri Lanka und im Westen tätig war, in seiner Heimat die "Lanka Dhammaduta Society" begründet. Sie wurde später als "German Dharmaduta Society (GDS)" bekannt. Im Jahr 1956 hat dann der damalige Premier Sri Lankas, Solomon Bandaranaike, in der Landeshauptstadt Colombo das weit läufige Ausbildungszentrum der GDS für Dharmaduta-Ordinierte eingeweiht.

Asoka Weeraratna wollte in dem vom Zweiten Weltkrieg zerrütteten Abendland eine Quelle des Dharma ("das, was trägt oder hält", der Name des historischen Buddha für den kulturübergreifenden Befreiungsweg) schaffen, um den Weg des (inneren) Friedens zu fördern. So hat die GDS 1957 "Das Buddhistische Haus" als das älteste buddhistische Zentrum Europas im Berliner Villenvorort Frohnau gekauft, um "Boten des Dharma" (Dharma-Dûta) oder der Lehre des Buddha aus Sri Lanka nach Deutschland und in das Abendland entsenden zu können.

Dieser Kauf lag auch im Sinne des 1928 verstorbenen Dr. Paul Dahlke. Er war ein homöopathischer Arzt und buddhistischer Buch- und Artikelautor, im Pali beflissenen Übersetzer und Lehrer von großem Einfluss. Seine Schriften sind von unterscheidender Klarheit oder Tiefe geprägt. Die naturwissenschaftlich orientierte, an natürlichem Wissen interessierte "Neubuddhistische Bewegung" ist von ihm ausgegangen. Er ließ 1924 das Anwesen in Frohnau im dazugehörigen Gartenpark erbauen. Somit hat er der Verbreitung der Lehre des historischen Buddha, die er 1900 auf Sri Lanka näher kennen gelernt hatte, auch materiell stark gedient.

Die "German Dharmaduta Society" beging im September 2002 feierlich ihr 50-jähriges Jubiläum. Dies war auf Sri Lanka ein bedeutendes Ereignis, mit eingehenden Grußworten des Premiers Ranil Wickremasinghe und Personen des öffentlichen Lebens. Zu diesem Anlass druckte die singhalesische Post eine Briefmarke mit dem Haus in Frohnau und betonte im begleitenden Infoblatt mit einem Zitat des Erwachten: "Das Geschenk des Dharma übertrifft alle anderen Geschenke". Der Schluss lautet: "Es ist das größte Geschenk, das Sri Lanka der Welt machen kann."

Neben den alten buddhistischen Verbindungen zwischen Sri Lanka und Deutschland durch deutsche Mönche hatte der Entschluss der GDS, das Grundstück in Frohnau zu erwerben, auch den folgenden Grund:

Deutsche haben neben Engländern im Bereich der Buddhismuskunde sowie der praktizierten Lehre in besonderem Maße für die Verbreitung des Buddhismus gewirkt. Dies begann schon mit den beiden großen Philosophen Arthur Schopenhauer (der erste deutsche "Buddhaist") und Friedrich Nietzsche. Es ging weiter etwa mit den bedeutenden Indologen und Übersetzern Hermann Oldenberg, Max Müller, Wilhelm Stede und Wilhelm Geiger, ferner Karl Eugen Neumann und Karl Seidenstücker, sowie gelehrten, persönlich sehr engagierten Pionier-Buddhisten, wie eben Dr. Paul Dahlke und Kurt Fischer, dem Münchner Richter Georg Grimm oder dem früher in Hamburg ansässigen, ehemaligen Kaufmann Paul Debes. Letzterer feierte am 8. September 2001 seinen 95. Geburtstag.

Auf Sri Lanka selbst existiert jene wohl bekannte und prägende Schule abendländischer Theravâda-Ordinierter, die mit dem Deutschen Nyânatiloka (Anton Gueth) begonnen hat. Diese Bhikkhus sind mit der "German Dharmaduta Society" seit deren Anfängen verbunden, indem sie am Ausbildungszentrum der GDS in Colombo lehrten. Nyânatiloka nahm 1903 als erster Festlandeuropäer die buddhistischen Roben an. Er schrieb Kommentare und Übersetzungen aus dem ältesten bestehenden oder "Pali-Kanon" des Buddhismus, der auf Sri Lanka im ersten Jahrhundert v. Chr. erstmals als Ganzes schriftlich abgefasst wurde. Von hier haben ab dem elften Jahrhundert die südostasiatischen Länder den frühen Buddhismus Theravâda mit dessem Pali-Kanon eingeführt, wo er bis heute bestimmend ist.

