Kreuz und Buddha

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Auf dieser Seite erscheinen – dem Grundsatz guter Wissenschaft verpflichtet –

tatsachengemäße Analysen zum Verhältnis von

Christentum und Buddhismus.

 

1) Kreuz und Buddha: Die „Logos“ von Abend- und Morgenland.

2) Ein Bündnis aus Kirchen, Staat und Medien verbirgt eine vormoderne,
im Westen einzigartige Situation

3) Die monotheistische Ethik mit Arthur Schopenhauer auf den Punkt gebracht!

4) Zum 1200sten Todestag Karls „des Großen“ – wirklich?

5) Eine augenfällige Schizofrenie,
die kaum irgendjemandem ins Auge fällt!

 

 

1) Kreuz und Buddha:
Die „Logos“ von Abend- und Morgenland

 

Ostern heute und ursprünglich

(Hinweis: Der Beitrag ist am 27. April 2013 noch erweitert worden.)

 

Auf meiner Facebookseite habe ich zu Ostern einen Kommentar gepostet, den ich jetzt in erweiterter Form auch hier auf meinem Blog publiziere.

Er bezieht sich auf das folgende Bild (öffentlich, von „Truebook.org“ auf Facebook) über die Ursprünge des Osterfestes. Das Bild anklicken, dann erscheint es groß:

 

 

Hase und Ei versus Gekreuzigter

 

Ostern war in der vorchristlichen Zeit ein Fruchtbarkeits- und Sinnlichkeitsfest zu Ehren der assyrischen und babylonischen Göttin „Ishtar“ (ausgesprochen „Easter“), deren Symbole der Hase und das Ei waren.

Die germanische Fruchtbarkeitsgöttin hieß „Ostera“.

Somit haben die Symbole von Hase und Ei nichts mit Jesus, Kreuzigung und Qual zu tun (oder mit dem vermeintlichen Wiederlebendigwerden und Emporsteigen toter Körper), wie es auch auf dem obigen Bild betont wird.

Was die Christen später aus dem Fruchtbarkeits- und Sinnlichkeitsfest „Ostern“ gemacht haben, zeigt etwa dieses kleine Yahoo-Video über ein Osterritual auf den Philippinen.

Dazu kann es bloß einen zutreffenden Kommentar geben – Gehirnwäsche.

 

Jesuismus und Buddhismus

 

Angesichts einer Religiosität, der zufolge die Person Jesus Christus, dessen Leidensgeschichte und dessen vermeintlicher Opfertod zum Wohle der Menschheit auf solch eindeutige Weise im Mittelpunkt steht, wäre es viel passender, von „Jesuisten“ als von Christen zu sprechen.

Aber hätte nicht jeder Christ sofort massive Einwände gegen die Umtaufung von Christentum in „Jesuismus“? Daran lässt sich schnell erkennen, dass „Ismus“ bei einer Religion immer negativ wirkt.

Im Buddhismus dagegen steht eindeutig die Praxislehre des Buddhas im Zentrum, die als zeitloser Dharma (das, was trägt) gilt, nicht dessen Person selbst. Insofern ist der Begriff „Buddhismus“ für diese Lehre nicht passend.

Der frühbuddhistischen Überlieferung nach zum Beispiel lauteten dessen letzte Worte (Lange Sammlung, Rede 16):

„Seid Euch selbst führendes Licht und Zuflucht, nehmt den Weg als führendes Licht und Zuflucht!

Nehmt keine andere Zuflucht!“

 

Die Leiden, für die das Kreuz tatsächlich steht!

 

Ein blutüberströmter Jesus am Kreuz oder das vermeintliche Wiederlebendigwerden und Emporsteigen eines toten Körpers stehen also mehr als offenkundig nicht für Fruchtbarkeit und Sinnlichkeit, sondern für die religiöse „Glorifizierung“ von Qual und Leid. Denn, so der Glaube, die gläubige Menschheit sei durch das Martyrium des Gekreuzigten erlöst worden (siehe dazu auch diesen alten Zeitungsbeitrag von mir im Original).

Das Kreuz steht also dogmatisch für die Erlösung der gläubigen Menschheit von deren Sünden, wobei hier aber „Erlösung“  nicht als eine konkrete Befreiung von den Leiden und Ängsten der Existenz wie in der Lehre des historischen Buddhas verstanden wird. Es handelt sich vielmehr bei dieser christlichen „Erlösung“ um eine Art autosuggestiver, lediglich vorgestellter bzw. glaubensmäßig gedanklicher „Erlösung“ – einer Wunscherlösung, die kurzerhand zur Realität erklärt wird.

Aber dieses sinnfällige Kreuz-Symbol, das gewissermaßen das Logo des Abendlandes darstellt, legt ja auch noch eine Reihe von weiteren unbedingt bedenkenswerten sowie bedenklichen Dingen nahe:

1) den menschlichen Sündenfall, der, so der Glaube, letztlich auch hinter der Kreuzigung stehe;
2) im Zusammenhang damit die Bekräftigung oder Bestätigung von „tiefer Schuld“ bzw. „Schuldenbewusstsein“ der Menschheit;
3) und deren Ausgeliefertsein an die Gnade eine vermeintlich allmächtigen Vatergottes, entsprechend dem Ausspruch: „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Nüchtern betrachtet stehen sich hier also zwei grundverschiedene Menschen- und Weltbilder gegenüber:

„Erbsünde“ und „irdisches Jammertal“ kontra „Buddha-Natur“ und die alleine in diesem Leben stattfindende Befreiung des „Nirvana“ (der Satz „Leben ist Leiden“ ist eine unzutreffende Zusammenfassung der Leidenslehre des Buddhas durch westliche und besonders deutsche Christo-Buddhisten; korrekt lautet das Resümee „Das Maß des individuellen Leidens im Leben ist direkt proportional zum Maß von Nichtsehen bzw. Anhaftung) oder das spätere „Buddha-Land“.

Das Kreuzsymbol repräsentiert den sämtlichen Kausalitätsgesetzen widersprechenden, mithin naturwidrigen und völlig irrationalen Glauben, dass der qualvolle Kreuzestod eines bestimmten Menschen die Erlösung zahlloser gläubiger anderer Menschen gebracht habe bzw. bringe. Und dieser Glaube ist nicht periphär. Er bildet das Herzstück des Christentums.

Die Propagierung dieses Glaubens hat auch eine eindeutige politische Funktion:

Denn wer glaubt, dass er selbst erlöst sei, weil vor 2000 Jahren jemand am Kreuz gestorben sei, den kann man letztlich alles und auch in ganz anderen Bereichen glauben machen! Das Gleiche gilt für eine Reihe von weiteren absolut zentralen christlichen Glaubensvorstellungen.

Dieser innere „Zustand“ liegt bis heute im Interesse zahlreicher Machtträger in Politik und Wirtschaft.

Hier dürfte der eigentliche Grund für die besonders enge Verflechtung von staatlicher und kirchlicher Macht seit dem frühmittelalterlichen Beginn der Kirchen im Abendland liegen.

Das Ehrerbietung bezweckende Symbol von der „leiblichen Auferstehung“, das heißt vom Wiederlebendigwerden und Emporsteigen eines toten Körpers, ist gleichermaßen naturwidrig und irrational.

Im alten Indien des historischen Buddhas wären solche Vorstellungen gar nicht näher erörter worden. Aber sie hätten in der buddhistischen Urgemeinde für viel Erheiterung gesorgt.

In unserer Kultur dagegen werden sie seit Jahrhunderten und zwar bis in unsere moderne, wissenschaftlich durchdrungene Welt von staatlich üppig finanzierten Theologen, Priestern, Bischöffen und Päpsten mit geradezu beeindruckend farbigen, in Kaderschmieden für theologische Rhetorik erlernten Wort-Pfauen ins „weihevoll Übertragene“ schön geredet (wiewohl sie in der Bibel keineswegs übertragen, sondern wörtlich gemeint sind) und auch deshalb von Abermillionen für wahr gehalten.

Das ist im Grunde eine Bewusstseinskatastrophe von größtem Ausmaß, die sich unsere reifebedürftige, krisen- und herausforderungsgeplagte moderne Welt objektiv nicht leisten kann.

Sam Harris hat in seinem ersten Bestseller The End of Faith: Religion, Terror and the Future of Reason schön aufgezeigt, wie man letztlich aus jedem Text – zum Beispiel einem Küchenrezept, mit dem er es in dem Buch demonstriert – einen Text mit „übertragener mystischer“ Bedeutung machen kann, wenn man es darauf anlegt.

Das Kreuz als gewissermaßen bildliche Anklage der Juden als so genannte „Gottesmörder“ steht ebenfalls für alle religiösen Formen der jahrhundertelangen antisemitischen Gewalt (zur Überfülle dieser Gewalt siehe das Werk Antisemitism: The Longest Hatred von R. S. Wistrich).

Der amerikanische Historiker John Weiß hat in seinem Werk Ideology of Death: Why the Holocaust happenend in Germany detailliert aufgezeigt, wie sich der Killer-Antisemitismus der Nazionalsozialisten ausschließlich in Deutschland und Österreich entwickeln konnte. Der Grund ist die besonders ausgeprägte antisemitischen Lehre sowie Vorgeschichte der deutschen und österreichischen Formen des Christentums.

Inzwischen gibt es auch einen ganzen Forschungszweig, der sich mit der großen Rolle christlich geprägter Terminologie und des „Gottdenkens“ in den Reden der führendes Nazis im „Dritten Reich“ befasst (vgl. etwa die Werke Hitlers Theologie oder Hitlers mythische Religion: Theologische Denklinien und NS-Ideologie). Hiter, Himmler, Göbbels kamen alle aus tief katholischen Elternhäusern, genauso wie eine ganze Reihe von österreichischen und deutschen SS-Schlächtern in den KZs.

Angesichts all dieser wissenschaftlich belegten Tatsachen ist es eine Farce, wenn nach dem zweiten Weltkrieg die besondere Stellung der christlichen Kirchen in der Verfassung der Bundesrepublik etwa mit dem Argument begründet worden ist, dass diese als verbleibende moralische Instanz eine besondere Stellung haben müssten.

In Wahrheit ist es jedoch so, dass ohne die weit zurückreichende antisemitische Vorgeschichte der christlichen Kirchen und ohne die Rolle der „theologischen Denklinien“ im Nationalsozialismus diese Ideologie gar nicht möglich gewesen wäre.

Der renommierte Theologe Hans Küng betrachtet auch heute die katholische Kirche als „ein autoritäres System mit Parallelen zu Deutschlands nationalsozialistischem Regime“, in dem alleine Opportunisten oder Ja-Sager in der Hierarchie aufsteigen können (the guardian, 5. Okt. 12).

 

Man stelle sich vor …

 

Man stelle sich etwa vor, es würde  ein Dokument des historischen Buddhas auftauchen, mit dem er sich wissenschaftlich belegt als Hetzer der übelsten Sorte gegen bestimmte Volksgruppen im alten Indien herausstellen würde. Es würde Schockwellen durch die gesamte buddhistische Welt schicken, mit großen Folgen für diese Religion.

Wenn unter den äußerst hasserfüllten Hetzschriften des allgemein als „großen Reformator“ bezeichneten Martin Luther (!) gegen die Juden („Von den Juden und ihren Lügen„, 1543) etwa der Name Heinrich Himmler stünde, würde es überhaupt nicht weiter auffallen (von dem alten Deutsch Luthers hier einmal abgesehen).

Das wissen die meisten Protestanten gut. Aber es haucht ihnen kaum tiefere Zweifel ein; nach dem Motto – da hat unser Luther wohl einen schlechten Tag gehabt.

Das grenzt an (allgemein auch noch für gut befundene) geistige Umnachtung!

Unter diesem Link wird Martin Luthers Haltung zu den Juden gut reflektiert. Wer seine Äußerungen nicht im Original lesen will, so sind seine Hassforderungen zusammenzufassen:

„Vernichtung aller Synagogen („mit Feuer, Schwefel und Pech“)

Zerstörung aller Privathäuser der Juden

Entwendung aller liturgischen Bücher und der Bibel

Untersagung des Besuchs öffentlicher Gottesdienste und jeder Lehrveranstaltung der Rabbiner (ansonsten Todesstrafe)

Verbot, Gottes Namen auszusprechen

Juden nicht mehr als Händler wirken lassen; Verbot, sich frei auf der Straße zu bewegen

Verbot des Wuchers; Geld und Wertsachen wegnehmen

Zwangsarbeit für alle jungen Juden beiderlei Geschlechts“

Martin Luther hat diese Schriften aus seiner Frustration über die Nichtbekehrbarkeit der Juden zu seinem neuen „rechten Glauben“ verfasst.

Was sagt es denn über die spirituellen Qualifikationen und die innere Reife eines Menschen, wenn er sich hier so verhält wie Martin Luther? Resümiert: Man will etwas (nämlich Zustimmung zum eigenen Glauben), bekommt es aber nicht und aus Frust darüber verfasst man Hassschriften:

Das liegt doch klar unter dem ethischen Niveau eines Durchschnittsbürgers, der sich gar nicht groß um Kirchendogmen schert! Das ist nicht Polemik, sondern unwiderlegbare Tatsache.

Zugleich gehört Martin Luther mit dieser ganzen dogmenzentrierten Infantilität jedoch zu den am meisten verehrten Persönlichkeiten des christlichen Abendlandes. Was sagt das wiederum über die Erwartungen überzeugter Christen an einen oder ihren Religionsbegründer?

Luther hat mit der von ihm angestoßenen Reformation sogar noch große Fortschritte gegenüber dem bis dahin allein herrschenden Katholizismus gebracht, wo die dogmenzentrierte Infantilität noch größer ist.

Theologische Apologeten argumentieren mit einem verkürzten Kausalitätsbegriff, dass es erst der rassische Antisemitismus des 19. und 20. Jahrhunderts gewesen sei, der den Holocaust ermöglich habe. Das war gewiss die unmittelbare Ursache.

Aber diese unmittelbare Ursache wäre ohne die mittelbare Ursache eines jahrhundertealten religiösen Antisemitismus definitiv nicht möglich gewesen. Das ist der primäre Nährboden gewesen, aus dem dann der rassische Antisemitismus hervorgewachsen ist (noch gewässert durch zusätzliche Ursachen wie dem „arischen Mythos“).

Und die zitierten konkreten wörtlichen Anweisungen Martin Luthers zum Umgang mit den Juden unterschieden sich objektiv bloß wenig von den konkreten Anweisungen von Nationalsozialisten (bis auf die systematische Ermordung). Deshalb sind solche Lehren schon fast unmittelbare Ursachen. Hitler war ja auch ein Fan von Luther!

Wahre Spiritualität ist von wahrer Ethik nicht zu trennen!

Letztere ist die Basis für geistige Ruhe und höhere Einsichten bzw. Weisheit!

