Buddhistische Traditionen

Print Friendly, PDF & Email

Handlogo weiß

 

Auf dieser Seite geht es auch vergleichend
um die einzelnen buddhistischen Traditionen oder Schulen

 

Vergleichen Sie dazu auch das Buddhismuskapitel von mir im Harenberg Lexion der Weltreligionen.

Hier ist ein älterer Text von mir zum Thema „Zen und Theravada“.

 

1. Zen und Thervada im Vergleich.

2. Karma, Ethik und Wiedergeburt:
Ein Gespräch zwischen dem Indologen und Tantraexperten Dr. Peter Gäng und mir.

 

1. Zen und Theravada im Vergleich

 

Dieses Thema beschäftigt viele, weil es eine engere Verwandtschaft und zugleich einige Unterschiede zwischen diesen beiden Traditionen gibt.

In der Kommunikation auf dem Blog äußert sich vor allem ein Freund ausführlich, der sich nach jahrelanger Zen-Praxis dem Theravada zugewandt hat. Er beantwortet die Anfrage eines Orientierung Suchenden, der grundlegende Fragen gestellt hat.

 

 

A) Ich bekam die folgende Anfrage von einem Praktizierenden zum Verhaltnis von Zen und Theravada (publiziert mit seinem Einverständnis). Im Verlauf der folgenden Kommunikation wird sich vor allem ein erfahrener Zen-Praktizierender äußern, der sich dem Theravada zugewandt hat.

Die Anfrage:

Guten Tag,

Ich praktiziere seit etwa einem Jahr die Achtsamkeitsmeditation und lese regelmäßig buddhistische Bücher von Lehrern der Theravada-Schule (Buddhadas Bhikkhu, Ahjan Chah, Jack Kornfield …).

Weil es in meiner Gegend (Mannheim) keine Vipassana-Lehrer gibt, die mich auf dem spirituellen Weg begleiten könnten, gedenke ich, mich einer Zen-Gruppe/-lehrer anzuschließen. Denn diese sind hier zahlreicher. Diesbezüglich sind mir 3 Fragen gekommen. Vielleicht können sie mir helfen. Danke.

Meine erste Frage lautet:

1) „Gibt es einen Grundlegenden Unterschied zwischen Vipassana-Meditation und Zazen?“ Oder gibt es nur formelle Unterschiede und das Praxisprinzip (nämlich Selbsterkenntnis durch Selbstbeobachtung mithilfe von Achtsamkeit im egofreien Bewussteinszustand zu leben) ist das gleiche?

Shinzen Young (ein amerikanischer Meditationslehrer) spricht in einem Video (über Vipassana und Zen.

Er sagt, im Vipassana gäbe es aufgrund der Praxis eine langsame, damit leicht verdauliche Erkenntnis über Vergänglichkeit und Leerheit. Dagegen führt die Praxis im Zen dazu, dass die Erkenntnis bzw. Einsicht sozusagen blitzartig/ruckartig auftauchen. Dies führt im besten Falle zu Vitalität, aber in manchen Fällen auch nur zur Erschöpfung und Verwirrung.

Mein zweite Frage lautet:

2) „Was ist dran an dem Argument? Ist der Zen-Weg gefährlicher oder riskanter?“

Zu den Voraussetzungen, die für viele Meditationkurse verlangt werden, gehört eine gewisse emotionale und psychische Stabilität. Pater Wiligis Jäger sagt, dass die Voraussetzung für das Beschreiten eines spirituellen Wegs eine starke Ich-Struktur sei, weil man ansonsten „psychotisch überschwemmt“ werde.

Ich habe von Zeit zu Zeit (unbegründete) Unruhezustände, die verbunden mit Schlafstörungen sind und mich sehr belasten.

Die dritte Frage wäre:

3) Wie stabil ist stabil? Wie viel Stabilität ist notwendig?“

Wenn es kein Leid gäbe, würde man sich schließlich nicht für Spiritualität ernsthaft interessieren, oder?

