„Internationaler Kongress Achtsamkeit – Eine buddhistische Praxis für die Gesellschaft heute“

by Hans on 22/08/2011

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* Näheres zum neu entdeckten Urvater des westlichen praktizierten Buddhismus,
U Dhammaloka, hier im Vorwort

* Tipp: Die Spiegelung meiner Facebook-Seite auf diesem Blog

 

 

An der Universität Hamburg vom 18. – 21. 8. 2011

Hinweise (vom 6. Mai 2012):

Beachten Sie den Hinweis etwas weiter unten auf den im Herbst erscheinenden Sammelband zu dieser Konferenz.

Durch die kürzliche Umstellung auf das neue Framework hinter diesem Blog gab es ein paar Probleme mit nicht funktionierenden Links in diesem Beitrag. Diese Probleme sind behoben.

Zum Thema des Vergleichs von „Achtsamkeit“ im buddhistischen Ursprung und bei den westlichen Übernahmen bzw. Adaptionen vergleichen Sie den neuen Beitrag unter den „Rahmentexten“ (auch mit einem Magazinbeitrag, der dort im bebilderten Original zur freien Verfügung steht).

Im folgenden Beitrag erscheinen die eigenen Aussagen auf dem genannten Achtsamkeitskongress (mein Vortrag sowie die anschließenden Diskussionen), in Form von Text und Audios sowie mit Kommentar. 

Sie können hier das Manuskript meines Vortrags über „Die Hauptansätze der Achtsamkeits- bzw. Einsichtspraxis Vipassanā“, den ich auf der Achtsamkeitskonferenz zur Eröffnung des Panels „Tradition versus Moderne“ gehalten habe, als PDF-Dokument herunterladen. (Anleitung zum Download: mit Maus auf den vorgenannten Link gehen -> rechte Maustaste -> „Ziel speichern unter“ wählen -> das PDF herunterladen.)

Vergleichen Sie bitte zur Einleitung des Vortrags – nämlich über die Vipassana-Wurzeln des erfolgreichen komplementärmedizinischen MBSR-Programms von Jon Kabat-Zinn – einen längeren Beitrag von mir in Psychologie Heute (der hier im bebilderten Original zur Verfügung steht).

Die Vorinformationen auf der Website des Kongresses erscheinen hier.

Das Leaflet zu diesem Kongress im Original steht hier als PDF.

Außerdem erscheinen unten zum Nachhören vier Audios mit Diskussionen, an denen ich auf dem Achtsamkeitskongress beteiligt gewesen bin.

Das Audio meines Vortrags wird in diesem Beitrag nicht angeboten. Denn aufgrund der knappen Zeitvorgabe von 20 Minuten für alle Vorträge musste schnell gesprochen werden. Mein Vortrag dauerte trotz des schnellen Sprechtempos ein paar Minuten länger, wie bei einigen Rednern. Die auf das Nötigste gekürzten Inhalte waren nicht anders als so zu vermitteln. Deshalb empfiehlt sich das Nachlesen des Redemanuskripts.

Mein Kongressvortrag erscheint übrigens in einer deutlich erweiterten und inhaltlich genau belegten schriftlichen Form zusammen mit einer Literaturliste im Herbst 2012 (das genaue Erscheinungsdatum steht aktuell noch nicht fest) in einem Sammelband zu jener Hamburger Achtsamkeitskonferenz im Hans Huber Verlag. Der Sammelband wird die wissenschaftlich ausgearbeiteten Vorträgen aller Referenten dieses Achtsamkeitskongresses enthalten. Der Titel des Buches wird aller Voraussicht nach lauten:

Achtsamkeit – ein buddhistisches Konzept erobert die Wissenschaft

———————————

Kurz zum Vorwort des Moderators Professor Alexander von Rospatt zu meinem Konferenzvortrag:

Es war sicher freundlich gemeint, aber ich bin nicht ein „sehr renommierter und erfolgreicher Vipassana-Lehrer“. Gelegentlich gebe ich einen Kurs, auf dem ich mich jedoch als Indologen mit praktischen Erfahrungen einführe, der einen objektiven Überblick über die verschiedenen Vipassanâ-Ansätze gibt. Bei näherem Interesse an einem dieser Ansätze empfehle ich den Interessenten einen Meditationskurs bei einem Vipassanâ-Lehrer, der die entsprechende Tradition vertritt.