Es werden hier doch nicht einmal diese absoluten Grundzusammenhänge verstanden, was letztlich wiederum mit einem weiteren zentralen Kirchendogma zu tun hat – dass es doch vor allem auf den vermeintlich „rechten Glauben“ ankomme.

Deshalb können hier geistig-spirituelle Infantile wie Martin Luther auch als gewaltige Lehrer verehrt werden, solange sie nämlich die Dogmen ihrer Kirche „beherrschen“ und rhetorisch gut vertreten können!

Auch ein großer, praktisch niemals näher betrachteter Unterschied zwischen den Geistlichen in der buddhistischen Welt und den Geistlichen in der christlichen Welt erklärt sich durch diesen Vorrang des Dogmas in den christlichen Kirchen:

In der buddhistischen Welt sind die führenden und meistverehrten Geistliche Mönche und zum Teil auch Laienmeister, die alle intensiv lange Zeit Meditation praktiziert haben. In der christlichen Welt sind es Theologen, die lediglich das entsprechende Universitätsstudium durchlaufen haben.  (Jeweils mit Ausnahmen auf beiden Seiten.)

Martin Luther reiht sich mit seinem tiefen Hass auch ganz nahtlos ein – in eine lange Reihe einflussreicher und von Christen verehrter Kirchenväter, -führer und -denker durch das ganze Mittelalter und die Neuzeit hindurch, die hinter ihrer Rhetorik in Wahrheit alle beherrscht von irrationalen, infantilen und naturwidrigen Dogmen sowie persönlichem Hass gewesen sind (vgl. dazu näher Antisemitism: The Longest Hatred von R. S. Wistrich).

Eine Religion, die auf den Säulen des Denkens solcher Menschen steht, ist keine ernstzunehmende Religion für das 21. Jahrhundert! Auch das ist nun objektiv keine Polemik, sondern ein unabweisbares Faktum.

Denn selbstverständlich hätte es ohne diese jahrhundertelange kirchlich-christliche Vorgeschichte – in die sich dann noch andere deutsche kulturelle „Granden“ einreihen, wie etwa der heutzutage ganz allgemein wie schon von den Nazis und Hitler verehrte Komponist Richard Wagner mit dessen (mehreren!) Hassschriften gegen die Juden (bloß ein paar Jahrzehnte vor den Nazis) – keinen Nationalsozialismus geben können!

 

Ein nüchterner Vergleich von Buddhismus und Christentum

 

 

(Anmerkung: Das Bild stammt von dieser Amazon-Seite zu dem Buch in der Originalausgabe.
Die Neuausgabe des Buches erscheint hier
.)

Das alles liegt im Grunde auch relativ klar auf der Hand!

Trotzdem ist Jesus am Kreuz bis heute ein weithin verehrtes Symbol, gewissermaßen das Logo des Abendlandes!

Man kann das Kreuz jedoch auch ganz anders einschätzen, wie es zahlreiche Menschen tun:

Im buddhistischen und shintoistischen Japan zum Beispiel, wo das Christentum niemals Fuß fassen konnten – die vielen Missionare des Mittelalters sind nach der Vereinigung des Landes aus dem Lande geworfen oder getötet worden – gilt das Kreuz als das, was es ist: als lebensfeindlich und negativ. Dort wirkt unverständlich, wie man einen an ein Kreuz genagelten, blutenden Menschen als höchstes religiöses Symbol verehren kann. Das bedeutet gesunder Menschenverstand!

Was sagt uns denn wirklich – also objektiv und ohne falschen Respekt betrachtet – der Vergleich des sanft lächelnden Buddhas als dem Kardinalsymbol des Morgenlandes mit dem blutüberströmten Jesus am Kreuz, wie dieser häufig in katholischen Ländern präsentiert wird oder mit Jesus am Kreuz oder dem Kreuz als dem Kardinalsymbol des Abendlandes?

Wie positiv das Symbol „Buddha“ auch im „christlichen Abendland“ ankommt, zeigt bereits die Verwendung dieses Symbols in allen möglichen Zusammenhängen – vom Yoga- und Wellness-Zentrum, über Saunen, in Schaufenstern von Friseurläden (wie hier in Ottensen, Hamburg) sowie Restaurants bis hin zu den buddhistischen Stätten. Es ist dagegen keineswegs vorstellbar, dass dort überall ebensogut ein blutender Jesus am Kreuz oder auch das Kreuz alleine hinge.

Dies belegt doch bereits: Auch ohne irgendein Interesse an Religion ist den gewöhnlichen Menschen vollkommen bewusst, welches Symbol hier Positives und welches Negatives „transportiert“!

Was sagt uns denn wirklich der Vergleich der Kernlehre des historischen Buddhas, die in den logisch wie empirisch überprüfbaren „Vier Edlen Wahrheiten“ vom Leiden, dessen Ursache, dessen Ende IM Leben sowie dem selbsverantwortlich zu beschreitenden Weg dahin besteht, mit der Kernlehre des Christentums bzw. Jesuismus, die im Glauben an die Fremderlösung aller Gläubigen durch den qualvollen Tod eines anderen Menschen, der sich selbst als Gottessohn verstanden hat oder von anderen gläubig als solcher verstanden wird, besteht?

Was sagt uns denn die Tatsache, dass das moderne westliche und wissenschaftliche Boom-Thema „Achtsamkeit“ breit in den alten buddhistischen Quellen behandelt wird, und zwar mit solcher Überzeugungskraft, dass es noch 2500 Jahre später in unserer modernen Welt einen großen Boom losgetreten hat, während „Achtsamkeit“ oder damit verwandte Begriffe in der gesamten Bibel nicht einmal vorkommen? Und das Gleiche gilt für eine ganze Reihe von weiteren Erfahrungsbegriffen.

Wer will hier denn noch von Wesensverwandtschaft dieser beiden Religionen sprechen?

Es sind Menschen, die die Realitäten nicht zur Kenntnis nehmen wollen – entweder weil sie diese durch ihre unbewussten Prägungen nicht sehen können, oder weil das Ansprechen dieser Realitäten in einem Staat, der nicht (wirklich) von der Kirche getrennt ist (siehe den Beitrag „Buddhas Lehre für heute“), nicht „opportun“ ist.

Das alles deutlich anzusprechen hat gar nichts mit Fundamentalismus zu tun, sondern ist im 21. Jahrhundert ein unbedingtes Gebot der (objektiven) Wissenschaft, des klaren Verstandes und der Vernunft.

Nicht das klare Aufzeigen solcher Wahrheiten ist hier das Problem, sondern die verbreitete Zurückweisung dieses Aufzeigens als fundamentalistisch. Denn diese verbreitete Zurückweisung zeigt, wie tief „Manipulation“ bis zum heutigen Tag „sitzt“.

Das Irrationale, Naturwidrige und Lebensfeindliche müssen genau als solche bewusst gemacht werden, damit sie sich nicht im Bewusstein „breit machen“ können. Denn dort wirken sie letztlich immer zerstörerisch. Die gewaltvolle Geschichte der Kirchen beweist diese zerstörerische Kraft mehr als überdeutlich.

Nicht die klare Unterscheidung und die sachliche Debatte sind hier das Problem, sondern vielmehr deren Darstellung und Missverstehen als trennend oder konfliktfördernd. Dahinter steht nämlich immer bloß der Versuch der Anhänger zutiefst irrationaler Glaubensvorstellungen, sich nicht weiter für diese erklären zu müssen.

Es sind jedoch genau diese Glaubensvorstellungen, die in der Geschichte bereits zahllose Male zu Gewalt geführt haben. Ein Karl-Heinz Deschner etwa konnte zu diesem Thema mit seinem Lebenswerk zehn umfassende Bände der Kriminalgeschichte des Christentums schreiben!

Im alten Indien war die religiöse Debatte das hauptsächliche Klärungsmittel für die Qualität einer religiösen Lehre. Eine gute Lehre musste sich in der lebendigen, präzisen Auseinandersetzung bewähren können.

Genau das sollte die religiöse Debatte auch hier und heute wieder sein.

Diese rationale, aber zugleich die spirituelle Dimension des Lebens vollkommen berücksichtigende Herangehensweise an das Thema Religion und Spiritualität beginnt heute schon machtvoll im Westen, wofür vor allem der vielbeachtete Sam Harris mit großen öffentlichen Debatten, Bestsellern und seinem Project Reason in den USA steht.

Mit echten öffentlichen Debatten ließe sich schnell die Spreu vom Weizen trennen –

und zwar zum wahren Wohle aller!

Hans

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Handlogo weiß

Hinweis: Der folgende Text wird wegen der Größe und Wichtigkeit des Themas nach seinem Ersterscheinen zunehmend erweitert. Am 9. Dezember 2013 ist die letzte (kleine) Erweiterung (mit drei wichtigen Links) hinzugekommen:

 

2) Die immense Kirchenfinanzierung durch den deutschen Staat NEBEN der Kirchensteuer:

Ein Bündnis aus Kirchen, Staat und Medien verbirgt eine vormoderne, im Westen einzigartige Situation –

auf Kosten aller (!) deutschen Steuerzahler

 

Warnung: Der folgende Text ist stellenweise polemisch. Drastischer Ausdruck ist manchmal zur Verdeutlichung nützlich; und in diesem Falle leider völlig angebracht.

 

In Deutschland herrscht eindeutig ein vormodernes Verhältnis von Staat und Kirche, das an der altetablierten immensen Finanzierung der Kirchen aus den allgemeinen Steuermitteln (!) klar wird, die jährlich rund 20 Milliarden umfasst. Und dies gilt vollkommen unabhängig von bzw. zusätzlich zu der Kirchensteuer von 9 Milliarden, die ebenfalls der Staat und kostenlos für die Kirchen einholt (siehe unten)!

Deshalb sind hierzulande die beiden christlichen Kirchen genau betrachtet auch bloß so zu beschreiben – als „Staatskirchen“!

Diese vielfache enge Verflechtung zwischen Staat und Kirche gibt es im Westen lediglich in Deutschland.

Nichtsdestoweniger sind in Deutschland die Tatsachen rund um das Thema der massiven Kirchenfinanzierung hierzulande aus den allgemeinen Steuergeldern bzw. der engen, altetablierten Verflechtung von Staat und Kirche weitgehend unbekannt.

Das alleine ist auch der Grund, dass dieser Zustand weiterhin relativ problemlos aufrechtzuerhalten ist.

Denn angesicht der zunehmenden Säkularisierung der Bevölkerung – es gibt in Deutschland heute schon mehr Konfessionsfreie, mit der Tendenz stark steigend, als die jeweiligen Mitglieder der protestantischen und der katholischen Kirche – sowie der Unhaltbarkeit bestimmter Umstände, etwa dem Kirchenrecht, das bei allen Arbeitnehmerfragen das allgemeine Arbeitrsrecht außer Kraft setzt, wäre bei wirklicher Bekanntheit dieser Tatsachen in der Bevölkerung jene immense Kirchechenfinanzierung nicht mehr aufrechtzuerhalten.

Bei diesem „Verbergen“ ziehen die deutschen Kirchen, Staat und Medien letztlich an einem Strang:

Die beiden christlichen Kirchen haben natürlich keinerlei Interesse daran, dass das Thema bekannter wird, zumal sie durch die wachsende Zahl der Konfessionsfreien zunehmend unter Druck geraten. Und die politischen Parteien bis auf die Linken und die Piraten kehren dieses Thema ebenfalls seit Langem systematisch unter den Tisch. Die großen Medien spielen bei dem Ganzen noch weitgehend mit, indem sie es genausowenig zum Thema machen – obwohl es alles Andere als ein Nebenthema ist (mit relativ sporadischen Ausnahmen in Spartensendern wie „Panorama“).

Selbst der so kritische Der Spiegel hat diesem Thema bisher keine größere Story oder Titelgeschichte gewidmet.

Der letzte und keineswegs umfassende Beitrag dazu in diesem angeblich „führenden“ kritischen deutschen Magazin stammt von 1990; und erschien bloß in einer „Spezial“-Ausgabe (Spiegel Spezial 3/1990, der Gastbeitrag eines Professors, der aus der Sicht des heutigen Forschungsstandes zu diesem Thema bloß einige wenige Aspekte beleuchtet).

Der Stern, der hierzulande ebenfalls im Verdacht eines führenden kritischen Magazins steht, spricht in einem Artikel dieses Jahres über den evangelischen Kirchentag in Hamburg sogar von „angeblichen Privilegien wie den Staatsleistungen und dem Sonderweg beim Arbeitsrecht“. Daran ist jedoch gar nichts „angeblich“. Es sind vielmehr unumstößliche, eindeutige und in der Fachliteratur detailliert nachgewiesen „Privilegien“; und auch bloß zwei von diversen Privilegien, die finanziell noch viel weiter gehen als jene „Staatsleistungen“.

In Deutschland kann von einer alleine zeit- und situationsgemäßen Trennung von Kirche und Staat, wie es etwa in den USA oder in Frankreich der Fall ist, also überhaupt keine Rede sei; und genausowenig von der in der Verfassung betonten „weltanschaulichen Neutralität“ des Staates!

Der Anteil der „Konfessionsfreien“ (nicht „Konfessionslosen“, weil ihnen damit unterstellt werden würde, dass ihnen etwas fehle) zum Beispiel ist hierzulande heute schon größer als der jeweilige Anteil der Protestanten oder Katholiken; mit der Tendenz „dramatisch zunehmend“ (siehe hier)!

 

Vögel kurz vorm Aussterben: Katholische Kirche schießt zu viele davon ab!

 

Der letzte dieser „Groß-Abschüsse“ – der Limburger Bischof Tebarzt-van Elst, unter anderem mit 31 Millionen für seinen neuen privaten Prunksitz. Inzwischen wird von rund 40 Millionen ausgegangen; und es wird zunehmend ein Lügengespinst des Gottesdieners offen gelegt, mit dem die wahren Kosten bereits früh klar waren und verschleiert werden sollten. So ist das Bauprojekt etwa in zehn Einzelprojekte aufgestückelt worden.

Offenbar war diese Vorgehensweise auch dem Vatikan schon früh (2010) bekannt, siehe etwa diese Meldung. Tja, wie kommen sie da jetzt wieder einigermaßen gut heraus, wenn sie letztlich allesamt unter einer Decke stecken …?!

Aber da können sie sich insgeheim beruhigt sagen:

„Das ist doch letztlich gleich, solange der Rubel weiter so mächtig rollt! Und da können wir uns auf unseren deutschen Staat und seine Politiker schon verlassen. Die machen das bereits seit über 200 Jahren ganz in unserem Sinne – und auch schn die 1000 Jahre vorher im „Heiligen Römischen Reich deutscher Nation“ – und zwar unter sämtlichen Regierungen, die es dort seitdem gegeben hat! Und die ,Gläubigen´ werden dort zwar etwas unzufriedener. Aber das hält sich alles noch in Grenzen. Die bleiben uns schon bei der Stange! Schließlich haben wir sie seit eineinhalb Jahrtausenden entsprechend gut erzogen!