 

B) Meine Antwort:

 

Ein alter Freund hat viele Jahre Zen geübt, hat sich aber jüngst aus verschiedenen Gründen davon abgewandt und dem Vipassana zugewandt. Er hat sich stark inhaltlich mit den Unterschieden befasst. Ich fragte ihn, ob ich ihm Deine Email weiterleiten kann. Er freut sich, darauf einzugehen.

Deshalb hier nur kurz von mir dazu:

* Ein wichtiger Unterschied ist, dass es im Zen andere philosophische Grundlagen gibt, zumindest in einigen Richtungen: Hier geht es öfter um ein „wahres Selbst“ auf dem Weg der Selbsterkenntnis. In den Vipassana-Richtungen, zumindest den originalen, geht es um zunehmende Nichtidentifikation auf dem Achtsamkeitsweg durch Verstehen des „Nichtselbst“ im Allwandel und dessen Nichttragfähigkeit.

* Die Lehre von der „plötzlichen Erleuchtung“ ist sicher im Zen deutlich zentraler, vor allem im ursprünglichen chinesischen Zen.

Der Vipassana-Weg ist viel systematischer.

Er führt ziemlich „methodisch“ an eine andere, „selbst-lose“ Erfahrungsdimension heran.

Aber auch im Theravada gibt es “zenartige“ Herangehensweisen, vor allem in der thailändischen Waldtradition, wie etwa bei Ajahn Buddhadasa und Aahn Chah, die von ihren Methoden her sehr „offen“ sind und stark mit „Inspiration“ arbeiten.

* Jene Auffassung vom „starken Ich“ als Voraussetzung ist im Westen sehr verbreitet, aber weder in der Urgemeinde gemäß dem Zeugnis der alten Quellen noch in den originalen Vipassana-Traditionen. Sie wird hier im Westen vor allem von Lehrern vertreten, die von ihrem weltanschaulichen Ausgangspunkt Lehren von einem höchsten „Selbst“ anhängen – bei „Pater“ Wiligis Jäger natürlich „Gott“ und „Seele“. Auch viele Zen-Lehrer haben einen christlichen Hintergrund. Der Vipassana-Meister Bhante Sujiva etwa vertritt die Auffassung, dass alle psychologischen Probleme durch konsequente Achtsamkeits- bzw. Einsichtspraxis gelöst werden können.

Jeder Mensch ist ein Kosmos und individuell zu betrachten. Daher passt er nicht in solche zweckorientierten, „Selbst“-Lehren legitimierenden Grundsatz-„Schubladen“.

* Ich würde als Ergänzung zu Vipassana oder Zen vor allem eine individuell durchführbare Körperarbeit empfehlen, vor allem den Yoga und hier vor allem das körpertherapeutisch angelegte „Forrest Yoga“. Im englischsprachigen Raum ist es einer der größten Stile. Ich praktiziere Yoga schon länger; und heute vor allem diesen Stil.

Ana Forrest erklärt die grundlegenden Übungen genau in ihrem Buch: Fierce Medicine: Breakthrough Practices to Heal the Body and Ignite the Spirit. Es ist gut ins Deutsche übersetzt. Ich habe einige Passagen für Freunde verglichen. Aber es heißt im Deutschen anders: Die Yoga-Kriegerin: Power für Körper und Seele durch Forrest Yoga.

Dort wird auch klar, wie sie dieses „westliche“ Yoga über Jahrzehnte als effektives „Heilmittel“ für massive frühere eigene Probleme sowie für andere entwickelt hat.

 

C) Eine Rückfrage

 

Dies ist mir auch ein Rätsel:

* Es gibt die Weisen (Ahjan Chah), die sagen, es gebe kein Selbst – oder zumindest nichts, das man als Selbst ergreifen oder anhaften könnte, weil  alles vergänglich sei; und andere (wie z. B. Ramana Maharshi), die von einem „Wahren Selbst“ reden [d. h. Weder Körper noch Geist sind unser Selbst, sondern das Reine Bewusstsein; und Gott ist Reines Bewusstsein].