Mein Überblick über die verschiedenen Vipassanâ-Methoden findet in Form geleiteter Meditationen, erklärender Vorträge und schriftlicher Handouts statt. Ich plane, diese geleiteten Meditationen als Audios auf meiner Website anbieten – zusammen mit den Handouts, mit denen ich sie außerdem in Schriftform beschreibe. Eine geleitete Atemmeditation steht bereits auf meinem Blog als Audio, nämlich in diesem Eintrag.

B) Nachfolgend können Sie zwei Audios herunterladen oder direkt anhören, die aus der Diskussion stammen, die im Anschluss an die Vorträge von Professor Rupert Gethin und meiner Person im Panel “Tradition versus Moderne” vom Freitag stattgefunden hat.

Audio I) Hier hören Sie den einen thematischen Teil dieser Diskussion (die letzten 5 Minuten).

Nach einer kurzen Überleitung von Alexander von Rospatt folgt die Frage des Neurowissenschaftler Dr. Ulrich Ott und danach meine längere Antwort. Es geht darum, was vom Standpunkt der frühbuddhistischen Ursprungstradition genau an der Achtsamkeit neurowissenschaftlich messbar ist.

Audio II) Hier hören Sie den anderen thematischen Teil dieser Diskussion (die ersten 15 Minuten).

Es geht um Fragen der Professoren S. Schmidt, A. Rospatt und Bhikkhu Analayo sowie die Antworten von Rupert Gethin (auf Englisch) und meiner Person.

Die beiden Themen sind: Was ist der historische Entstehungshintergrund der zeitgenössischen Vipassana-Bewegung gewesen? In welchen Quellen sind ihre diversen Methoden vor allem verwurzelt?

Die erstere Frage des historischen Entstehungshintergrundes hat besonders interessiert, obwohl sie in meinem Vortrag bloß kurz am Rande erwähnt worden ist (warum, wäre ein weiteres interesssantes Thema).

Diese Frage führt zu weiteren Erörterungen, speziell darüber, welche Rolle die geschlossenen späteren buddhistischen Systeme des Abhidhamma, Visuddhi Magga sowie der Kommentare für die sehr dynamische und vielgestaltige zeitgenössische Vipassana-Bewegung überhaupt spielen können.

Meine Sicht: Bhikkhu Analayo, Rupert Gethin und Alexander von Rospatt messen diesen Systemen eine deutlich zu große Bedeutung bei. Denn die Dynamik und Vielgestaltigkeit der zeitgenössischen Vipassana-Bewegung lässt sich ausschließlich durch die „Widersprüchlichkeit“ der alten Redensammlungen des Palikanons erklären (vgl. näher dazu den eigenen Konferenzvortrag).

Diese Widersprüchlichkeit liegt im „Erlösungspragmatismus“ des historischen Buddhas begründet, dem es laut den Reden alleine um das Individuum und die konkrete Hilfe gegangen ist – und nicht um eine geschlossene, widerspruchsfreie bzw. rein begriffsbasierte Welterklärung im Sinne der später entstandenen Systeme des so genannten „Buddhismus“.

Die diversen Vipassana-Meister, und zwar auch die Vertreter der großen Vipassana-Techniken, bei denen der Abhidhamma, der Visuddhi Magga und die Kommentare eine gewisse Rolle spielen, beziehen sich in ihren Darstellungen und Begründungen alle in erster Linie auf die Reden „Suttas“ des Buddhas – zum Beispiel S. N. Goenka mit dem ersten aufbauenden Kurs in seiner Tradition, nämlich dem „Satipatthana-Sutta-Kurs“.

Die späteren „buddhistischen“ Systeme kommen vor allem als zusätzliche Kategoriengeber ins Spiel (ohne dass dabei zwischen den frühen und den späteren Kategorien generell unterschieden wird). So ist etwa in der Tradition von Mahasi Sayadaw immer wieder von den diversen Einsichtsstufen „Vipassana-Nyanas“ die Rede, die in den Reden des Palikanons nicht vorkommen.

Hinweise zu den Audios I und II:

*  Im „Audio 2)“ oben habe ich mich einmal versprochen, als ich als ein Beispiel für einflussreiche Traditionen, die dem Abhidhamma sehr kritisch gegenüberstehen, diejenige von Ajahn Chah nenne. Aus dem Kontext der Aussage dürfte jedoch unmittelbar klar werden, dass es ein Versprecher gewesen ist. Trotzdem sei es hier auch noch einmal explizit berichtigt: Aus der Tradition von Ajahn Chah kommen diverse Vipassana-Lehrer; und NICHT (so mein Versprecher) Abhidhamma-Lehrer.