Außerdem setzen wir jetzt erst einmal eine ,bischöfliche Untersuchungskommission´ ein – das klingt doch so richtig objektiv!

Das sind unsere Leute! Die schaukeln das schon, die biegen es am Ende schon so hin, dass der Bischof und wir alle wieder gut aussehen.

Und die Dinge hinbiegen – ja, darin sind wir einfach die unbestrittenen Großmeister! Das haben wir wirklich gut gelernt! Außerdem lässt sich unsere Kommission natürlich erst einmal viel Zeit, bis das Thema nicht mehr im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht. Irgendwelche Medien werden ihren Ergebnissen später zwar sicher widersprechen. Aber dann haben die Leute keine rechte Lust mehr auf das ganze Thema. Genau so machen wir es!“

 

Zu den unabweisbaren Fakten:

 

Das Geld für die Baukosten stammt aus dem Vermögen des „bischöflichen Stuhls“, das sich alleine durch die alljährliche Finanzierung der Kirchen durch den deutschen Staat aus allgemeinen Steuermitteln (!) gebildet hat – und zwar unabhängig von den Kirchensteuern der Kirchenmitglieder!

Das Gesamtvermögen des durch diese alteingeschliffene staatliche Alimentierung durch den deutschen Staat zustande gekommenen Vermögens der beiden chrstlichen Kirchen hierzulande beträgt – rund 500 Milliarden Euro!

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts zahlen die verschiedenen deutschen Regierungen – einschließlich der Nazis und der DDR! – an die beiden christlichen Kirchen, und zwar als „Entschädigungen“ für die frühere Enteignung von „Kirchengütern“ vor allem durch Napoleon, die in Wahrheit auch bloß „Lehen“ der damaligen Fürsten gewesen waren. Inzwischen ist über diese Zahlungen ein Vielfaches des Wertes jener Güter zustande gekommen.

Freilich sind später noch immer weitere freiwillige Zahlungen des Staates hinzugekommen, so dass heute jene „Entschädigungen“ bzw. „Staatsleistungen“ mit rund 480 Millionen jährlich lediglich einen relativ kleinen Teil der jährlichen staatlichen Geldströme an die Kirchen aus dem allgemeinen deutschen Steueraufkommen darstellen.

Aus diesen „Staatsleistungen“ werden etwa die opulenten Gehälter der Kirchendiener von unten bis oben bestritten, das heißt aus dem Geld der Allgemeinheit bzw. der Tasche jedes einzelnen Steuerzahlers.

Diese und viele weitere Fakten erscheinen etwa in dem maßgeblichen Werk über die deutsche Kirchenfinanzierung, von Dr. Carsten Frerk, nämlich Violettbuch Kirchenfinanzen: Wie der Staat die Kirchen finanziert. Nähere Infos zur Person von Dr. Carsten Frerk.

Dass es überhaupt schon als etwas Besonderes angesehen wird, wenn jetzt einmal ein Papst das Ideal der Einfachheit betont, zeigt schon klar, wie weit weg die Kirchendiener und ihre Gläubigen von der Voraussetzungen einer authentischen inneren Entwicklung sind!

Am „gut erwischten“ Bild des Tebartz-val Elst in diesem Artikel von NTV lassen sich bereits an der speziellen Gestik und Mimik seine wahren Qualitäten erkennen von jedem, dessen Intuition nicht im Glauben gewissermaßen ertränkt worden ist.

In diesem Text der Süddeutschen Zeitung etwa erfährt man einige Details – unter anderem 3 Millionen seine Privatwohnung im Anwesen, deren Inneneinrichtung eine halbe Million, Badewanne mit Nackenstützen 15 000, sein Büro 2,5 Millionen, Privatkapelle 2,8 Millionen, Lichthof 2,3 Millionen, maßgeschneiderte Einbauschränke 350 000 Euro, Adventskranz rund 100 000 Euro usw.

Solche theologisch aufgemotzten Hülsen wie jener Protz-Bischof sind keine Seltenheit in der katholischen Kirche, im Gegenteil – und schon immer gewesen. Bloß halten sie sich heute für ihren Ruf etwas mehr zurück. Schließlich haben sie nicht mehr ihre frühere Machtfülle.

An den hierzulande vom Staat finanzierten (!) Kaderschmieden der theologischen Hochschulen sowie letztlich auch der Theologie-Fachbereiche der staatlichen Universitäten lernen sie letztlich nichts Anderes, zum Beispiel mit der so genannten „Dogmenwissenschaft“, als ihre Kartenhaus-Lehren den zahlreichen über Jahrhunderte manipulierten naiven bis gebrainwashten „Gläubigen“ als massive Steinbauten anzudrehen.

Dadurch werden sie gute Diener ihrer späteren Arbeitgeber der Kirchen, von denen sie dafür aus den Steuern jedes (!) Steuerzahlers fürstlich entlohnt werden. Je besser jenes „Andrehen“ geleistet wird, desto höher steigt der Betreffende in der katholischen Hierarchie auf – mit dem Resultat vieler solcher Figuren wie eines Tebarzt-van Elst, eines Erzbischof Zollitsch oder (alle ähnlich kränklich aussehender) alter Kardinäle.

Sie verraten sich im Grunde schon fortwährend selbst, wie es um ihre „Spiritualität“ in Wahrheit bestellt ist: Da betont zum Beispiel der Erzbischof Zollitsch: „Wir müssen von Papst Franziskus Barmherzigkeit lernen!“

Um zu dieser Aussage von Hochwürden Zollitsch hier einen bekannten, aber selbst überzeugt christlichen Kirchenkritiker zu zitieren: Eugen Drewermann hat dazu in einem Interview mit dem Deutschlandfunk betont:

Wer das nicht angesichts der Not der Menschen weltweit sehen würde, dem sei es auch nicht „durch Papstverhör und Nachdruck“ beizubringen. Wenn ein Kirchenvertreter „angesichts des massenhaften Elends“ selbst auf der Welt auf die Idee komme, er könne „prachtvoll wohnen und sich Paläste einrichten“, wäre er weit weg „von der Botschaft Jesu“, so „dass man dann auch nicht so tun muss, als ob ein neuer Papst mit einer neuer Direktive für Ordnung sorgen könnte. Da geht das Chaos tiefer.“

Das „Chaos“ heißt schlicht und einfach – fehlende echte Spiritualität!

Sie kommt nämlich nicht durch ein Universitäts-Studium zustande, und schon gar nicht durch ein Theologie-Studium, und genausowenig durch irgendeinen „Glauben“, sondern alleine durch eine ernsthafte spirituelle Praxis, das heißt laut der Praxislehre des Buddhas durch eine zunehmende Realisierung von ethischer Motivation, geistiger Ruhe und befreienden Einsichten aus der Quelle von Selbstdenken und sehender Achtsamkeit!

Aber das versteht auch der so gerühmte kritische Herr Drewermann bloß zum Teil:

Die von ihm geforderte „Barmherzigkeit“ zum Beispiel ist eindeutig eine unpassende, in der „Ich“-Verhaftung verwurzelte „Von-oben-Herab“-Haltung, die von einer Trennung von Selbst und anderen ausgeht.

Echtes „Mitgefühl“ bedeutet etwas Anderes!

Es ist immer in der Schau der „Gleichheit“ und „Austauschung“ von Selbst und anderen“ verwurzelt, wie es etwa detailliert der Begründer des mahayana-buddhistischen Bodhisattva-Ideals mit seiner Ethikbegründung aufgezeigt hat (das Thema meiner früheren Indologie-Abschlussarbeit, nämlich die Übersetzung des maßgeblichen altindischen Kommentars zu dieser Ethikbegründung Shantidevas).

Und in den frühbuddhistischen Quellen des Palikanons lautet eine die Ethik begründende Kernaussage „sich selbst in allen wiedererkennend, durchstrahlt man die ganze Welt mit Liebe, Mitgefühl und Mitfreude“.

In allen buddhistischen Ländern sind bis zum heutigen Tag die vom gewöhnlichen Volk am meisten verehrten buddhistischen Meister immer die Meditationsmeister gewesen, die sich über viele Jahre intensiver spiritueller Praxis gewidmet haben!

Wie ist es in Wahrheit um den religiös-spirituellen Status einer Institution bestellt, der katholischen Kirche, und des sie massiv finanzierenden Staates, wenn solche objektiven Witzfiguren wie etwa ein Tebartz-van Elst bis auf höchste Stufen in deren interner Hierarchie gelangen können?

Der renommierte Kirchenkritiker Hans Küng sieht die katholische Kirche als „ein autoritäres System mit Parallelen zu Deutschlands nationalsozialistischem Regime“, in dem alleine Opportunisten oder Ja-Sager in der Hierarchie aufsteigen könnten (The Guardian, 5. Okt. 12).

Das Einzige, was die katholischen „Würdenträger“ wirklich gut können, ist heiße Luft und pathetische Worthülsen produzieren, manchmal unterlegt mit einem gewissen möchtegern-heiligen Singsang in der Stimmführung wie bei Herrn Hochwürden Erzbischof Zollitsch.

Arthur Schopenhauer hat ein treffliches Wort für jene Worthülsen geprägt:

„Begriffs-Dreimaster“!

Jeder ernsthafte buddhistische Meditierende ist diesen hohlen rhetorischen Bambusstauden spirituell deutlich überlegen.

Ein guter Rat an sie von einem, der es mit der Spiritualität ernst nimmt:

Sie sollten sich in ihrem ureigensten Interesse vor ihrem Abtritt um wirkliche Spiritualität an Stelle von Theologie kümmern. Dann nützen ihnen nämlich ihre pompösen Gewänder, Geld sinnlos verschwendenden Prachtbauten, immensen Gehälter, verinnerlichten Dogmengebäude und vollkommen irrationalen, naturwidrigen Glaubenvorstellungen, die in der buddhistischen Urgemeinde ein „running joke“ gewesen wären, gar nichts mehr!

 

Die alteingeschliffene staatliche Kirchenfinanzierung

 

Wer die genaue Aufschlüsselung der rund 20 Milliarden alljährlicher Kirchenfinanzierung durch den deutschen Staat aus dem allgemeinen (!) Steueraufkommen wissen möchte, benötigt dafür Zeit und lese etwa es etwa auf dieser Website nach.

Einige der Hauptposten (gemäß dem oben zitierten Werk von Carsten Frerk):

* Die Ausbildung der akademischen Nachwuchskräfte der beiden christlichen Kirchen an den 40 „staatlich anerkannten Hochschulen in kirchlicher Trägerschaft„, wie zum Beispiel der „katholischen“ Hochschulen in Eichstätt, Fulda oder Münster, sowie allen theologischen Fachbereichen (!) der staatlichen Universitäten (650 Millionen).

* Der Religionsunterreicht an den gewöhnlichen Schulen, dessen Inhalte gleichfalls die christlichen Kirchen bestimmen (1,4 Milliarden).

* Die christlichen Kindergärten, wo die Kinder schon früh „auf Glaubenslinie“ gebracht werden. Auf der Seite „Kirchensteuer“ heiß es dazu: „Bezogen auf alle Kinder in allen Kindertagesstätten (letztere: 50 000) sind in Deutschland 36,2% der Kinder in konfessionell gebundenen Kitas untergebracht.“ Das wird vom Staat mit 3,9 Milliarden finanziert, aus den Steuern aller Bürger.

* Die Kirchenbauten zum überwiegenden Teil, etwa 1100 Kirchengebäude in Baden-Würtemberg, 1909 in Bayern und 1200 in Hessen.

* Die Beiträge der rund 15 000 Kommunen in Deutschland (rund 4 Milliarden).

* Die Seelsorge und Mission in den öffentlichen Einrichtungen, wie Militär, Polizei, Gefängnis oder Anstalten.

Über die so genannten „Staatsleistungen“, die mit etwas rund 480 Millionen jährlich bloß einen relativ kleinen Teil der jährlichen Kirchenfinanzierung ausmachen, erscheinen alle Informationen hier. Aus den „Staatsleistungen“ werden etwa die üppigen Gehälter der „Kirchenhirten“ bezahlt.

Speziell zu den Einnahmen durch die Kirchensteuer, die wie gesagt von allen oben genannten Formen der staatlichen Kirchenfinanzierung getrennt sind, gibt es diese Seite.

Hier ein „Pressespiegel“ – eine gute Übersicht zu diversen Artikeln von und zu Dr. Carsten Frerk, mit allen Links.

Hier Auszüge aus einem Interview mit ihm, ein Video auf YouTube.

 

Was haben einige dieser „Finanzierungen“ gemein?

 

Dazu schrieb bereits 1990 in dem oben zitierten Artikel im Spiegel der Religionssoziologe Horst Herrmann:

„Ich nenne im folgenden als Empfänger von staatlichen Unterstützungen, die nichts mit der gewöhnlichen Kirchensteuer zu tun haben, die Militärseelsorge, die Denkmalpflege, die konfessionellen Schulen, die Pfarrer und Bischöfe. Diese auf den ersten Blick auseinanderdriftenden Gruppen weisen eine wichtige Gemeinsamkeit auf: Sie alle erhalten finanzielle Subventionen aufgrund ihrer Bedeutung für die „Seelsorge“.

Daß die großkirchlich organisierte Seelsorge finanzkräftig unterstützt wird, ist eine bundesdeutsche Besonderheit. Offensichtlich vermag die Bundesrepublik noch nicht auf eine ebenso kräftige ideelle Unterstützung seitens der Großkirchen zu verzichten – auf eine Unterstützung, die die Kirchen schon geleistet haben, als in den beiden letzten Jahrhunderten noch vom Bündnis zwischen „Thron und Altar“ die Rede war. Nicht ohne Grund wendet sich die staatliche Subvention noch immer vorrangig jenen Bereichen kirchlicher Tätigkeit zu, die Erziehung und Militär betreffen. Hier gehen, wie die deutsche Geschichte lehrt, kirchenpolitische und staatspolitische Ziele besonders gerne Hand in Hand.

Außerdem hat dieser Experte im selben Beitrag bereits 1990 betont:

„Da er Bürger der Bundesrepublik ist, wird ihm diese finanzielle Unterstützung der Großkirchen auferlegt. Seine europäischen Freunde haben keine ähnliche Kultsteuer aufzubringen.

Die bundesdeutschen Steuerpflichtigen stehen einmal mehr allein auf weiter Flur in Europa.“

Die Kirchensteuer der Kirchenmitglieder von rund 9 Milliarden, die vom Staat – selbstverständlich kostenlos – für die Kirchen eingetrieben wird, kommt als Sahnehäubchen also bloß noch oben drauf.

Sie wird als „steuerlich absetztbare Sonderausgabe mit 3 Milliarden begünstigt“ (C. Ferk). Die Einziehung dieser Steuer kostet etwa 2 Milliarden pro Jahr, was den Kirchen geschenkt wird!

Außerdem (!) fließen noch rund 45 (!) Milliarden alljährlich für Diakonie und Caritas aus dem allgemeinen Steueraufkommen.