* Wird die Voraussetzung für psychische Stabilität nur von Vertretern des „Höchsten Selbst“ gestellt? Einige Organisatoren von Vipassana-Kursen und Laien-Vipassana-Gruppen schreiben auf ihren Homepages von dieser Voraussetzung.

Manchmal beängstigt mich das Thema Meditation aufgrund seiner Tiefe und Undurchschaubarkeit.

Insbesondere wenn man über einige Phänomenen liest, z. B. einer spirtuellen Krise nach einer mystischen Erfahrung oder der Erschöpfung bzw. Verwirrung bei zu harter Zenpraxis.

Schließlich beginnt man mit Meditation, um leichter durchs Leben zu gehen und nicht, um in andere, tiefere, geheimnisvollere und geistige Schwierigkeiten zu geraten.

* Sie sagen, dass die thailändische Waldtradition nach Ahjan Chah und Ajahn Buddhadasa zenähnlich sei. Was meinen Sie damit??

 

D) Meine Antwort:

 

* Das Nichtselbst wird im Theravada wie hier von mir resümiert verstanden – kurz: nicht abstrakt-philosophisch als „Es gibt kein Selbst“, sondern konkret als dies oder das ist kein Selbst.

* Die Meditation ist ursprünglich das Mittel, um tiefe Befreiungszustände zu verwirklichen. Dabei wird man mit einer Menge konfrontiert.

* „Zenähnlich“ an der thailändischen Waldtradition ist:

1) Die nicht festgelegte, offene methodische Ausrichtung. So werden dort kaum klar strukturierte „Techniken“ gelehrt, wie etwa das Body Sweeping oder das Benennen.

2) Es werden zwar schon Methoden gelehrt, aber sie sind weitaus offener.

3) Die geringe Bedeutung bis Außerachtlassung des scholastischen Abhidhamma.

4) Die große Rolle von Inspiration durch Gleichnisse und Natur.

Der erwähnte Freund wird Deine erste Anfrage ausführlich beantworten.

………………………

Hinweis: Er möchte hier auf dem Blog nicht namentlich genannt werden. Er verwendet im Folgenden das Pseudonym BPW.

Auch wünscht er, dass die von ihm erwähnten Lehrer nicht namentlich erwähnt werden.

 

E) BPW zur oben zitierten, ersten Anfrage:

 

Hans hat mich bereits vorab informiert.

Zu Deinen Fragen, die ich aus meiner eigenen Praxiserfahrung beantworte und die somit nur meine subjektiven Gedanken über die jeweilige Thematik wiedergeben:

Die formellen Differenzen mögen jeden Praktikanten unterschiedlich berühren. Je nach Lehrer/in und Veranstaltungsort unterscheidet sich der Rahmen teilweise erheblich, egal ob es sich um Zen-Sesshins oder Vipassana-Retreats handelt.

Im Zen hast Du in Deutschland mindestens fünf Richtungen: Rinzai, Soto, Sanbo Kyodan, Son (Korea) und traditionelles Ch´an (China).

Ich selber hatte Kontakt zu einem Rinzai-Lehrer, einem Soto-Lehrer und stehe immer noch in einem Schüler-Verhältnis zu einem Sanbo Kyodan-Lehrer. Bei letzterem Lehrer habe ich ca. 10 Sesshins absolviert. Außerdem habe ich auch privat etwas Kontakt zu ihm. Meine Erfahrung liegt also im Zen-Bereich ausschließlich innerhalb des japanischen Zen.

Die in unseren Breitengraden verfügbaren Vipassana-Wege sind ja in Hans Grubers Kursbuch sehr eingehend skizziert. Mir ist kein Buch bekannt, dass die Zen-Wege ebenso detailliert für unseren westlichen Intellekt beschreibt. Aber vielleicht gibt es so etwas inzwischen.