* Mein Aufnahmegerät war am Rednerpult etwas entfernt von den Panelisten befestigt. Manche der Fragen kamen von weiter hinten im Hörsaal, weshalb diese etwas schlechter verständlich sind.

* Eine längere Äußerung von Allan Wallace habe ich gestrichen, weil sie nicht auf das Thema Vipassana bezogen war.

Audio III) Hier hören Sie einen längeren Kommentar, den ich am Ende der Panels „Achtsamkeit und Neurowissenschaften“ vom Samstag gemacht habe. Der Kommentar richtet sich an Dr. Ulrich Ott und Matthieu Ricard. Auch deren Antworten sind zu hören.

Damit reflektiere ich kritisch den Anspruch der westlichen Vertreter der Achtsamkeit, dass sie die „Essenz“ der buddhistischen Achtsamkeitspraktiken übernommen und bloß die „buddhistische Weltanschauung“ weggelassen hätten. Bei den westlichen Vertretern der Achtsamkeit ist eine klare Reduzierung der frühbuddhistischen Achtsamkeit auf deren Konzentrationsfunktion zu beobachten.

Im frühbuddhistischen Ursprungskontext der Achtsamkeit ist Konzentraton neutral. Sie kann den unterschiedlichsten säkularen Zwecken und religiösen Kontexten dienstbar gemacht werden. Achtsamkeit dagegen ist nicht neutral, sondern heilsam … Warum? …

Die Bezugnahme auf das Verhältnis von Herrn Ott zum Christentum mit Zitaten aus einem Artikel über ihn in Zeit-Online wollte ich eigentlich im mündlichen Kommentar noch durch ein deutlicheres Beispiel ergänzen, habe es aber dann nicht gemacht, um nicht zu lange zu sprechen und nicht zu viel „Stoff“ zu bieten. So ergänze ich es hier: Die Reduzierung der frühbuddhistischen Achtsamkeit auf die Konzentrationsfunktion, um sie den unterschiedlichsten Kontexten unterordnen zu können, wird etwa klar an den Aktivitäten und der Stiftung „West-Östliche Weisheit“ des katholischen Paters Willigis Jäger deutlich.

Es gibt keine Belegstelle für „Achtsamkeit“ oder verwandte Begriffe wie „Wachsamkeit“ in der Bibel (eine direkte Möglichkeit zum eigenen Durchsuchen gibt es hier), während es absolute Kernthemen in den frühbuddhistischen Quellen sind. Dabei handelt es sich um Qualitäten, die der Buddha als ganz unabdingbar für die Befreiung im Leben bezeichnet hat.

Wenn er damit Recht gehabt hat, ist also dieses zentrale Befreiungsmittel „kein Thema“ in der Bibel – dem meistgelesenen und einflussreichsten Buch der Weltgeschichte. Eine hochbrisante und klare Tatsache.

Wie geht man damit als ein überzeugter Christ um, um weiteres und tieferes Nachdenken über diese hochbrisante Tatsache zu verhindern? Man legt in systematischer Form nahe, dass Achtsamkeit immer schon gleichermaßen ein Thema im Christentum gewesen ist. Dafür muss sie aber auf ihre Konzentrationsfunktion reduziert werden. Denn ihre weitergehenden Einsichtsfunktionen, die in den frühbuddhistischen Quellen breit beschrieben werden, machen die Achtsamkeit letztlich unvereinbar mit monotheistischen Systemen.

Audio IV) Hier hören Sie das Audio meiner Antwort auf Professor H. Dauber, der im Panel „Achtsamkeit und Pädagogik“ vom Samstag in seinem Vortrag die Anfrage an den Buddhismus gerichtet hat, ob sich die buddhistische Achtsamkeitspraxis von ihrem kulturellen Kontext trennen ließe. Auch seine Rückantwort auf meinen Kommentar ist zu hören.