Lediglich zwei Prozent davon stammt von den Kirchen selbst; und der Rest aus den Krankenkassen, Sozialversicherungsträgern und staatlichen Investitionen. Die Caritas und die Diakonie schaffen es sogar, sich in der Öffentlichkeit so darzustellen, dass man für sie auch noch spenden sollte!

Jene 20 Milliarden jährlicher Kirchenfinanzierung dienen also keineswegs den kirchlichen Sozialeinrichtungen, und dies zu keinem Teil.

Aber die Kirchen sind hierzulande mit rund 50 Tausend Unternehmen und 1,3 Millionen Arbeitnehmern der zweitgrößte Arbeitgeber nach dem öffentlichen Dienst. Trotzdem genießen sie nun enorme Sonderrechte, was den Umgang mit ihren Arbeitnehmern angeht. So machen sie etwa zur Voraussetzung einer Arbeit in ihren Einrichtungen, dass man ihnen angehört und getauft ist. Oder sie dürfen zum Beispiel wegen Scheidung, Wiederverheiratung oder Homosexualität die Kündigung aussprechen. Es kann dort auch nicht gestreikt werden, gleichgültig wie schlecht die Behandlung ist.

 

Wo gibt’s denn das alles?

 

Im „Heiligen Römischen Reich deutscher Nation“ – namens Bundesrepublik Deutschland –, zumindest in Hinsicht der finanziellen Unterstützung.

Diese Summen sind im Einzelnen belegt und fließen seit Langem.

Dies ist keineswegs ein Nebenthema. Denn diese Gelder könnten und sollten heute anderweitig viel sinnvoller verwandt werden. Und wenn die kirchlichen Sozaleinrichtungen schon aus allgemeinen Steuermitteln gefördert werden, dürften sie doch selbstverständlich zumindest keine Sonderrechte in Bezug auf ihre Arbeitnehmer pflegen.

Trotzdem wird hierzulande das Thema der Kirchenfinanzierung von allen Parteien, mit Ausnahme der Linken und der Piraten, seit Langem ganz systematisch unter den Tisch gekehrt.

Das zeigt einmal mehr, wie sehr der Politik (früher der „weltlichen Herrscher“) an einer engen Kooperation mit den christlichen Kirchen liegt. Offenbar haben sie große Vorteile davon!

Auch die Medien behandeln das Thema wie gesagt nicht, von gelegentlichen Betrachtungen in wenigen kritischeren Medien abgesehen. Schließlich sitzen die Kirchenvertreter in allen Räten der öffentlich-rechtlichen Sender und entscheiden dort mit.

Ansonsten gibt es auch viele zumindest „gesinnungsmäßige“ Verflechtungen. So ist zum Beispiel der Chef der Wochenzeitung Die Zeit, Giovanni di Lorenzo, ein überzeugter Katholik.

Aber zur Zeit lässt sich dieses Thema kaum vermeiden. So hat eine SPD-Expertin im Deutschlandfunk am 14. Oktober das Thema einigermaßen gut in einem Interview resümiert, wenngleich mit klar zu viel Gewicht auf den untergeordneten „Staatsleistungen“, die ja lediglich einen relativ kleinen Teil der staatlichen Kirchenfinanzierung ausmachen. Diese werden gegen Ende noch, aber zu kurz angesprochen (hier ab Minute 10,57 in einer Gesamtaufnahme – separat wird dieser Betrag, wie es gewöhnlich üblich für den DLF ist, auf dessen Website in diesem Falle nicht zur Verfügung gestellt).

 

So ist sichergestellt

 

Der deutsche Staat bietet auch anderen Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaften die Möglichkeit, einen (vergleichsweise sehr kleinen) Teil des Geldkuchens zu bekommen, wenn sie die Kriterien einer „Körperschaft des öffentlichen Rechts“ erfüllen und als solche anerkannt werden.

Aber dazu müssen sie, wenn wundert dies angesichts des vormodernen Verhältnisses von Staat und Kirche hierzulande, ähnlich wie eine Kirche organisiert sein. So bleibt nämlich sichergestellt, dass der deutsche Staat-Kirche-Komplex immer lenkend einwirken kann. Ende der Neunziger ist ein Antrag der „Deutschen Buddhistischen Union“ (DBU) auf eine solche Anerkennung abgelehnt worden – mit der Begründung, dass dem Buddhismus in Deutschland die hierarchischen Strukturen fehlen, die ihn als „kirchenähnlich“ ausweisen könnten.

Seitdem arbeiten denn auch viele organisierte deutsche „Buddhisten“ emsig opportunistisch daran, jenen staatlich-kirchlichen Erwartungen zu entsprechen – vor allem repräsentiert durch deutsche Christo-Buddhisten wie unter anderem dem Leiter des Waldhauses am Laacher See und Autoren Dr. Paul Köppler (eine eingehende Besprechung seines Buches mit bewusst gefärbten bzw. gezielten Falschdarstellungen der Reden des Buddhas im Palikanon erscheint hier), dem Psychologen Joachim Wetzky (siehe diese eingehende Diskussion vor allem mit ihm) oder Manfred Folkers.

Da entsteht im DBU-Rahmen dann zum Beispiel ein lustiges so genanntes „Buddhistisches Bekenntnis“, zu dem es dann auch noch ganz stolz heißt, dass sich die in der DBU vereinigten Gruppen darauf geeinigt hätten. Schlimm genug! Denn in Wahrheit soll mit diesem Bekenntnis bloß ein christlich angepasstes Buddhismusbild vermittelt werden. Das wird letztlich von jenem Staat-Kirche-Komplex erwartet. Schließlich will man Geld von ihm!

Bei Zeit zerlege ich jenes Bekenntnis einmal hier auf dem Blog im Einzelnen. Dann wird das jedem ganz leicht offenkundig.

Aus diesen Gründen sind übrigens ich und viele weitere kein Mitglied der DBU!

Schließlich geht es mir nicht bloß scheinbar, sondern tatsächlich um die Praxislehre des Buddhas …!

Denn sie ist objektiv zweifellos eine der wenigen echten Chancen in diesem 21. Jahrhundert mit seinen ganz besonderen Herausforderungen, bei denen es erstmals in der Geschichte real um das Überleben das Planeten geht.

 

Die Religion der Nächstenliebe

 

Aber was soll denn diese ganze Kritik an den Kirchen, werden sich viele sagen – es geht hier doch schließlich bitteschön um die Verwalter der Religion der Nächstenliebe!

Dr. Karl-Heinz Deschner hat jüngst sein zehnbändiges Lebenswerk Die Kriminalgeschichte des Christentums beendet, mit einem Zusatzband Die Politik der Päpste.

Niemand konnte Karl-Heinz Deschner bisher übrigens in diesem akribisch recherchierten elfbändigen, monumentalen Gesamtwerk irgendeinen Fehler nachweisen!

Auf der Website der Giordano Bruno Stiftung heißt es unter diesem Link unter anderem zu dem Zusatzband über die Päpste und die Kriminalgeschichte des Christentums insgesamt:

„In keinem anderen Buch wird die Zusammenarbeit der ,Stellvertreter Gottes´ mit totalitären Regimen mit solcher Akribie aufgedeckt wie in diesem epochalen Werk.

Der Mediävist und Kirchenhistoriker Hubert Mohr schreibt zu Recht: ,Kein Historiker, Publizist oder wer immer über dieses Thema schreiben will, wird künftig an diesem Werk vorbeigehen können. Es bleibt das Standardwerk.´

Die zehn Bände der ,Kriminalgeschichte´ und die Neuausgabe der ,Politik der Päpste´ umfassen zusammen die gesamte Geschichte des Christentums von den Anfängen bis zur Gegenwart.

Mit rund 7000 Seiten und mehr als 100 000 Quellenangaben hat Deschner damit eine Anklageschrift gegen die ,Religion der Nächstenliebe´ vorgelegt, die in der Weltliteratur ihresgleichen sucht.“

Hier zur Auflockerung am Ende noch ein schöner Spot des Norddeutschen Rundfunks zu Herrn Tebarzt-van Elst; und damit auch zum Zustand der katholischen Kirche.

Der Spot wäre sicher nicht in einem süddeutschen Rundfunksender – in einem katholischen deutschen Bundesland – gekommen. Denn auch das wissen wenige: Die Kirchen bestimmen hierzulande über die Räte in den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten das Programm der jeweiligen Sender direkt mit.

 

 

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3) Die monotheistische Ethik mit Arthur Schopenhauer auf den Punkt gebracht!

 

Erweitert am 9. Dezember 2013 (Zusätze am Ende des Hauptbeitrags)

 

Arthur Schopenhauer (1) trifft es einmal wieder genau!

…. und zwar im Sinne einer „trefflichen Sicht“ (samma ditthi), die laut dem historischen Buddha das „Führungsglied“ des ganzen inneren Befreiungspfades ist.

Das Mitgefühl und seine Quelle

Schopenhauer (2):

„Mitleid mit Tieren hängt mit der Güte des Charakters so genau zusammen, daß man zuversichtlich behaupten darf, wer gegen Tiere grausam ist, könne kein guter Mensch seyn! Auch zeigt dieses Mitleid sich aus derselben Quelle mit der gegen Menschen zu übenden Tugend entsprungen.“

Schopenhauer zu dieser Quelle (3):

„Zur Entwicklung des als die alleinige Quelle uneigennütziger Handlungen und deshalb als die wahre Basis der Moralität nachgewiesenen Mitleids bedarf es keiner abstrakten, sondern nur der anschauenden Erkenntnis – der bloßen Auffassung des konkreten Falles, auf welche dasselbe (Mitleid) ohne weitere Gedankenvermittlung sogleich anspricht.“

Das ist purste Lehre des Buddhas!

Schopenhauer hat sich selbst ja auch zu dieser Lehre, soweit sie ihm damals zugänglich war, bekannt.

Der Maßstab für wahre Ethik

Was bedeutet das für eine Ethik, die die Tiere ausklammert – vor allem für die anthropozentrische, das heißt auf Menschen beschränkte jüdische, islamische sowie christliche Ethik?

Es bedeutet zwangsläufig, dass es sich in diesen Fällen nicht um eine echte Ethik handelt, sondern um eine bloß scheinethische religiöse Kopf-, Dogmen- oder Konstruktions-Ethik! Auf gut Deutsch gesagt – um einen monumentalen religiösen „Fake“!

Denn wer herzlos gegenüber der einen Art von „fühlenden Wesen“ ist – den Tieren -, wie sie sich der von Schopenhauer betonten natürlichen „anschauenden Erkenntnis“ offenbart, wird es auch gegenüber der anderen Art sein – den Menschen.

Dies gilt ungeachtet dessen, dass Menschen in mehrerer Hinsicht höher entwickelt sind – doch keineswegs in jeder: Tiere zum Beispiel töten niemals aus Freude, Selbstsucht oder anderen „niederen“ Beweggründen ihre Artgenossen.

Warum gilt jene Unteilbarkeit von einerseits Herzlosigkeit oder andererseits den Herzqualitäten?

Die Sensibilität des Mitgefühls kann nicht aufgespalten werden – entweder man hat diese Sensibilität (entwickelt); oder man hat sie (noch) nicht (entwickelt)! Denn diese Sensibilität ist mit einer durch jene religiöse Kopf-, Dogmen- oder Konstruktions-Ethik nicht getrübten „anschauenden Erkenntnis“ zwangsläufig auf das bezogen, was Schopenhauer das „Wesentliche“ in Tieren und Menschen nennt – nämlich den „Willen zum Leben“ oder, mit Buddha gesprochen, den „Durst nach Sein“.

Dadurch bedingt teilen Tiere und Menschen eine hohe Empfindungsfähigkeit bzw. sind mit Buddha „fühlende Wesen“. Diese Empfindungsfähigkeit besteht im Wunsch nach Wohl, der Freude über Wohl und der Abwehr von Unwohl.

Schopenhauer (4):

„Man muß wahrlich an allen Sinnen blind … sein, um nicht zu erkennen, daß das Wesentliche und Hauptsächliche im Tiere und im Menschen dasselbe ist und daß – was beide unterscheidet – nicht im Primären, im Prinzip, im Archaios, im innern Wesen, im Kern beider Ercscheinungen liegt, als welcher in der einen wie in der andern der Wille des Individuums ist, sondern allein im Sekundären, im Intellekt, im Grad der Erkenntniskraft … Hingegen ist des Gleichartigen zwischen Tier und Mensch sowohl psychisch als somatisch ohne allen Vergleich mehr … Daß die Moral des Christentums die Tiere nicht berücksichtigt, ist ein Mangel derselben, den es besser ist einzugestehen als zu perpetuieren …“

Einige Folgen der falschen Ethik

Bei diesem Thema wird Schopenhauer sehr scharf gegenüber Judentum und Christentum (5):

„Indessen erwacht auch in Europa mehr und mehr der Sinn für die Rechte der Tiere in dem Maße, als die seltsamen Begriffe von einer bloß zum Nutzen und Ergötzen der Menschen ins Dasein gekommenen Tierwelt, infolge welcher man die Tiere ganz als Sachen behandelt, allmälig verblassen und verschwinden.

Denn diese sind die Quelle der rohen und ganz rücksichtlosen Behandlung der Tiere in Europa, und habe ich den alttestamentlichen Ursprung derselben nachgewiesen im zweiten Band der >Parerga< § 177 (Band 5).“

Er unterschiedet seine eigene „wahre“ Mitgefühls-Ethik, die der Ethik des historischen Buddhas eng wesensverwandt ist, mit folgenden Worten von den „anderen europäischen Moralsystemen“ der Religion und Philosophie (6):

„Die von mir aufgestellte moralische Triebfeder beährt sich als die echte ferner dadurch, daß sie auch die Tiere in ihren Schutz nimmt, für welche in den andern europäischen Moralsystemen so unverantwortlich schlecht gesorgt ist.

Die vermeintliche Rechtlosigkeit der Tiere – der Wahn, daß unser Handeln gegen sie ohne moralische Bedeutung sei oder, wie es in der Sprache jener Moral heißt, daß es gegen Tiere keine Pflichten gebe -, ist geradezu eine empörende Roheit und Barbarei des Okzidents, deren Quelle im Judentum liegt.

In der Philosophie beruht sie auf der aller Evidenz zum Trotz angenommenen gänzlichen Verschiedenheit zwischen Mensch und Tier, welche bekanntlich am entschiedensten und grellsten von Cartesius (Descartes) ausgesprochen ward, als eine notwendige Konsequenz seiner Irrtümer.“

Zu den generell unbewussten Ausdrucksformen dieser fälschlich postulierten Verschiedenheit, die bis heute gelten (7) :

„Solchen Sophistikationen der Philosophen entsprechend finden wir auf dem populären Wege der Eigenheit mancher Sprachen, namentlich der deutschen, daß sie für das Essen, Trinken, Schwangersein, Gebären, Sterben und den Leichnam der Tiere ganz eigene Worte haben – um nicht die gebrauchen zu müssen, welche jene Akte beim Menschen bezeichnen, und so unter der Diversität der Worte die vollkommene Identität der Sache zu verstecken.