Auch ich fing bereits ein Jahr, nachdem ich mit Zazen begonnen hatte, damit an, Theravada-Literatur zu lesen. Relativ bald landete ich beim Thema Satipatthana (den Vier Vergegenwärtigungen der Achtsamkeit), Vipassana (der frühbuddhistischen Achtsamkeitspraxis) und Anapanasati (dem bewussten Ein- und Ausatmen als Befreiungsweg).

Alsbald beschäftigte ich mich mit den Jhanas (hohen Sammlugszuständen), auf die ich in einem Anapanasati-Retreat im Sommer 2007 in der Metta Vihara stieß.

Die Erfahrungen im Rahmen dieses Retreats waren deutlich intensiver als bei den Sesshins, die ich bis dahin besuchte. Allerdings war ich zu diesem Zeitpunkt für Derlei wohl noch nicht ganz ausgelegt. So verfiel ich in eine spirituelle Krise, inklusive einer deftigen Depression, die ich jedoch mit einer Psychoanalytikerin (nach Freud) recht bald in den Griff bekam.

Rückblickend mag ich behaupten, dass diese Krise eindeutig notwendig war (ich war damals 37), um sowohl im Leben endlich einmal zurechtzukommen, als auch den Buddhaweg mit anderer Perspektive weiterzugehen.

Es kamen zwei Jahre, in denen „zwei Herzen in meiner Brust lebten“: Zen und Theravada. Immer wieder verhedderte sich die eine Praxis mit der anderen. Ebenso erging es mir mit der Literatur: An der Zen-Literatur hing mein Herz, aber an der Theravada-Literatur, also an der am ehesten ursprünglichen Buddha-Lehre, meine Überzeugung.

Du kannst Dir vorstellen, dass eine „Entscheidung“ hier sehr schwierig sein kann.

Auch wenn es für Dich vielleicht enttäuschend ist:

Wenn Du Dich zu beiden Wegen hingezogen fühlst, empfiehlt es sich meines Erachtens unbedingt, beide Wege auszuprobieren.

Mache jedoch nicht den selben Fehler wie ich und versuche, die Praktiken zu vermischen bzw. nebeneinander zu praktizieren. Das kann nur schiefgehen.

Solltest Du die Zen-Gruppe/-Lehrer nur deshalb aufsuchen, weil zu keine Theravada-Gruppe in unmittelbarer Nähe hast, wäre ich vorsichtig. Viele Zen-Lehrer halten nicht viel vom Theravada und blicken eher verächtlich auf diesen „Steinzeit-Buddhismus“.

Ich kenne allerdings auch zahlreiche Zennies, die große Kenntnis des Buddha-Dhamma haben und trotzdem ihr Zazen praktizieren.

Die die von Dir zitierte Aussage von S. Young trifft wohl zu:

Ich empfinde Vipassana als strukturierter, nachvollziehbarer und vertrauenserweckender.

Zen hingegen kann sehr ansprechend und mystisch wirken, aufgrund seiner Abstraktheit —> ins „Nichts“ kann man viel hineinprojezieren.

Mein Spruch ist immer: „Beim Vipassana ist man mit Kompass und Karte unterwegs und stellt sich auf eine lange Tour ein. Im Zen dagegen geht es sofort „jetzt“ ums „Ganze“.

Beim japanischen Zen spielt das Verhältnis vom Lehrer zum Schüler traditionell eine herausragende Rolle. Im Theravada ist es durchaus üblich, seine alltägliche Praxis durch den Besuch eines Retreats pro Jahr oder einem Klosteraufenthalt „aufzufrischen“.

Die Person des Lehrers ist hier  nicht so wichtig, sondern es wird erwartet, dass man durch eigene Praxis und Studium der Schriften den Dhamma richtig verstehen lernt, was gar nicht so einfach ist, wie man zunächst glaubt.