Bitte beachten Sie zu diesem Audio IV:

In meiner Antwort auf diese Anfrage kommt unter anderem eine Gegenüberstellung der frühbddhistischen Erfahrungslehren und der monotheistischen Glaubenslehren anhand eines aussagekräftigen Beispiels. Dabei habe ich mich einmal versprochen:

Mit dem Beispiel für die Glaubenslehren, dass wir alle und die ganze Menschheit erlöst worden seien, weil „jemand vor 2500 Jahren am Kreuz“ gestorben wäre, meinte ich natürlich „vor 2000 Jahren“. Diese Bezugnahme auf Jesus Christus ist klar. Ich habe es auf diese sachliche und auf Gläubige vielleicht etwas respektlos wirkende Weise formuliert (mit „jemand“ statt „Gottes Sohn“), um kein Element dieses spezifischen Glaubens zu übernehmen, wie es die Aufgabe des wissenschaftlichen Ansatzes ist. Es geht hier um eine Gegenüberstellung, um den objektiven Unterschied zwischen Kernlehren des frühen Buddhismus und des Christentums zu verdeutlichen.

Der etablierte theologische Begriff der „Glaubenswahrheit“ für Kernlehren des Christentums – wie die Erlösung der Menschheit durch den Kreuzestod von Jesus Christus, dessen leibliche Auferstehung oder das Ewige Leben – ist im Grunde ein Widerspruch in sich, weil Glauben niemals per se eine Wahrheit ist, sondern eben bloß ein Glauben.

Damit bedeutet „Glaubenswahrheit“ in Wahrheit bloß eine Wahrheitsbehauptung. Solche theologischen Begriffe haben im Grunde eine „Augenwischer“-Funktion. Denn sie wollen etwas als eine objektive Wahrheit suggerieren, was keine objektive Wahrheit ist, weil es wissenschaftlich nicht nachgewiesen worden ist. Auch die Existenz „Gottes“ an sich und damit auch eines vermeintlichen „Sohn Gottes“ ist nicht nachweisbar. Theologen, Bischöffe, Kardinäle und Päpste sprechen gerne über „Gott“ genau so, als wäre seine Existenz klar und unhinterfragbar wahr. „Gott“ fließt in all ihre Darstellungen und Predigten genau so ein, als hätten sie ihn gerade vorher getroffen und wüssten genau, was oder wie er ist oder nicht ist, was er von den Menschen will oder nicht will, was er tut oder nicht tut, wie er mit Lebenden oder Toten umgehen wird oder nicht usw.

Man höre sich irgendeinen beliebigen Gottesdienst an. Es wird immer einen solche feste Vorstellung von dieser oder jener Art von „Gott“ oder „Gottes Sohn“ aus dem theologischen Munde kommen. DAS IST NICHT Wissenschaft, sondern Glauben, den man teilen kann oder nicht.

Die empirischen Daten jedenfalls sprechen gegen jene“ Glaubenswahrheiten“. Denn niemand ist jemals durch den Tod eines anderen erlöst worden, niemand ist jemals leiblich auferstanden und ein Ewiges Leben widerspricht jeglichem Leben. Die Festigkeit solcher Vorstellungen lässt sich leicht durch ihre Trostfunktion und ihre Rückversicherungsfunktion für das „Ich bin“ und „Mein“-Bewusstsein erklären (im Sinne von „ich bin“ dieser Körper, weshalb er auferstehen können müsse; oder „ich bin“ über diesen Tod hinaus, weshalb es ein „Ewiges Leben“ geben müsse). Aber diese Funktionen machen solche Glaubensvorstellungen wissenschaftlich auch keinen Deut wahrer.

2) Die Diskussion mit mir auf dem Blog der Kongressveranstalter:

Dort erscheint auch ein Resümee meines Vortrags, das leider zum Teil nicht korrekt ist und die Hauptaspekte des Vortrags kaum resümiert.

Doch im Anschluss an dieses Resümee findet eine interessante Diskussion zwischen dem Psychologen und Vertreter des Konzentrationsweges Michael Colsman und mir statt (über diesen Link gelangen Sie direkt zu der Diskussion). Sie können eventuelle weitere Kommentare auch gerne hier äußern.

Anmerkung:

Die Arbeit von Bhikkhu Analayo, einem Experten zur frühbuddhistischen Achtsamkeit, der auch einer der Referenten auf dem Achtsamkeitskogress war, wird mit einem nächsten Blogbeitrag separat behandelt.

Zu Kommentaren von Lesern:

Nach einem ersten Kommentar kann ich Ihnen auf Wunsch gerne beschränkte Zugriffsrechte auf die Blogverwaltung mit einem Passwort geben. Dann könnten sie einen Kommentar bequemer und etwa mit direkten Verlinkungsmöglichkeiten (ohne eine sichtbare URL) publizieren.