Da die alten Sprachen eine solche Duplizität der Ausdrücke nicht kennen, sondern unbefangen dieselbe Sache mit dem demselben Worte bezeichnen – so ist jener elende Kunstgriff ohne Zweifel das Werk europäischer Pfaffenschaft, die in ihrer Profanität nicht glaubt weit genug gehn zu können im Verleugnen und Lästern des ewigen Wesens, welches in allen Tieren lebt.

Dadurch hat sie den Grund gelegt zu der in Europa üblichen Härte und Grausamkeit gegen Tiere, auf welche ein Hochasiate nur mit gerechtem Abscheu hinsehn kann. In der englischen Sprache begegnen wir jenem nichtswürdigem Kunstgriff nicht; ohne Zweifel, weil die Sachsen, als sie England eroberten, noch keine Christen waren.“

Anmerkung: Mit diesem „ewigen Wesen, welches in allen Tieren lebt“, meint Schopenhauer den von ihm mit seinem Hauptwerk erklärten grundlegenden „Willen zum Leben“, der – ähnlich wie der „Durst nach Sein“ in der Lehre des Buddhas – mit dem Tod nicht zu Ende komme, sondern sich wieder neu „lebend“ fortsetze.

Der bekannte französische Vertreter der Aufklärung und Naturphilosoph Jean-Jacques Rousseau hat in seinem pädagogischen Hauptwerk Emile oder über die Erziehung eine ähnliche Ethik wie Schopenhauer und Buddha vertreten:

„In der Tat, wie ist es möglich, daß wir uns zum Mitleid bewegen lassen, wenn nicht dadurch, dass wir uns außerhalb unserer selbst versetzen und uns mit dem Wesen, das leidet, identifizieren – wenn nicht dadurch, daß wir sozusagen unser Selbst aufgeben, um das seinige anzunehmen?“

Shantideva (7.-8. Jh.), der altindische buddhistische Urvater des mahayana-buddhistischen Ideals vom selbstlosen Weltbefreier „Bodhisattva“, hat in seinem Hauptwerk Der Eintritt in den Wandel zum Erwachen im achten Kapitel die einflussreichste buddhistische Etkibegründung formuliert. Sie kann geradezu als Vorgänger der Ethikbegründungen von Schopenhauer und Rousseau gelten, wenngleich sie den beiden natürlich unbekannt war.

Sie zu erklären, würde hier zu weit führen (sie war das Thema meiner indologischen Abschlussarbeit). Ihr Titel: „Gleichheit und Austauschung von Selbst und anderen.“

Es geht – logisch genau nachgewiesen im Rahmen einer Debatte – um die Wesensidentität von Selbst und anderen; sowie um das Mitgefühl als dem einzig adäquaten Ausdruck dieser Wesensidentität bzw. ihres anschaulichen Sehens, womit das Mitgefühl der Inbegriff jeder „echten Ethik“ sei.

Der von Schopenhauer festgestellte Unterschied zwischen Europa und Asien im Hinblick auf die Behandlung der Tiere trifft in einigen Hinsichten auch heute noch zu, wenngleich sich das westliche Verwertungsdenken gegenüber Tieren inzwischen weltweit ausgebreitet hat.

Indien zum Beispiel hat jüngst Delfine zu „nichtmenschlichen Personen“ erklärt und alle Delfinarien des Landes geschlossen; und ebenfalls verboten, dass Elefanten in Zirkussen auftreten. Das buddhistische Sri Lanka hat den höchsten Anteil von Naturparks weltweit im Verhältnis zur Größe des relativ kleinen Landes (Größe wie Bayern). Das buddhistische Tibet ist bekannt für seine ausgeprägte Tierfreundlichkeit, was alleine von den nichtbuddhistischen Chinesen in ihrem Land nicht fortgeführt worden ist. Die alten Reisebreichte über Tibet berichten von handzahmen Wildtieren. Denn diese hatten von den Tibetern nichts zu befürchten.

Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!

An den oben beschriebenen Sachverhalten bzw. Merkmalen einer wahren Ethik beißt zum Beispiel auch der berühmteste christliche Grundsatz, nämlich „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ (hier sind freilich bloß die Menschen gemeint), keinen Faden ab – zumal man sich selbst gewöhnlich in Form von „Eigenliebe“ in einer egozentrischer Art und Weise liebt.

Die demgegenüber positive „Selbstliebe“ der modernen Psychologie ist ein innerlich erst zu erarbeitender heilsamer Zustand der vollen Selbstakzeptanz, der nicht das gewöhnliche oder alltägliche Bewusstsein charakterisiert.

Jene biblische Aufforderung bezieht sich auf das gewöhnliche Bewusstsein, das von jener „Eigenliebe“ gekennzeichnet ist.

So soll man dieser Aufforderung nach also auch die anderen Menschen lieben?

Selbst dieser so häufig und emphatisch zitierte Satz, der geradezu als Inbegriff der christlichen Ethik gilt, ist also nichts als (bloß) ein (weiteres christliches) ….

Kartenhaus!

Außerdem sind der Bibel und dem monotheistischen theologischen Denken generell solche Ethikbegründungen „im Stile“ (von den Inhalten ganz zu schweigen) eines Buddhas, Shantidevas, Arthur Schopenhauers oder Jean-Jacques Rousseaus fremd.

Es sind vielmehr bloße Forderungen, wie etwa „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ oder „Du sollst nicht stehlen!“, und zwar ohne nähere keine Begründungen!

Wo Begründungen kommen, etwa hier in dem neuen „apostolischen Schreiben“ von Papst Franziskus, sind die Gründe in einem formal-logischen Sinne keine „gültigen Gründe“.  Denn Ethik lässt sich nicht unter Bezugnahme auf einen „Gott“ überzeugend begründen, weil es sich hier um einen bloßen Glauben handelt.

Ethik lässt sich ebenfalls nicht unter Bezugnahme auf Forderungen in vermeintlich „Heiligen Schriften“ überzeugend begründen. Denn auch diese „Heiligkeit“ ist ein bloßer Glaube. Es immer nur das Gewicht des guten, überzeugenden Arguments, das einen „gültigen Grund“ liefert, und nicht per se die Quelle desselben!

Wie es der Buddha mit dem berühmtem Kalama-Sutta an die Kalamer betont hat, die sich wegen der Wahrheitsansprüche der verschiedenen Meister verwirrt gezeigt haben:

„Ihr Kalamer, es ist gut, dass Ihr zweifelt! Denn bei einer Sache, bei der man zweifeln kann, zweifelt Ihr!

Geht nicht nach Hörensagen (Berichten), Legenden (Gerüchten), (ehrwürdgen) Traditionen, (heiliger) Schrift, Mutmaßung, bloßer Schlussfolgerung, fadenscheiniger Argumentation (Rhetorik), Befangenheit in einer Sicht, angeblicher Fähigkeit eines anderen (Charisma) oder der Idee ,Dieser Kontemplative ist unser Lehrer!´

Aber wenn Ihr für Euch selbst zu dem Schluss gelangt:

,Diese Dinge sind förderlich; diese Dinge sind tadellos; diese Dinge werden gerühmt von den Weisen –

und diese Dinge, wenn sie angenommen und ausgeführt werden, führen zu Wohlergehen und Glück:

Dann solltet ihr sie annehmen und mit Ihnen verbleiben!“

Ethische Gläubige

Selbstverständlich gibt es trotzdem viele ethisch handelnde Christen, Juden  oder Muslime.

Denn vom Standpunkt des Dharmas des Buddhas hat jeder Mensch aufgrund seiner tiefsten, erwachten Natur das Potenzial zur Realisierung des universellen Weges von Ethik, innerer Ruhe und befreiender Einsicht. So kann dieser Weg letztlich unter allen Umständen verwirklicht werden.

Und bei allen innerlich bereits entwickelten Gemütern gelingt dies sogar ohne die Hilfe eines spirituellen Systems. Laut Buddhas Lehre sind es die „Einzelerwachten“ Pacceka-Buddhas.

Jene ethisch handelnden Gläubigen berufen sich eventuell auf ihre jeweilige Religion, indem sie Forderungen wie „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!“ zitieren. Aber der eigentliche Grund für ihre Ethik ist nicht diese Forderung, sondern ihr eigenes inneres Potenzial, mit dem sie in den universellen Dharma sozusagen „einschwingen“.

Sie haben ihre Ethik infolge ihres Potenzials und nicht wegen ihres Glaubens entwickelt, sondern vielmehr trotz ihres Glaubens.

Denn die – wie oben nachgewiesen – in sich brüchige, nicht überzeugend aufgebaute Ethik der Monotheismen kann aufgrund ihrer inneren Struktur keine echte Ethik befördern, jedenfalls nicht von sich aus! Warum? Weil aus einem unvollständigen oder defekten Samen keine vollständige oder lebensfähige Pflanze hervorwachsen kann!

Zur Entwicklung von Ethik bedarf es eines Instrumentariums von überzeugenden Lehren zur Erforschung des Geist-Herz-Komplexes sowie praktischen Mitteln wie vor allem der Mediation und Achtsamkeit, um die Grundbereiche des universellen Befreiungspfades von Ethik, innerer Ruhe und befreiender Einsicht hervorzubringen.

Die Monotheismen verfügen über dieses Instrumentarium schlichtweg nicht.

Vom Standpunkt buddhistischer Logik und Erkenntnistheorie sind die Berufung auf Jahwe, Gott oder Allah oder vermeintlich von Jahwe, Gott oder Allah geoffenbarten Lehren oder Schriften als bloße Glaubenssätze keine „gültigen Gründe“. Folglich können sie auch nicht Begründung einer tragfähigen Ethik herangezogen werden.

Und die Berufung auf das Beispiel von Jesus Christus ist höchst problematisch.

Der Nobelpreisträgerund Religionskritiker Bertrand Russell hat einmal betont, dass er nicht finden könne, dass Jesus Christus vielen früheren oder späteren Philosophen überlegen gewesen sei. Denn diese hätten es aufgrund überzeugender Lehren nicht nötig gehabt, mit Drohungen zu arbeiten, um Zustimmung zu erwirken.

Im Neuen Testament erscheinen viele Drohungen, vor allem dass bloß über den Glauben an Gott und Sohn das Heil möglich sei und andernfalls die Verdammung drohe – einmal ganz abgesehen von der dortigen Kardinadrohung vom „Jüngsten Gericht“ und den dahinter stehenden Ammenmärchen (körperliche Widerauferstehung  von längst verwesten Körpern oder das von Fanfaren begleitete Herabschweben eines Erlöser usw.).

Solche Lehren mögen ja im Mittelalter auf viele (in diesem Status von den Mächtigen gehaltenen) Analphabeten und Naive Eindruck gemacht haben. Heute sind das zum Glück mit stark wachsender Tendenz immer weniger. Und das ist zeitlich mehr als überfällig!

 

Besondere Tipps:

* Eine wunderbare, sehr lehrreiche und häufig berührende Website rund um das Thema Tiere als „fühlende Wesen“:

Care2 – make a difference! (Ebenfalls zu anderen Themen.)

* Mehr zum Thema Arthur Schopenhauer und die Tiere erscheint zum Beispiel hier auf einer Tierversuchsgegner-Seite:

„Arthur Schopenhauer (1788-1860) – ein früher Tierversuchsgegner“.

 

Anmerkungen:

(1) Alle Zitate von Arthur Schopenhauer in diesem Beitrag stammen aus der folgenden Werkausgabe (im Originaldeutsch der damaligen Zeit, das heißt ohne Beachtung der „Neuen Rechtschreibregeln“):

Arthur Schopenhauer, Sämtliche Werke, Bd. 3, Kleinere Schriften: Preisschrift über die Grundlage der Moral, S. 631-797. Wolfgang Frhr. von Löhneysen (hrsg. und textkritisch bearb. von), Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1996-1998.

(2) Ebd., S. 777.

(3) Ebd., S. 781.

(4) Ebd., S. 775-776.

(5) Ebd., S. 778.

(6) Ebd., S. 773.

(7) Ebd., S. 774-775.

 

Kommunikation:

 

Auf meiner Facebook-Seite hat es nach der (deutlich kürzeren) Vorform dieses Beitrags eine Kommunikation mit dem Politologen Marcus von Schmude darüber gegeben. Ich drucke sie hier mit seinem Einverständnis ab:

 

Marcus von Schmude: Du lässt auch kein gutes Haar am Christentum…

Hans Gruber: Stimmt, was ich sage oder stimmt es nicht?

Das ist die einzige Frage, die hier interessiert. Meine Kritiken sind inhaltlich korrekt und nicht zu widerlegen! Die es bisher versucht haben, sind nicht erfolgreich gewesen.

Es ist mir schleierhaft, wie eine solche Summe an irrationalen, jeder Erfahrung bzw. der Natur widersprechenden Glaubenslehren auch heute noch so viele Menschen im unbewussten Griff halten kann; und damit gar nichts Gutes ahnen lässt, was die Bewältigung der besonderen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts angeht.

Das Gleiche gilt für Judentum und Islam; wobei im Judentum das Dogma eine weitaus geringere und das eigene Denken eine weitaus größere Rolle spielt (sicher ein Grund, warum sich so viele Juden zum Buddhismus hingezogen fühlen).

Der Grund für jene Macht liegt in der „Psychologie“. Ich habe es einmal mit einem „Hammer“-Resümee für mich so auf den Punkt gebracht:

„Der Glaube an ,Gott und Seele´ ist der Glaube an ,Ich und mein´ in seiner metapyhsisch überhöhten Form – das unbewusste machtvollste Rückversicherungsprojekt des ,Selbst´ in der Geschichte der Menschheit!“

Die Verfasser der Bibel waren verdammt geschickte Tiefenpsychologen! Dagegen hilft nur das „Nichtselbst“ des historischen Buddhas …!

Marcus von Schmude: Ich mag den neuen Papst.

Hans Gruber: Besser als seine Vorgänger! Da kriege ich wenigstens nicht gleich Bauchschmerzen, wenn ich ihn höre oder lese!

Aber auch das sagt doch auch Einiges, dass er überall so gefeiert wird, obwohl er nichts Anderes tut, als sich etwas deutlicher als früher dem Selbstverständlichen bzw. für die heutige Zeit alleine Angemessenen anzunähern – etwa mit seinem aktuell gefeierten „apostolischen Schreiben“:

Freilich bleibt auch laut dieser Schrift wieder den Frauen der Zugang zum Priesteramt verwehrt oder die katholischen Dogmen zum Umgang mit Geschiedenen, Homosexuellen, Frauen, die sich nach einer immer schwierigen persönlichen Abwägung zu einer Abtreibung entscheiden, oder Verhütungsmitteln nicht hinterfragt.