Der Dhamma geht sehr tief und die Hoffnung auf Erleuchtung in diesem Leben sollte realistisch betrachtet werden. Der Stromeintritt, also echtes Vertrauen in die Lehre zu erhalten, ist aus meiner Sicht vorrangig und auch schaffbar.

Zen ist in Mode! Das führt zu einem breiten Angebot und der Verfügbarkeit der mannigfachsten Lehrer mit teilweise fragwürdiger Befähigung.

Gute Theravada-Lehrer sind aus meiner Sicht vorwiegend Mönche und Nonnen, die nicht so einfach zu finden sind, aufgrund der Einhaltung der Ordensdisziplin.

Merke: Wenn Du das Gefühl hast, dass Dir ein Lehrer etwas erzählt, was sich in keinster Weise mit den Schriften oder den Kommentaren anerkannter Mitglieder der Gemeinschaft „Sangha“ deckt, ist Vorsicht geboten.

Der Grund, warum ich mich voll dem Theravada zugewandt habe, ist vielseitig:

* Die Sitzperioden beim Vipassana/Anapanasati sind länger und führen bei mir schneller zur (notwendigen) Ruhe des Geistes.

* Vipassana-Retreats dauern meist länger, was mir sehr entgegen kommt.

* Ich habe einen festen Rahmen, eine strikte Mediationsrichtung, die ich entwickeln muss.

* Ich sehe Fortschritte im Verstehen des Dhamma im Rahmen der Meditationspraxis.

* Ich empfinde es insgesamt als logischer, sinnvoller, praktikabler.

Die Gefahr, sich unheilsam zu entwickeln, entsteht bei jedem spirituellem Weg. Von daher ist eine gesunde Selbstkenntnis vonnöten. Fehler und Rückschläge sind nicht zu vermeiden. Aber jedes Problem sollte uns am Ende Erkenntnis bringen.

Immer darauf achten: Wenn das Ego stark oder schwach empfunden wird, ist die Achtsamkeit verloren gegangen. Sich erfolgreich oder versagerisch zu fühlen, ist prinzipiell eine der vielen Arten von  Verblendung.

Es gibt keinen schnellen Weg zur Befreiung, nur den nächsten Schritt. Die „große Überschrift“ Nibbana ist notwendig, aber jeder nach seinen Möglichkeiten.

Beschäftige Dich einmal eingehend mit den „Fünf Hindernissen“ (das sagt Dir bestimmt etwas). Das bringt mir immer wieder Ordnung in meinem Weg, wenn ich einmal zu verkopft bin. Bezüglich Deiner Schlafstörungen und Unruhezuständen:

Diese sind NIE unbegründet – alles hat einen Grund. Psychologische Beratung kann sehr erhellend sein, kann aber auch erst wirklich psychotisch machen. Das musst Du selber herausfinden. Nie aufgeben!

Und wenn Du gute Freunde auf diesem Weg findest (sie sind meines Erachtens nach nicht sehr zahlreich), halte an ihnen fest. Sie können in schweren Zeiten eine große Hilfe sein.

Liebe Grüße und alles Gute

BPW

2. Karma, Ethik und Wiedergeburt:

Ein 77-minütiges Gespräch über Karma, Ethik sowie Wiedergeburt in der Lehre des Buddhas, zwischen zwei Indologen, Buddhismuskundlern und Dharma-Praktizierenden –

dem Experten zum buddhistischen Tantra, Dr. Peter Gäng, und mir.

Dieses erste Thema zwischen uns zum Zweck eines Videos auf YouTube ist Peters Vorschlag gewesen.

Das Gespräch wendet sich etwa gegen verbreitete esoterische Fehldeutungen dieser Themen. Es bringt sie in einen rationalen Praxiskontext.

Das Video steht auf meinem YouTube-Kanal (folge dem Link unten).

In Gesprächsform lassen sich viele komplexe buddhistische Themen anschaulicher und viel spannender behandeln.