 

{ 7 comments… read them below or add one }

1 Hans Februar 10, 2014 um 16:48

Der vorangegangene Kommentar (von Johann Hanzze) stammt vom Macher der Seite „ZugangZurEinsicht„, die er als eine „Spiegelseite“ der bekannten nordamerikanischen Website „Accesstoinsight“ versteht.

Der dort verlinkte Beitrag von Thanissaro Bhikkhu in einer deutschen Übersetzung erscheint hier im sehr lesenswerten Original.

„Accesstoinsight“ bietet englischsprachige Neuübersetzungen der ältesten vollständig überlieferten Reden des Buddhas im Palikanon des Theravada, die vor allem von dem Amerikaner Thanissaro Bhikkhu stammen.

Diese englischsprachigen Übersetzungen sind gut. Ich empfehle jedoch noch mehr die Neuübersetzungen des Amerikaners Bhikkhu Bodhi, die bei Wisdom Publication erschienen sind (siehe etwa auf Amazon).

Er gilt heute generell – und ist ebenfalls aus meiner Sicht – der führende Neuübersetzer dieser alten Reden.

Leider können diese Übersetzung aus vertragsrechtlichen Gründen nicht einfach auf einer Website publiziert werden. Die Bände bei Wisdom Publications sind jedoch relativ günstig und sehr schön gemachte Bücher. Es gibt sie ebenfalls als günstigere Kindle Ebooks.

2 Johann (Hanzze) Februar 3, 2014 um 8:05

Vielleicht hilfreich:

Achtsamkeit (Mindfulness) definiert, von Thanissaro Bhikkhu (2008; 6 S./18KB) Übersetzung von Laien für „ZugangZurEInsicht“.

Über die Jahre hat das Wort Sati (Achtsamkeit) eine Reihe von Bedeutungen aufgepackt, die weit über die ursprüngliche Bedeutung von Buddhas Definition hinausgehen. Meditationspraxis benötigt ein klares Verständnis darüber, was Sati ist und wie es geschickt genutzt wird, um mit Geistesqualitäten umzugehen. http://zugangzureinsicht.org/html/lib/authors/thanissaro/mindfulnessdefined.html

3 qilin Mai 24, 2012 um 21:26

Die Diskussion mit Brian Victoria würde mich *sehr* interessieren – ich bin mit Brian schon lange in Kontakt, habe mitgeholfen sein erstes Buch in dt. Übersetzung herauszubringen, und habe auch jetzt mit ihm wieder Kontakt aufgenommen – und auf die Präsentation, die er mir im Voraus zusandte, ziemlich kritisch geantwortet…

() qilin

4 Hans Mai 23, 2012 um 16:57

Hallo Claudia,

Zuerst zur neuen Gestalt der Seite:

Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Mehrere haben sich mir gegenüber positiv zu der neuen Aufmachung geäußert. Das neue Framework im Hintergrund gestattet mir viel mehr bequeme Gestaltungsmöglichkeiten, was die Breiten, Farben, Bilder usw. angeht (vgl. dazu rechts unter „Bildnachweise).

So hat jetzt etwa das Feld für Besucherkommentare eine angenehme Breite fürs Schreiben (im alten Wordpress-Theme war es eng, was nicht zu ändern war; oder lediglich mit Programmierkenntnissen, die mir fehlen). Die zentrale Kolumne mit den Einträgen ist breiter und damit lesefreundlicher. Die vielen Links in den beiden Spalten rechts, deren Breite ich auch leicht einstellen kann, wirken jetzt „aufgeräumt“, was beim alten Theme nicht der Fall war. Dieser Blog ist voll von Texten. Da sollten die Links aufgeräumt erscheinen. Mit jedem Seitenwechsel innerhalb des Blogs (oder auf die Hauptüberschrift des Blogs klicken, dann erscheinen auch die verschiedenen Bilder, manchmal zweimal das gleiche) erscheint ein neues buddhistisches Bildmotiv rechts (insgesamt bisher 13). Ich finde die neue Form nicht baukastenmäßig.