Es wird bloß mehr „Barmherzigkeit“ gefordert!

Ich bin heterosexuell, aber es ist zum Beispiel ein klares ethisches Grundgebot, dass man geschlechtliche Orientierungen nicht bewertet, soweit diese auf beiderseitigem Einverständnis beruhen bzw. nicht mit Schaden für die Beteiligten verbunden sind. Genauso ist Scheidung und auch Abtreibung Privatsache und per se weder positv noch negativ. Es kommt immer auf die Motive an, zumindest ausgehend vom buddhistischen Ethikbegriff.

Papst Franziskus spricht regelmäßig über „Barmherzigkeit“ und „Neu-Evangelisierung“.

„Barmherzigkeit“ ist eine eindeutige Von-oben-nach-unten-Haltung – nämlich von sich selbst frei wä/ahn-enden Kirchenhirten gegenüber vermeintlichen „Sündern“, angeblich weil sie zum Beispiel Verhütungsmittel nähmen, sich scheiden ließen oder homosexuell seien.

„Barmherzigkeit“ hat nichts mit dem oben erklärten echten Ethik des Mitgefühls eines Buddhas, Arthur Schopenhauers oder Jean-Jacques Rousseaus zu tun.

Die christliche Kopf-, Dogmen- oder Konstruktionsethik bewegt sich auf einem ganz anderen und ziemlich unreifen Level! Davon ist auch der hochgefeierte neue Papst keineswegs ausgenommen. Auch er würde jene „wahre Ethik“ inhaltlich kaum verstehen (können)!

Und worum geht es auch den neuen Papst letztlich, wie schon seinem wenig erfolgreichen deutsch-bayerischen Dogmen-Papst-Vorgänger?

Eben um „Neu-Evangelisierung“ …! Darüber solltest Du einmal vertieft nachdenken! Jene „neue“ Modernität, Reformbereitschaft und Offenheit dient nämlich vor allem diesem Zweck, in guter alter christlicher Missionars-Manier! Und selbst kluge Linke wie Du scheinen damit kein Problem zu haben!

Die katholische Kirche wäre absolut jenseits von allem Gut und Böse gewesen, wenn sie angesichts der Erfordernisse der Zeit jetzt nicht einen Papst wie Franziskus genommen hätte.

Die Mission wird jetzt bloß klüger durchgeführt als unter dem dogmatischen Papst Benedikt, der besser als Professor einer katholischen Dogmenschmiede platziert gewesen wäre!

Und dass Franziskus das Prinzip der Einfachheit und Schlichtheit hochhält und, das glaube ich ihm, auch umsetzt:

Was soll daran denn bitte so toll sein?

Das sind die absoluten Basics für jeden ernsthaft den spirituell Weg Gehenden, zumindest wenn er oder sie dies „professionell“ als Geistliche(r) oder Ordinierte(r) tut!

Jeder buddhistische Meister kann dafür doch bloß ein müdes Lächeln übrig haben, was daran so hochgehalten wird!

Die große Mehrheit der katholischen Oberen sind die Teebartz van Elst-en, andere Witzfiguren oder kränklich aussehende alte Kardinals-Herren, die schon mit ihrem Körper „verraten“, wohin es mit ihrer Bewusstheit in Wahrheit gekommen ist!

Und das ist nicht grenzüberschreitende Polemik: Körper und Geist sind nämlich nicht zu trennen! Auch diese Einsicht ist Kern jeder echten Spiritualität.

Was die gut können, ist lediglich, ihre dogmatischen Luftschlösser den vielen Naiven als vermeintliche Wahrheiten „anzudrehen“! Und zwar – vom Staat finanziert – auf staatlichen sowie  kirchlichen Universitäten dazu ausgebildet und danach von ihm hoch bezahlt!

Marcus von Schmude: Du bist ein buddhistischer Krieger.

Hans Gruber: Dharma-Krieger, und alleine mit Dharma-Mitteln! Dazu gehört auch eine scharfe Auseinandersetzung, solange sie inhaltlich geboten ist bzw. gut begründet wird.

Wie Du weißt – Ich halte nichts von dem rein westlichen und irreführenden Begriff „Buddhismus“!

Kein Christ etwa wäre einverstanden mit der Umbenennung seiner Religion in „Jesuismus“. Warum wohl? Weil der Begriff negativ wirkt! Die Endung „-tum“ dagegen nicht.

Es sind abendländische, generell christlich vorgeprägte Interpreten gewesen, die diese Namen vergeben haben.

Ich muss mir deren subjektive Bewertung doch nicht zu eigen machen (soweit möglich – weil ganz vermeiden lässt sich der Begriff „Buddhismus“ leider bisher nicht, dafür ist „Dharma“ zu wenig bekannt). Diese falsche Bewertung ist deren Problem, nicht meines!

Es ist dem Buddha nicht um eine Religion gegangen, sondern um ein inneres Gesetz „Dharma“ (das, was trägt), dessen volle Verwirklichung sein Erwachen bedeutet hat.

Es gilt zu jeder Zeit, überall und für jeden!

Entweder man folgt ihm; oder man hat ein Grundproblem!

Aber der Dharma lässt sich bloß durch das gute Argument und Beispiel vermitteln, weil er ausschließlich auf Einsicht beruht!

Wenn man einmal auf dem Sterbebett liegt, zählt nur noch das: Wie ernsthaft man diesen Weg des Dharmas gegangen ist und wie weit man ihn verwirklicht hat.

Alles Andere ist dann in der Tat „Schall und Rauch“, und allemal das, was im Westen von vielen hochgehalten wird!

Marcus von Schmude: Dharma-Krieger! Ok!

 

Eine weitere (auf Facebook öffentliche) Diskussion mit Marcus von Schmude bezieht sich auf die sehr „zukunftsträchtige“ Piratin Anke Domscheit-Berg, die im Fernsehen an einer Diskussionssendung über die Kapitalismuskritik von Papst Franziskus beteiligt war. Der YouTube-Auszug, über den diese Diskussion geht:

 

 

In jener Facebook-Diskussion mit Marcus ist neben Anke Domscheit-Berg auch der aktuelle Papst besonders gelobt worden.

Dazu habe ich Folgendes gesagt:

Danke für den Hinweis auf die Frau. Die ist wirklich gut! Ich habe sie vorher noch nicht wahrgenommen.

Die Piraten machen auch als einzige Partei die enorme Kirchenfinanzierung durch den deutschen Staat aus dem allgemeinen Steueraufkommen zu einem Kernthema, hoffentlich auch sie (einmal): 20 Milliarden jährlich, neben 45 Millarden für Caritas und Diakonie und noch neben der Kirchensteuer von 9 Milliarden, was die kleinste Summe unter den Subventionierungen ist, der man sich aber als der einzigen Summe durch den Kirchenaustritt selbst entziehen kann (vgl. zu diesen Summen den Experten Dr. Carsten Frerk).

* Sie ist in der Sendung ein sehr schöner Kontrast zu der bekutteten katholischen Nullnummer. Dass sie den für die Sendung zugelassen haben, muss wohl etwas mit seinem schönen großen Kreuz um den Hals zu tun haben … Da wird man doch gleich so ehrfürchtig …! Aber die Knoblauchkette hatte er wohl leider vergessen …!

Ihre Kapitalismuskritik ist konkret und fließt aus echter Betroffenheit. Und sie ist vor allem nicht unterlegt von jenem katholischen Pathos etwa auch des Papstes, wenngleich sie bei ihm weniger stark als bei so vielen anderen Führungskräften seines „Konzerns“ sind.

* Klar ist der jetzige Papst viel besser als seine Vorgänger!

Trotzdem will auch er nichts an den grundlegenden Mittelalter-Relikten ändern (Verwehrung der Gleichberechtigung der Frau in der katholischen Kirche, Umgang mit gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, Geschiedenen usw.).

Dass er relativ einfach lebt (bzw. keine Witzfigur ist, wie ein Protzer Teebartz van Elst sowie die meisten anderen Bischöffe, die ähnlich oder noch luxuriöser leben) – so what??

Das sind die Basics jedes ernsthaft Spiritualität Praktizierenden, vor allem wenn die Person es vollzeitlich bzw. beruflich tut. Das scheint all denjenigen, die seine Einfachheit aktuell so hoch halten, offenbar weitgehend unvertraut zu sein.

Es scheinen sich sehr viele Gläubige derart an eine fadenscheinige Spiritualität gewöhnt zu haben, die hierzulande absolut hoffähig ist, dass es ihnen schon als etwas ganz Besonderes und unbedingt Hochzulobendes vorkommen muss, wenn eines ihrer religiösen Oberhäupter glaubhaft Einfachheit lebt!

* Ein guter Vorschlag, wenn der gute Papst Franziskus es ernst meint mit seiner Einfachheit:

Er könnte doch das absolut immense Vermögen seiner Kirche und vor allem deren deutschen Ablegers wirklich „guten Zwecken“ zukommen lassen. Die ganzen Kirchenhirten könnten ja alle so einfach wie er leben. Er ist doch schließlich ihr großer, unbezweifelter bzw. „unfehlbarer“ Chef. Dann würden sie nebenbei auch einmal die ersten Schritte in echter Spiritualität tun!

Passieren würde dem aktuellen Papst dann sicher nichts. Denn wenn die heute (!) einen Papst, der weltweit so populär ist, und wegen des absteigenden Astes, auf dem sich die katholische Kirche ohnehin befindet, beseitigen würden, könnten sie einpacken!

* Und zu seiner generell so hoch gefeierten Forderung nach „mehr Barmherzigkeit“:

Das ist doch klar eine Von-oben-nach-unten-Haltung – von sich selbst frei wä/ahn-enden Kirchenhirten gegenüber all den vermeintlichen „Sündern“, weil – unter anderem – sie Verhütungsmittel nähmen, sich scheiden ließen oder homosexuell seien.

(Solche) „Barmherzigkeit“ hat überhaupt nichts mit der echten Mitgefühlsethik eines Buddhas, Shantidevas (Begründer des Bodhisattva-Ideals), Arthur Schopenhauers oder Jean-Jacques Rousseaus zu tun. Oder auch der Piratin in dem Video.

Ein Vergeich der Ethikbegründungen steht auf meinem Blog (siehe den Beitrag oben).

* Außerdem kommen all jene Forderungen von einer Kirche, die in ihrer Geschichte so viel Gewaltdreck am Stecken hat, dass man den Stecken beim besten Willen nicht mehr finden würde (siehe die 10 dicken Bände von Dr. KH Deschners „Kriminalgeschichte des Christentums“); oder die mehr Kinderficker, Pädophile und Missbrauchs-Sadisten (etwa auf jenen katholischen Internaten) in ihren Reihen hat als irgendeine andere „Berufsgruppe“.

Da werden dann sämtliche moralischen Forderungen oder das Selbstverständnis, moralische Leitinstanz zu sein, zur echten Farce; sowie all diejenigen, die das nicht sehen.

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4) Zum 1200sten Todestag:

Karl „der Große“ – wirklich?

 

Heute vor 1200 Jahren ist Karl der sogenannte „Große“ gestorben.

Das wird weithin gefeiert, besonders auch von den christlichen Kirchen. Denn er hat schließlich damals „die Heiden“ zum rechten Glauben gebracht.

Bildungsreform, Schrift, Zusammenführung in ein Reich … durch ihn –

das mag ja alles sein!

Aber Karl der Große hat vor allem auch die Zwangsmissionierung durch die katholischen Kirche großflächig eingeführt, die in den nachfolgenden Jahrhunderten zu einer beispiellosen Gewaltgeschichte geführt hat (siehe dazu die zehn umfassenden Bände Die Kriminalgeschichte des Christentums von Karl-Heinz Deschner).

Er hat etwa das große germanische Sachsenreich in einem jahrzehntelangen Krieg sowie die Langobarden in Norditalien auf brutalste Art missioniert und „einverleibt“; und die zentralen Heiligtümer der germanischen Religiosität zerstört.

Wo ist da bitteschön „der Große“?

Aber für viele ist das sicher eine Lappalie …! Das muss dann wohl etwas mit (unbewussten) christlichen Überzeugungen zu tun haben …!

Wenn man auf einer Karte der Weltreligionen heute sämtliche Weltgebiete und Regionen streichen würde, die mit Zwang christianisiert worden sind, wäre auf dieser Karte das Christentum schlicht kaum noch erkennbar!

Ganz im Gegenstätz zum Buddhismus, der sich auf weitgehend friedliche Weise durch bewussten Import seitens der Herrscher aus den Nachbarländern verbreitet hat!

Im Übrigen hat vor Karl dem Großen die katholische Kirche dafür gesorgt, dass der hohe Bildungsstand der ausgehenden Antike gezielt zunichte gemacht und sprichwörtlich zerstört worden ist (Schulen, Bibliotheken usw), wie die neuere Forschung herausgefunden hat.

Siehe dazu dieses aktuelle Buch Schatten über Europa: Der Untergang der antiken Kultur des Althistorikers Rolf Bergmeier.

Denn Analphabeten lassen sich nun einmal viel leichter brainwashen und beherrschen.

Karl „der Große“, der selbst trotz seiner Stellung ja ein halber Analphabet war, glaubte nachgewiesenermaßen, dass jene Zwangsmissionierung seine Pflicht als Kaiser gewesen sei.

Denn er habe für das Seelenheil seiner Untertanen durch die Bekehrung zu dem einen „rechten Glauben“ zu sorgen!

Ansonsten, so flüsterten ihm die katholischen Kirchenfürsten damals ein, drohe ihm die Verdammnis. Da ist er dann furchtsam brav gefolgt.

Damit hat er also außerdem auch noch das nachfolgende jahrhundertelange Brainwashing durch die Kirchen eröffnet, das in immer noch beachtlichem Maße bis heute fortdauert!

Wenn damals oder heute irgendeiner Ungutes nach dem Tode zu fürchten hat, dann alleine diejenigen, die aus leicht durchschaubaren Eigeninteressen religiöse oder sonstige Ideologien verbreiten. Davor schützen auch keine hohen Positionen, dicken Gehälter oder Güter, schönen Kutten und große Kreuze um den Hals.

So funktionieren in Wahrheit die kosmischen (Karma-)Gesetze!

Karl der Große ist also ganz toll – und deshalb heute unbedingt zu feiern! Na denn, lasst uns feiern, Ihr Kirchen und folgsamen Medien und Politiker!

Denn solche Vorbilder wie den guten gebrainwashten Karl braucht es heute wieder unbedingt, wo die Kirchen zunehmend in Bedrängnis geraten, weil die Leute langsam „aufwachen“!

Ein bekannter buddhistischer australischer Mönch und vielfacher Autor, S. Dhammika, sagte mir einmal in einem persönlichen Gespräch:

„Ich bin überzeugt, dass die westliche Geschichte ohne das Christentum viel friedfertiger verlaufen wäre!“

Ich teile diese Ansicht!

Herzlich
Hans

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Eine augenfällige Schizofrenie,

die kaum irgendjemandem ins Auge fällt!