Nyânatilokas Nachfolger war der ebenfalls berühmt gewordene deutsche Mönch, Übersetzer und Autor Nyânaponika. Er hat den wichtigsten Verlag des Theravâda, die "Buddhist Publication Society (BPS)" in Kandy auf Sri Lanka begründet. Bhikkhu Bodhi setzt die Arbeit Nyânaponikas heute fort. Der promovierte Amerikaner gilt als der zentrale Neuübersetzer der großen Redensammlungen des Erwachten im Pali-Kanon. Er hat sie in jahrzehntelanger Arbeit in zeitgemäß Englisch übertragen und dadurch erstmals breit zugänglich gemacht, was ein unschätzbares Verdienst ist. Seine Übersetzungen: The Middle Length Discourses of the Buddha, A New Translation (1500 Seiten), The Connected Discourses of the Buddha, A New Translation (3000 Seiten), beide Werke sind bei Wisdom Publications erschienen, sowie Auszüge aus der Angereihten Sammlung, mit dem Titel Numerical Discourses of the Buddha, Altamira Press. Seine zahlreichen Kommentare zu Buddhas Reden stehen in der Website "www.accesstoinsight.org".

Das "Buddhistische Haus" in Frohnau hat ein breites Dharma-Angebot zur Lehre des Erwachten, worüber ihre schöne Website "www.buddhistisches-haus.de" informiert. Seit dem Erwerb des Hauses 1957 durch die GDS wird es von Dharmaduta-Bhikkhus aus Sri Lanka geleitet, angefangen mit den Ehrwürdigen Soma, Kheminda und Vinitha, dann von 1966 bis 1981 von Nyânawimala Mahâthera und aktuell von Bhante Puññaratana. Dem Verwandten des GDS-Gründers Asoka Weeraratna und besonders aktiven heutigen Verwalter des Hauses, Tissa Weeraratna, schweben weitere Angebote für die Öffentlichkeit, größere Meditationskurse und soziale Projekte vor. Andreas Hubig vom Berliner "Theravâda-Förderverein" ist vielseitig für die Entwicklung des ganzen Anwesens engagiert. Neben den Ordinierten lehren auch regelmäßig bekannte Laienpersönlichkeiten in Frohnau, etwa Dr. Marianne Wachs von demselben Theravâda-Förderverein. Die Zeitschrift Dhammadûta wird hier von Dr. Helmtrud Rumpf herausgegeben.

Außerdem ist das Haus eine Anlaufstätte für abendländische Mönche und Novizen, wie Bhikhhu Bodhi, dem deutschen Novizen Santuttho, der einige buddhistische Websites mitgestaltet hat, den beiden vom Abhidhamma geprägten tschechischen Bhikkhus Ashin Ottama und Dhammadîpa, sowie dem deutschen Mönch Anâlayo, der eine hochgelobte Doktorarbeit zur wichtigsten Meditationsrede des Pali-Kanons verfasst hat, nämlich der Rede von den Vergegenwärtigungen der Achtsamkeit. Seine Arbeit wird 2003 bei "Windhorse Publications" in England und der "Buddhist Publication Society" auf Sri Lanka erscheinen, unter dem Titel: Satipatthâna: The Direct Path to Nibbâna.

Frohnau ist heute das Hauptsymbol der wachsenden Verbindung zwischen Sri Lanka und Deutschland. So betont etwa Bhikkhu Bodhi in seiner Grußbotschaft zum 50-jährigen Jubiläum der "German Dharmaduta Society":

"Das Interesse am Theravâda-Buddhismus als der ältesten Form des Buddhismus wächst zusehends im Abendland. So hat der Vihâra (Aufenthaltsstätte) in Berlin, Frohnau, enormes Entwicklungspotential vor sich. Als Student und Freund des deutschen Mönches Venerable Nyânaponika Mahâthera ist es mir ein besonderes Anliegen, dass der Theravâda-Buddhismus in Deutschland tiefe Wurzeln fasst."

Die Website vom Buddhistischen Haus


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