Diese neue Gestalt ist auch der Auftakt für neue Aktivitäten. Ich habe mich als Blogger in der Tat länger zurückgehalten. Ein Grund war, dass gleich auf verschiedenen Einträgen (zu Goenka, zur Atemmeditation, zu Guttenberg, zum Achtsamkeitskongress) an mich gerichtete Kritiken kamen. Das ist schön, mit sachlicher Kritik habe ich kein Problem. Aber es wurde mir zu zeitintensiv, weil Anderes vorgeht.

Trotzdem will ein Blog natürlich gepflegt sein. Ich kann aus den Besucherzahlen genau ersehen, dass der Blog nach wie vor sowie zunehmend gut besucht ist. Denn der Buddhismus wird ja im Westen seit Jahrzehnten immer populärer. Das ist kein Wunder angesichts des Zustands der christlichen Kirchen und ihrer hochbezahlten Berufsprediger; sowie angesichts des inhaltlichen Vergleichs des christlichen mit dem buddhistischen Sinnorientierungs- und Praxisangebot.

Aber unabhängige buddhistische Orientierungswebseiten mit kritischen und wissensmäßig fundierten Reflexionen wie diesen Blog gibt es kaum.

Denn die allermeisten buddhistischen Webseiten vertreten bestimmte Traditionen – mit der damit zwangsläufig verbundenen Einseitigkeit, wenn sich Familienmitglieder über ihre jeweilige Familie äußern. Selbst die Webseite des Dachverbands DBU ist nicht wirklich unabhängig. Sie vertritt vor allem ihre Mitglieder, die beim Weitem nicht die Gesamtheit der buddhistisch Praktizierenden in Deutschland umfassen. Außerdem verfolgt die DBU seit Langem eine bestimmte, subtile Politik der Anpassung an staatliche bzw. kirchliche Erwartungen (und eine wirkliche Trennung von Staat und Kirche gibt es hierzulande in Wahrheit nicht).

Denn die DBU erstrebt den rechtlichen Status einer Körperschaft, der mit deutlichen materiellen Vorteilen verbunden ist. Diese Anpassung zeigt sich in Vielem. Wo eine solche Anpassung das Ziel ist, werden etwa Paritäten konstruiert, die es objektiv betrachtet so nicht gibt. Und auch die Theravada-AG der DBU vertritt primär bloß eine spezielle, stark vom Abhidhamma geprägte Richtung des Theravada mit untergeordneter Bedeutung der Achtsamkeitspraxis Vipassana.

Ich werde hier bald wieder aktiv werden. Ingo Wolf-Kittel im Eintrag zum Kongress wird beantwortet; ebenso die Anhänger der Goenka-Tradition, die sich zuletzt geäußert haben. Als neue kritische Haupteinträge werden erscheinen (in welcher Reihenfolge, steht noch nicht fest):

* Genereller Vergleich zur Frage der Gewalt im Christentum, Islam und Buddhismus, ausgehend von einem Vortrag von Brian Victoria über „Zen and the Nazis“ am Hamburger „Zentrum für Buddhismusforschung“ und meiner nachfolgenden Diskussion mit ihm. * Über den einflussreichen deutschen Theravada-Mönch, Professor und Goenka-Assistenz-Meditationslehrer Bhikkhu Analayo und seine besonderen Thesen. * Über die Situation des organisierten Buddhismus in Deutschland heute, etwa in Hinblick auf das Thema der formellen „Autorisierung“ von Lehrenden im Vergleich zum Werdegang eines Lehrers nach den alten Quellen. * Über den christlich gefärbten Mythos, der Buddhismus lehre „Das Leben ist Leiden“, den praktisch alle Medienvertreter, Autoren und die meisten deutschen Buddhisten entweder unbewusst oder bewusst nachreden.

Davon unabhängig können hier Diskussionen jederzeit zwischen Besuchern stattfinden. Ich zensiere nicht (außer in besonderen Fällen, die bisher nicht eingetreten sind). Bei stärkerer Aktivität kann ich einem Besucher auf Wunsch auch Autorenstatus mit beschränktem Zugang zum Verwaltungsbereich des Blogs einräumen.

Herzlich
Hans

5 claudia Mai 23, 2012 um 15:07

bin seit längerer zeit mal wieder auf deinem blog und bin sehr entäuscht:
zum einen gab es nun seit 9 monaten keine artikel mehr und zum zweiten sieht die seite wirklich furchtbar aus, als hättest du hier einfach einen hässlichen webbaukasten installiert und nicht angepasst. soll das jetzt so bleiben? falls ja, lohnen sich weitere besuche wohl nicht.