 

Durch ihren zunehmenden Ansehens- und Einflussverlust zumindest in der westlichen Welt unter Druck, hatte der Vatikan eine weltweite Umfrage zu den Haltungen der katholischen Gemeinden zu Themen wie Empfängnisverhütung, Umgang mit Geschiedenen und homosexuellen Partnerschaften gestartet.

Die katholiche Kirche hat jetzt also ausnahmsweise einmal ihre zu Gehorsam aufgerufenen Schäfchen befragt, weil ihr nämlich langsam das Wasser bis zum Hals steigt!

Diese Umfrage hat zum Beispiel in Deutschland eine große Kluft zwischen den „Gläubigen“ und ihrer Kirche offenbart:

„In ihrer Haltung zu Scheidung, vorehelichem Sex, Verhütungsmitteln und homosexuellen Partnerschaften folgt demnach eine deutliche Mehrheit der Gläubigen der Kirchenlehre nicht“, wie der Stern schreibt. Weiter heißt es dort: „Die kirchlichen Aussagen zu vorehelichem Geschlechtsverkehr, zur Homosexualität, zu wiederverheirateten Geschiedenen und zur Geburtenregelung finden bei den Gläubigen kaum Akzeptanz und werden überwiegend ausdrücklich abgelehnt.“

So weit, so gut!

Das ist schön und sehr zu begrüßen, dass das katholische Kirchenvolk zumindest im Westen im 21. Jahrhundert angekommen ist und die mittelalterlichen Vorstellungen ihrer „Hirten“ ablehnt – die ständig mit einem moralischen Führungsanspruch auftreten, obwohl sie ihn selbst mitnichten einlösen; und noch niemals wirklich eingelöst haben:

* Wenn man diesbezüglich zum Beispiel auf einer Karte der Weltreligionen heute alle Länder und Regionen streichen würde, die mit Zwang, Gewalt oder im Gefolge kolonialer Eroberung und Unterwerfung „christianisiert“ worden sind, wäre das Christentum dort kaum noch irgendwo aufzufinden (siehe oben den vorangegangen Beitrag)!

Insbesondere die katholische Kirche kann auf eine ganz beispiellose Gewalt- und Zwangsmissionierungsgeschichte zurückblicken (siehe etwa die zehn umfassenden Bände Die Kriminalgeschichte des Christentums von Karl-Heinz Deschner).

Aber ist die Funktion einer Religion nicht in erster Linie, Menschen zu mehr innerem und äußeren Frieden zu führen? Hier kann doch jeder sicher beipflichten!

Was bedeutet dies vor dem Hintergrund jener beispiellosen Gewaltgeschichte?

Dass der Katholizismus als „Religion“ überflüssig ist, ja, dem Grundgedanken der „Religion“ als „Rückbindung“ an ein höheres Potenzial diametral widerspricht!

* Aktuell hat etwa das UN-Kinderrechtskomitee UNCRC mit einem 16-seitigen Prüfbericht den Umgang der katholischen Kirche mit sexuellem Missbrauch von Minderjährigen als unzureichend kritisiert. Die Vorsitzenden des Ausschusses, Kirsten Sandberg, resümiert, der Vatikan habe „die Reputation der Kirche und den Schutz der Täter über die Interessen der Kinder gestellt“. Es werden mehr Transparenz und Nachbesserungen im Kirchenrecht verlangt.

Bekannte deutsche Katholiken verbitten sich diesbezüglich empört eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten der katholischen Kirche; und betonen etwa, dass wegen solcher Vorkommnisse „allein Papst Benedikt in zwei Jahren knapp an die 400 Priester aus dem Amt entlassen“ habe.

Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), in diesem Sinne noch weiter: „In Deutschland und in einer Reihe anderer Länder hat die katholische Kirche ganz klar Konsequenzen gezogen aus dem Fehlverhalten der Vergangenheit.“

Natürlich zieht sie gewisse Konsequenzen! Das ist doch das Allerselbstverständlichste und Allermindeste, das nicht stolz zu betonen ist!

Aber eben offenbar nicht genügend Konsequenzen, wie der Bericht schwarz auf weiß bescheinigt hat!

Hat sich dort schon einmal einer wirklich ernsthaft gefragt, was es für jenen moralischen Führungsanspruch der katholischen Kirche sowie die Qualität ihrer Lehren oder Spiritualität bedeutet, wenn sich in dieser höchst weltlichen „Berufsgruppe“ – um nichts Anderes handelt es sich hier nämlich vom Standpunkt der frühbuddhistischen Spiritualität – mehr Pädophile, Bubenanmacher, Kinderficker und Missbrauchssadisten als irgendeiner anderen „weltlichen“ Berufsgruppe finden?

Wer braucht denn eine solche Institution heutzutage noch?

* Die „tantrisch-buddhistische“ Transformation sexuellen Verlangens in eine generelle „Lebensenergie“ über ein Alleinheitserleben mit der Welt und den Menschen, wie sie etwa der Dalai Lama und diverse andere buddhistische Meister glaubhaft verkörpern, setzt eine sehr tiefgehende Kenntnis von Geist und Körper voraus – infolge einer gewissen Meisterschaft in der eigenen Achtsamkeit im Alltag sowie der systematischen formalen Sammlungs- und Einsichtsmeditation.

Dazu bedarf es eines sehr ausgereiften inneren Rüstzeuges, das die dogmatischen Kirchenlehren in keinster Weise vermitteln!

Folglich kommt es im zölibatären Leben der Kirchenkleriker leicht zu kompensatorischen Perversionen wie Pädophilie, Kindesmissbrauch und Missbrauchssadismus!

Dieses mangelnde Verständnis der körperlichen und geistigen Energien hat auch noch „deutliche“ weitere Ausdrucksformen:

* Man nehme heute eine beliebige Versammlung von Bischöffen und Kardinälen:

Eines wird dem ungetrübten Blick sogleich auffallen: Es handelt sich bei ihnen ganz überwiegend um blassgesichtige, meist übergewichtige und häufig kränklich aussehende alte Herren, deren biologisches Alter das formale Alter klar  übersteigt. Jeder Normalbürger ähnlichen Alters, der sich um seinen Körper und Geist gekümmert hat, der auf sinnvolle Ernährung und genügend Bewegung geachtet hat, wird gesünder aussehen.

Spiritualität hat vor allem etwas mit echter Achtsamkeit in Bezug auf Geist und Körper zu tun, nicht mit Dogmen. Das wird sich gewöhnlich auch in einem gesunden Körper zeigen.

Von jener Spiritualität haben jene Herren wenig Ahnung. Das „beweisen“ bereits ihre Körper!

Was wollen sie also anderen über echte Spiritualität erzählen, auch wenn sie viele kunstvolle, in Theologiestudien erlernte Worte verbreiten?

Denn die Art des Samens oder der Ursache bestimmt die Art der Frucht oder der Wirkung. So lauten die wahren Gesetze!

* Wenn es Papst Franziskus mit seiner „Einfachheit“ ernst ist, könnte er doch die immensen, aus allgemeinen Steuergeldern zustande gekommenen Vermögen der Kirche (siehe den detaillierten Beitrag oben) guten Zwecken zukommen lassen und seine ganzen Bischöffe, Kardinäle und Kleriker zu einem ähnlich einfachen Leben anweisen, wie er es lebt!

Auch mit den kapitalistischen Machenschaften seiner Vatikanbank könnte er jetzt gründlich aufräumen. Die Kirchen weltweit sind in ihrer Geschichte immer an den lukrativsten Geldgeschäften und Anlageformen beteiligt gewesen. Dabei spielen ethische Gesichtspunkte keine Rolle, sonder nur die Mehrung des Geldes.

Passieren würde ihm bei solchen Schritten nichts! Denn die Beseitigung eines weltweit so populären Papstes könnte sich die katholische Kirche heute nicht mehr erlauben. Das würde ihren Niedergang enorm beschleunigen.

Und geht es nicht bei jeder ECHTEN Spiritualität um eine gewisse Einfachheit bzw. Freiheit von „Materialismus“ als der Grundvoraussetzung für die innere Entwicklung?

Aber einen solchen Schritt wird er niemals tun!

Denn es geht ihm vor allem um einen ablenkenden „Schein“, den es bei all der zunehmenden Kritik aufzubauen gilt.

So hat Papst Franziskus noch keine der vieldiskutierten, umstrittenen Dogmen der Kirche revidiert – „keine inzige relevante Vorschrift geändert oder gestrichen“, wie es im Spiegel vom 27. 1. 2014 mit der Titelgeschichte Der Papst und der verdammte Sex: Vatikan-Umfrage zur Kluft zwischen Kirche und den Gläubigen heißt.

Ganz im Gegenteil: Papst Franziskus hat etwa den erzkonservativen Gerhard Ludwig Müller als Präfekten der Glaubenskongregation im Vatikan (früher „Heilige Römische Inquisition“) vom Vorgänger Papst Benedikt übernommen. Und er hat ihn jüngst sogar zum Kardinal befördert.

Papst Franziskus ist sehr gut in zweckgerichteter „Public Relations“. Bisher hat es doch immer gut funktioniert, den „(gut)gläubgigen“ Schäfchen viel vorzumachen.

* In diesem Zusammenhang zur Erinnerung:

Die kirchlichen Sozialeinrichtungen der Diakonie und Caritas werden in Deutschland vom Staat aus den allgemeinen Steuermitteln finanziert, laut dem Experten Dr. Carsten Frerk mit und 40 Milliarden jährlich.

Diese „guten Zwecke“ werden also bereits von jedem Steuerzahler unabhängig von der Kirchenmitgliedschaft finanziert.

Und „gute Zwecke“ sind es bloß bedingt. Die Kirchen sind mit ihren Sozialeinichtungen von Caritas und Diakonie der zweitgrößte Arbeitgeber in diesem Land. Doch trotz ihrer öffentlichen Finanzierung haben sie ein eigenes Kirchen -und Arbeitsrecht, das für deren Beschäftigte mit vielen und großen Nachteilen im Vergleich zu anderern Arbeitnehmern verbunden ist.

Solange dieser zweitgrößte deutsche Arbeitsgeber von der Allgemeinheit finanziert wird, sollte für ihn doch auch das allgemeine Arbeitsrecht gelten!

Das scheint die mit den Kirchen „verbandelte“ Politik in diesem Land nicht verstehen zu wollen!

Daneben fließen jährlich weitere rund 20 Millarden den Kirchen oder diversen kirchenbezogenen Zwecken zu, wie etwa den Gebäuden, der Ausbildung des theologischen Nachwuchses an allen staatlichen und diversen kircheneigenen Universitäten (Details dazu im Beitrag oben) oder der Vermögensmehrung der sogenannten „bischöfflichen Stühle“, wie etwa dem bischöfflichen Stuhl von Limburg …! Dabei ist letzterer noch eine der ärmeren „Stühle“ in Deutschland!

Die Kirchensteuer macht bei all diesen Geldströmen in Richtung der Kirchen lediglich den kleinesten Teil aus – mit weiteren rund 9 Milliarden. ALLEINE dem eigenen Beitrag zu diesem letzten Posten kann man sich selbst durch den Kirchenaustritt entziehen!

* Auch die Kapitalismuskritik des aktuellen Papstes ist lediglich im Kontext jenes ablenkenden Scheins der Propagierung einer neuen Schlichtheit und Einfachheit zu sehen.

Denn das kommt heute überall gut an, angesichts der verheerenden Wirkungen des modernen Finanz- und Raubtierkapitalismus auf die verschiedenen Gesellschaften und die globale Umwelt! Hier stimme ich dem Vorstandssprecher der „Giordano Bruno Stiftung“, Michael Schmidt-Salomon, nicht zu. Er deutet jene Kapialismuskritik in einem Interview zum Thema Die Krise der katholischen Kirche folgendermaßen:

„Doch je besser die ökonomische Situation eines Landes ist und je höher der Bildungsgrad der Bevölkerung ausfällt, desto eher vertreten die Menschen säkulare Positionen. Das erklärt zum Teil wohl auch die Kapitalismuskritik des Papstes.“

Auch ist es nicht richtig, dass jener Kapitalismus die „ökonomische Situation eines Landes“ verbessern würde.

Denn genau genommen sind es (mit wenigen Ausnahmen) jeweils bloß Minderheiten, die davon profitieren, während die Kluft zur Mehrheit noch größer als früher wird bzw. diese tiefer in eine prekäre Situationen sinkt. Sehr deutlich wird dies an den weltweit größten Ländern auf dem Weg des modernen Kapitalismus – China, Indien und Brasilien.

* Jene in den Medien breit zitierte aktuelle Umfrage, die eine große Kluft zwischen den katholischen „Gläubigen“ und ihrer Kirche offenbar hat, zeigt eine augenfällige Schizofrenie auf – die interessanterweise kein (von mir gelesenes) Medium thematisiert!

Aber es ist genau diese Schizofrenie, die das wirklich Interessante und Aufschlussreiche an dem Ganzen ist!

Worin besteht sie nun?

Einerseits werden also die Positionen der katholischen Kirche etwa zu Scheidung, vorehelichem Sex, Verhütungsmitteln und homosexuellen Partnerschaften von der großen Mehrheit der „Gläubigen“ abgelehnt. Andererseits sind hier aber bloß überzeugte Katholiken befragt worden, die trotzdem ihrer Kirche treu bleiben!

Im Spiegel vom 27. 1. 2014 mit der Titelgeschichte Der Papst und der verdammte Sex: Vatikan-Umfrage zur Kluft zwischen Kirche und den Gläubigen sind die verschiedenen Fragen an die Gläubigen angeführt worden.

Es ist zum Beispiel gefragt worden: „Empfanden Sie es als Sünde, wenn Sie bei der Geburtenregelung sogenannte unerlaubte Methoden verwandt haben?“ 86 % der Befragten antworteten mit Nein.  Aber auf die Frage gleich danach: „Sind Sie deshalb schon der Eucharistie (Abendmahl) ferngeblieben?“ antworteten ebenfalls 90 % mit Nein!

Einerseits also breite Ablehnung bestimmter Positionen, andererseits aber auch eine breite Teilnahme an bestimmten Riten dieser Kirche – offenbar im Glauben, sie wären wichtig!

In der Praxislehre des historischen Buddhas ist der Glaube bzw. das Hängen an äußeren „Regeln und Ritualen“ eine der primären Fesseln, die es für die erste definitive innere Befreiungsstufe des „Stromeintritts“ (sotapatti) zu überwinden gilt!

Oder wie der heute weltweit führende „Horseman of New Atheism“, der Amerikaner Sam Harris, der aus der frühbuddhistischen Vipassana-Tradition kommt, in einer großen Debatte an der nordamerikanischen „Notre Dame“-Universität mit einem bekannten Evangelisten, Dr. William Lane Craig, trefflich betont hat:

„Wenn einer am Morgen beim Frühstück ein paar Worte über einem Pfannkuchen murmelt – im Glauben, der Pfannkuchen würde zu Elvis Pressley werden -, gälte er als ein Verrückter! Wenn einer im Grunde das Gleiche über einer Oblate macht – im Glauben, die Oblate würde zum Körper von Jesus Christus -, ist er bloß ein Katholik!“

Die ganze über zweistündige Debatte erscheint unter diesem Link.