Alles zu Peter, der früher vor seinem „Indologen“-Leben eine führende Stimme der 68-er Bewegung gewesen ist (als Vietnamexperte und Vorsitzender des „Sozialistischen Deutschen Studentenbundes“ SDS), erscheint im Vorspann des Videos sowie in darunter. Dort auch Näheres etwa zu seinen Büchern und Aktivitäten.

Tiefes Weiterdenken und eigene Einsichten durch dieses spannend verlaufene Gespräch!

Herzliche Grüße
Hans

{ 2 comments… read them below or add one }

1 Johann (Hanzze) Januar 30, 2014 um 8:39 Uhr

Werte Freunde,

es ist eigentlich immer das selbe Thema. Alle kümmern sich zuviel um Selbst oder Nicht-Selbst, machen damit Werbung suchen sich in der einen oder anderen Form Nahrung damit.
Dies ist eine niedrige Fessel und in dem Fall ist alles weit weg von Einsicht und Vipassana. Dana, Sila, Bhavana (besinnen) erst mal wirklich und ernsthaft praktizieren. Der Rest mag nette Beschäftigung und Unterhalt sein, aber das bringt nicht außer morgen wieder einen neuen Lehrer, eine neue Sichtweise oder wieder diese oder jene Sicht verteidigen zu wollen.

Wie Herr BWT meinte
„Und wenn Du gute Freunde auf diesem Weg findest (sie sind meines Erachtens nach nicht sehr zahlreich), halte an ihnen fest. Sie können in schweren Zeiten eine große Hilfe sein.“, tadelte Buddha Ananda als er so etwas sagte:

_________

Als er dort saß, sagte der Ehrw. Ananda zum Befreiten: „Dies ist das halbe heilige Leben, Herr: Vorzügliche Freundschaft, vorzügliche Gefährtenschaft, vorzügliche Kameradschaft.“

„Sagt das nicht, Ananda. Sagt das Nicht. Vorzügliche Freundschaft, vorzügliche Gefährtenschaft, vorzügliche Kameradschaft sind tatsächlich das Ganze heilige Leben. Wenn ein Bhikkhu vorzügliche Leute als Freunde, Gefährten und Kameraden hat, kann von ihm angenommen werden, daß er den Noblen Achtfachen Pfad entwickelt und weiterverfolgt.

„Und wie entwickelt und weiterverfolgt ein Bhikkhu, der vorzügliche Leute als Freunde, Gefährten und Kameraden hat, den Noblen Achtfachen Pfad? Da ist der Fall, daß ein Bhikkhu Rechte Ansicht entwickelt, bedingt durch Zurückgezogenheit, bedingt durch Nichtbegehren, bedingt durch Beendigung, in Abtretung resultierend. Er entwickelt Rechte Entschlossenheit…Rechte Rede…Rechte Handlung…Rechten Lebensunterhalt…Rechte Anstrengung…Rechte Achtsamkeit…Rechte Konzentration , bedingt durch Zurückgezogenheit, bedingt durch Nichtbegehren, bedingt durch Beendigung, in Abtretung resultierend. Dies ist wie ein Bhikkhu, der vorzügliche Freunde, Gefährten und Kameraden hat, den Noblen Achtfachen Pfad entwickelt und weiterverfolgt.

„Und aufgrund dieser Reihe von Begründung, mag einer wissen wie vorzügliche Freundschaft, vorzügliche Gefährtenschaft, vorzügliche Kameradschaft tatsächlich das ganze Heilige Leben ist: Es ist Abhängigkeit von mir als einen vorzüglichen Freund, das Lebewesen, der Geburt unterworfen, Befreiung von Geburt erlangt haben, das Lebewesen, dem Altern unterworfen, Befreiung vom Altern erlangt haben, das Lebewesen, dem Tod unterworfen, Befreiung von Tod erlangt haben, das Lebewesen Kummer, Wehklage, Schmerz, Verzweiflung und Bedrängnis unterworfen, Befreiung von Kummer, Wehklage, Schmerz, Verzweiflung und Bedrängnis erlangt haben. Es ist aufgrund dieser Reihe von Begründung, daß einer wissen mag wie vorzügliche Freundschaft, vorzügliche Gefährtenschaft, vorzügliche Kameradschaft tatsächlich das ganze heilige Leben ist.“