6 Michaela September 27, 2011 um 23:05

Es geht doch weniger um eine Erklärung eines Begriffs als um die Umsetzung. Zur Aufmerksamkeit. Daher:

Wenn Du erkennst, dass die Menschen wenig Kontrolle über das haben, was sie erleben und wie sie die Dinge erleben, dass sie von Bedingungen und ihren Launen abhängen, d.h. nett sind, wenn es ihnen gut geht, und schwierig, wenn es ihnen nicht gut geht, dann kannst Du versuchen, sie in die bestmögliche Lage zu bringen, damit es ihnen so gut wie möglich geht. So haben sie die Gelegenheit, nett zu sein. Dadurch rollt der Stein sozusagen immer öfter in eine andere, bessere Richtung, wodurch Du ihnen sehr hilfst. Sie können so nämlich die Gewohnheit schaffen, immer öfter die Rolle des Guten zu spielen.

Du selbst solltest Dich von schwierigen Menschen nicht stören lassen; denke einfach, sie benehmen sich so gut, wie sie es können und wissen es nicht anders. Nimm die Dinge nicht so ernst und persönlich. Allerdings sollte man dabei nicht zu glatt werden. Wird man von seinen Mitmenschen immer wieder auf die gleiche Sache aufmerksam gemacht, und ist man trotzdem überzeugt, dass alle die anderen falsch liegen, so sollte man sich selbst besser auch einmal unter die Lupe nehmen.

Wie war das doch gleich mit Tod und Wiedergeburt? Leseprobe vom Lama: http://www.xtreme-office.de/dies-das/von-tod-und-wiedergeburt.html

7 Ingo-Wolf Kittel August 24, 2011 um 13:52

Bezogen auf den Aspekt 1 der obigen Einleitung (den Konferenzvortrag von Hans Gruber):

Hallo Herr Gruber,

Ihre Bemühungen gegen die „westliche Vereinnahmung und Reduzierung des buddhistischen Achtsamkeitsbegriffs auf die Konzentrationsfunktion“ (wie Sie im Schlußwort Ihres Beitrags zum „Internationalen Kongress Achtsamkeit“ 2011 in Hamburg schreiben, der oben heruntergeladen werden kann) kann ich aus psychologischer Perspektive, die ich hier in aller Kürze dargestellt habe, nur unterstützen.

Was ist dann aber Ihrer Kenntnis nach die meist mit „Achtsamkeit“ bezeichnete besondere „Aufmerksamkeitsfunktion“ – wie ich in Analogie zu Ihrer ungewöhnlichen Begriffsbildung „Konzentrationsfunktion“ sagen müsste -, um die es im Buddhismus geht? In Hamburg wurde dazu meinem Eindruck nach bemerkenswert wenig gesagt und noch weniger deutlich.

Sich konzentrieren ist eine Form des Aufpassens oder Achtgebens – oder in leicht irreführender, weil verdinglichender („versubstantivierter“) Ausdrucksweise: eine Form von „Aufmerksamkeit“.

Aufmerksamkeitseinstellungen gibt es etliche wie zB. die gegenüber jeder noch so „zugespitzen“ Konzentration noch weitaus „engere“ Trance…

Was Achtsamkeit im Buddhismus meint, hat Analayo in Hamburg leider nicht vorgetragen, sondern m.W. nur in seinem von ihm selbst überprüften Beitrag „Sati in den Pali Lehrreden“ dargestellt (online hier).

Meine Frage an Sie ist daher, ob Sie aus Ihrer Kenntnis der Schriften heraus zu demselben Ergebnis kommen wie Analayo.

Und wenn Sie sich psychologisch genug auskennen: Worin besteht Ihrer Kenntnis oder Ansicht nach die besondere psychische Leistung, auf die mit dem deutschen Allerweltswort „Achtsamkeit“ (aber auch mit Ausdrücken wie Gewahrsein, Gewahrsamkeit, Geistesgegenwart, Panoramabewusstheit, „hellwach und bewusst leben“ u.dgl.) Bezug genommen wird, wenn nicht in dem, was ich in meinen oben verlinkten Erläuterungen ultrakurz als (gegenüber „normaler oder „üblicher“, weil eingeübter Aufmerksamkeit) „unbegrenzte“ oder „uneingeschränkte“ Aufmerksamkeit zu charakterisieren versuche?

Ingo Wolf-Kittel

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