Nachfolgend kommt ein Auszug aus dieser Debatte, mit jenem oben gebrachten Zitat von Sam Harris:

Die große Frage, die doch hier ganz offensichtlich zu stellen ist:

Warum verlassen denn die Befragten diese Kirche nicht schlicht und einfach – entsprechend jener klaren Ablehnung jener hochmittelalterlichen Positionen der Kirche -, sowie nach einer schier endlosen Palette an geschichtlichen und aktuellen Zumutungen, die diese Kirche zu verantworten hat?

Sie hat in Wahrheit doch dermaßen viel Gewalt-, Zwangsmissionierungs-, heuchlerischen Moralismus-, Besitzgier-, kruden Prunk- oder Materialismus-, Titelfetischismus-, Drohungs-, Manipulations-und Menschenmissachtungs-„Dreck am Stecken“, dass der Stecken beim besten Willen nicht mehr aufzufinden wäre!

Weil das Unbewusste der Gläubigen „im Griff“ dieser Kirche ist, weil Ängste vor dem Verlassen der vermeintlich „wahren Kirche“ herrschen, und weil eine uralte Manipulation bzw. systematische „Gehirnwäsche“ auch heute noch „greift“!

Darüber sollten die „Betroffenen“ einmal – sehr, sehr tief und möglichst selbstkritisch – nachdenken!

Und ebenso die Medien, die eine solch offensichtliche Schizofrenie nicht zum zentralen Thema machen! Selbst der ach so kritische Spiegel hat dies in seiner oben zitierten Titelgeschichte mit keinem Wort getan!

Warum denn eigentlich nicht? Dann wäre man nämlich direkt beim Thema der systematisch „gehirnwaschenden“ manipulativen Methoden der katholischen Kirche, die seit Jahrhunderten bis zum heutigen Tag wirksam sind, und heute – unter vielem anderem! – zu genau jener „schizofrenen“ Situation führen:

Einerseits machen die „Gläubigen“ nicht mehr mit – soweit ist die Aufklärung und Vernunft angesichts der mittelaterlichen Positionen ihrer „Hirten“ bei ihnen zum Glück dann schon gediehen. Andererseits fehlt ihnen der Mut und die Klarheit zum hier einzig angemessenen Schritt: Sich von dem ganzen Verein endgültig zu verabschieden!

Es könnte ja etwa das Töpfchen drohen, wenn man den angeblich „wahren Gott“, seinen angeblichen Sohnemann und die angeblich „wahre Kirche“ verlässt! Auch solche direkt oder indrekt ausgegebenen Drohungen zeigen doch bloß Eines: Das hier keine Ahnung über die wirklichen Ursache-Wirkungs-Gesetze herrscht: Der Buddha hat dieses Gesetz (Karma) mit einem Wort resümiert:

„Die Absicht!“

Alleine deren Qualität entscheidet über die kurz- oder langfristigen Folgen. Wenn also hier irgendjemand Ungutes nach dem Ableben zu erwarten hat, sind es die Vertreter einer Institution, die mit gezielt konstruierten Dogmengebäuden systematisch Ängste verbreiten, um ihre nicht zuletzt sehr materiellen Eigeninteressen zu wahren. Diese Absicht und die dahinter stehende Unbewusstheit sind „unheilsam“ (akusala).

Jenen „Vertretern“ sowie „Gläubigen“ gilt die Antwort des historischen Buddhas, der im berühmten Kalamasutta trefflich betont (hier deutlich kürzer):

„Geht nicht nach Berichten, nach Tradition, nach irgendwelchen Schriften (auch nicht nach angeblich geoffenbarten bzw. „heiligen“), nach Hörensagen oder nach dem Charisma eines Meisters, sondern immer bloß nach dem, was Ihr selbst als zum Wohle anderer und von Euch selbst führend erkennt!“

Jene oben skizzierte „Bewusstseinsspaltung“ und Schizfofrenie zu thematisieren, wollen die häufig genug angepassten Medien hierzulande nicht.

Denn zum Einen haben sie selbst eine Anzahl von überzeugten Christen in ihren Reihen sitzen. Und zum Anderen agieren sie im Verbund mit dem Staat bzw. den Kirchen und verteidigen – unter dem Deckmantel einer oberflächlichen Kritik – im Grunde alleine deren Interessen.

Mann, wir sind im 21. Jahrhundert …!

Heute sind nämlich ganz andere Probleme zu lösen und ist die Menschheit mit ganz anderen Herausforderungen konfrontiert als mit der von den Medien breit „mitbeschauten“ Nabelschau einer überkommenen Institution, die sich immer wieder aufs Neue seit Jahrhunderten im Grunde als vollkommen überflüssig erklärt hat und hoffnungslos verblendet weiterhin erklärt!

Um jene Probleme und Herausforderungen zu meistern, brauchte es heute gänzlich andere innere Hilfen!

Ein breit angelegtes „Aufwachen“ ist hier angesagt!

„Seid Euch selbst ein Freiort,
seid Euch selbst ein führendes Licht,
nehmt den inneren Weg als Freiort,
nehmt den inneren Weg als ein führendes Licht“,

lautetet die berühmten letzten Worte des historischen Buddhas im Mahaparinibbana-Sutta.

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1 Hans Juli 6, 2014 um 14:02

Hi Arhat,

Eigentlich antworte ich ungern auf solche Kommentare wie Deine letzten beiden (Anm. für die Leser: der ältere von diesen beiden Kommentaren steht hier).

Andererseits sind Du und Deine Denkmuster kein Einzelfall unter deutschsprachigen Buddhisten.

Deshalb will ich diese Denkmuster zur generellen Orientierung hier transparent machen:

A) Zuerst einmal nimmst Du für Dich einleitend die volle Befreiung eines „Arhats“ in Anspruch, was jeder, der wirklich irgendeine Stufe des Erwachen realisiert hätte, niemals täte.

Er oder sie würde nämlich alleine durch die Qualität seiner Aussagen und seiner Motive sowie sein Beispiel „sprechen“. Genau deshalb gibt es in der buddhistischen Ordensdisziplin die strenge Regel, dass verwirklichte Befreiungsstufen nicht öffentlich kundgetan werden dürfen.

B) Was kommt dann in puncto Qualität Deiner Aussagen?

1) Deine Bezugnahme auf Karl-Eugen Neumanns über hundert Jahre alte, unbrauchbare deutsche Übersetzung, die bereits damals zu seiner Zeit von namhaften Indologen scharf kritisiert worden ist, etwa von Richard Otto Franke mit der lapidaren Aussage „Das ist ein Scherz“; sowie später von den tief kenntnis- und besonders einflussreichen deutschen Theravada-Mönchen Nyanatiloka und Nyanaponika.

Aber was Neumann macht, und was letztlich christlich denkende deutschsprachige „Buddhisten“ wie Dich (siehe dazu Deinen jüngeren Kommentar) bis heute daran so begeistert, ist, dass es Neumann überhaupt nicht um eine philologisch korrekte Übersetzung ging, sondern um einen christlich, schopenhauerisch und wagnerisch gefärbten Kommentar zur Lehre des Buddhas im bloßen Gewande einer „Übersetzung“!

Daraus hat er selbst auch keinen Hehl gemacht. Denn er war der Meinung, dass Jesus Christus und der Buddha Dasselbe gelehrt hätten; und deshalb hat er kurzerhand zentrale buddhistische Begriffe vogelfrei wiedergegeben (anstatt „übersetzt“), etwa die Leerheit „Sunnata“ mit dem christlichen Begriff „Armut“, oder die zentrale Achtsamkeit „Sati“ ähnlich völlig falsch mit „Einsicht“ oder „Vernunft“ und dergleichen Unsinn mehr.

2) Dann zählst Du die Acht Befreiungen „Vimokkhas“ nach Neumanns verquaster Wiedergabe auf, die überwiegend mit den Acht bzw. Neun Vertiefungen „Jhanas“ identisch sind (vgl. Lange Sammlung 15, in guter englischer Neuübersetzung hier nachzulesen.

In dieser Rede, aus der Du zitierst, heißt es aber abschließend dann noch klar:

Einer, der diese Vimokkhas oder Jhanas UND AUßERDEM NOCH die befreienden Einsichten verwirklicht habe, sei ein „Beiderseits Befreiter“. Ein solcher Befreiter habe sowohl die Ruhe als auch die Weisheit in höchstem Maße realisiert.

Aber die Vimokkhas oder Jhanas alleine sind laut Buddha keineswegs eine „Messlatte“ für geistigen Fortschritt, wie Du es falsch verstehst.

Es müssen nämlich immer noch die befreienden Einsichten hinzukommen, was auch keineswegs ein Selbstgänger ist.

Die Vertiefungen „Jhanas“ alleine können ebenso ein vollkommener Irrweg sein.

Die entsprechenden Warnung sind in den Redensammlungen mehrfach deutlich ausgesprochen (vgl. etwa Mittlere Sammlung 8, 13 und drastisch 138 mit dem Begriff „feststecken“ oder die Lange Sammlung 1, wo das Verwechseln der reinen Ruhe mit der Befreiung als kardinale Fehlansicht dargestellt wird).

Neben dem „Beiderseits Befreiten“ gibt es auch den „Weisheitsbefreiten“. Beide Befreite gelten als gleichermaßen „befreit“.

Der Weisheitsbefreite ist mit seiner Entwicklung nicht über die Vertiefungen Jhanas gegangen. Die Hauptrede zu dieser ursprünglichen Unterscheidung ist Mittlere Sammlung 70. Laut den Reden des Buddhas in den ältesten vollständig überlieferten Redensammlungen des Buddhas im Pali-Kanon gibt es unterschiedliche Befreiungswege für unterschiedliche „Befreiungstypen“, die näher auszuführen hier zu weit führen würde. (Im November gebe ich in Hamburg einen öffentlichen Vortrag zu diesem Thema.)

Die berühmteste Rede des Palikanons, von den „Vier Vergegenwärtigungen der Achtsamkeit“ Satipatthanasutta (Mittlere Sammlung 10), beschreibt einen reinen Einsichtsweg zu den befreienden Einsichten durch eine Fokussierung von Moment zu Moment auf die alltäglichen Phänomene, der nicht über die Vertiefungen „Jhanas“ verläuft.

C) Vielleicht hast Du bestimmte Erfahrungen mit den Vertiefungen gemacht und bist mit diesen Erfahrungen jetzt völlig identifiziert. Deshalb erklärst Du Dich selbst zum Befreiten und zitierst aus jener Rede bloß den Passus zu den Vertiefungen, nicht aber den wichtigsten letzten Abschnitt, der besagt, dass die Vertiefungen alleine nicht genügen.

Wie schon gesagt – in jener Identifikation mit den reinen Ruhezuständen liegt eine große Gefahr, die der Buddha selbst mehrfach thematisiert hat (siehe einige Belegstellen hier weiter oben). Das veranschaulichst Du im Grunde!

Diese Identifikation ist mir schon öfter begegnet, weshalb ich Dir jetzt doch näher antworte.

In der frühbuddhistischen Lehre geht es letztlich immer um die befreienden Einsichten – ob der Weg nun über die Vertiefungen „Jhanas“ verläuft oder der „Direkte Weg“, wie es im „Satipatthana-Sutta“ zu den „Vergegenwärtigungen der Achtsamkeit“ berühmt heißt, unabhängig von den Vertiefungen ist.

D) Deine andere Ansicht, die angebliche Gleichheit von Jesus und Buddha, ist auch typisch für viele deutschsprachige Buddhisten.

Ohne auf dieses große Thema analytisch einzusteigen, hier nur kurz anschaulich und für jeden leicht nachvollziehbar-

Nehmen wir die theologisch eindeutigen Kernlehren des Christentums – nämlich den Glauben an die Erlösung der Menschheit durch einen Kreuzestod vor 200 Jahren, die vermeintlich danach erfolgte leibliche Auferstehung von Jesus Christus von den Toten, dessen Himmelfahrt und dessen zukünftige Wiederkehr, um nach einem „Jüngsten Gericht“ das Gottesreich auf Erden auszurufen.

Und jetzt nehmen wir einfach zum Vergleich die Kernlehre des Buddhismus, nämlich die Vier Edle Wahrheiten, das Abhängiges Entstehen sowie die Drei Daseinsmerkmale als Beschreibungen des unmittelbar erfahrbaren Wesens der natürlichen, alltäglichen Phänomene; sowie den „Achtfachen Befreiungspfad“ im menschlichen Leben, der mit den drei Bereichen von Ethik, geistiger Ruhe und befreienden Einsichten auf der Basis von tagtäglich praktizierter Achtsamkeit und formaler Meditation zusammengefasst wird.

Das heißt:

Im tief glaubensfixierten Christentum steht im Zentrum ein restlos unverifizierbarer, bloßer Glauben, der jeder Beobachtung und allen wissenschaftlich verifzierbaren Kausalzusammenhängen widerspricht, und der auf eine Befreiung des Menschen in irgendeinem Jenseits oder einer fiktiven, märchenhaften Zukunft verweist.

In der Praxislehre des historisch Buddhas stehen im Zentrum logisch überprüfbare und erfahrungsmäßig umsetzbare Lehren, deren Wirksamkeit mittlerweile vielfach mit der neurowissenschaftlichen Meditationsforschung nachgewiesen worden sind, und deren Zweck die wachsende Befreiung mitten im menschlichen Leben ist.

Und jetzt beantworte Dir einmal ganz nüchtern (bzw. ohne eine von den christlichen Kirchen den Menschen über Jahrhunderte eingetrichtete Angst) diese einfache Frage:

Könnten die Kern- oder Hauptlehren von zwei Systemen denn noch unterschiedlicher sein?

Viele Grüße,

Hans

2 anando Mai 24, 2014 um 17:55

Hallo,

Man muss schon unterscheiden zwischen Jesus Christus und der ihm folgenden
Religion, dem Christentum.

Es gibt viele Aussagen, welche von den Christen seit
Beginn nicht verstanden wurden. Oft wurden unverständliche Texte(teile), einfach
entfernt oder man ließ sie einfach so stehen.

Sieht man die Entwicklung von Christus zum Christentum und auch noch aus der buddhistischen Sichtweise, ergeben sich etliche Übereinstimmungen.

Nur, weil viele Menschen eine andere Einstellung dazu haben, müssen diese Werte nicht schlecht sein.
Seit ich den Pali-Kanon kenne, verstehe ich Jesus Christus viel besser und auch seine buddhistischen Wurzeln. Da könnte ich noch lange darüber schreiben, ist mir aber dann doch zuviel.

anando

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