— SN 45.2
http://www.zugangzureinsicht.org/html/ptf/dhamma/sacca/sacca4/samma-ditthi/kalyanamittata.html
_________________

Der Pfad beginnt mit rechter Ansicht, die gilt es zuerst zu gewinnen. Aus Samdahi mit falschen Sichtweisen, was immer da für einen Technik verwendet sein mag, entsteht nur vipassanupakkilesas und „Geckosamadhi“.

Wenn Sie in keiner Gesellschaft leben, in der rechte Ansicht anerkannt ist, Leute nach dieser zumindest in Form von Riten und Regeln leben, dann möget Ihr euch bemühen daran zu arbeiten diese Gesellschaft zu Richtigem zu bewegen oder andere Gesellschaften aufsuchen. Dort in den Basics gefestigt, das Gewissen ausreichend befreit, die Grundlagen für den Eingang zum achtfachen Pfad aus großem Vertrauen in das Erwachen gelegt, ist es unwahrscheinlich, daß einer vom Pfad je wieder abfällt und nicht das höchste Ziel erreicht.

metta & mudita
Johann

2 Gakusei Januar 27, 2014 um 17:57 Uhr

Sehr geehrter Herr Gruber,

Ich danke Ihnen für Ihren kritischen Artikel „Zen und früher Buddhismus Theravâda“ und dafür, dass Sie Ihre Ansichten unter der Adresse http://www.buddha-heute.de/rubrik-02/zen-und-thera.htm veröffentlicht haben.

Als Anhänger der Zen-Philosophie – ich verwende bewusst den Begriff „Philosophie“ – stehe ich trotz allem der Zen-Strömung kritisch gegenüber. Über zwei Punkte stolpere ich regelmäßig, die mich zu der Ansicht führen, dass jedenfalls der praktizierte Zen-Buddhismus im Westen noch nicht angekommen ist bzw. sich noch anpassen muss.

Die 2 Kritikpunkte im Einzelnen:

1.
Der Zen-Buddhimus besteht auf eine dogmatische Unterweisung seiner Lehre. So heißt es bspw. in der frei nachlesbaren Tempelordnung der (vorbildlich transparenten(!)) Kwan Um Schule (Koreanische Zen-Schule), Zitat:

Do not cling to your opinions. Do not discuss your private views with others. To cling to and defend your opinions is to destroy your practice. Put away all your opinions. This is true Buddhism. http://www.kwanumzen.org/2010/temple-rules/

Hierzu ist zu bemerken, dass sich der Zen-Buddhismus mit dieser Kritik-ablehnenden Haltung in einem gewissen Konflikt zu den Erwartungen einer aufgeklärten Gesellschaft befindet.

2.
Der Zen-Buddhismus strebt nach der persönlichen Erleuchtung durch Konzentration und vernachlässigt die ethische Praxis. Das Erwachen würde den Erleuchteten in ein ethisches Wesen par excellence verwandeln, dass sich dann der Erlösung der Menschheit widmet. Weniger jedoch wird die (für den Praktizierenden noch ausstehende) Erleuchtung zum Anlass genommen, aus Ihr ein Gebot aktiven ethischen Handelns abzuleiten – in Abgrenzung zu dem üblichen Gebot des Unterlassens unethischer Taten. In der Praxis westlicher (und auch asiatischer?) Zen-Zentren verkommt der Zen-Buddhismus so zu einem reinen Egotripp, einzig auf das eigene Wohlbefinden ausgerichtet.

Auch hier muss die frage erlaubt sein, in wieweit der so praktizierte Zen-Buddhimus zu den Erwartungen einer christlichen, vom Gebot des „Dienst am Nächsten“ geprägten Gesellschaft im Konflikt steht.

Gakusei

Leave a Comment