Das Zweite Vatikanum und die so „tolerante Haltung“ der katholischen Kirche zu den anderen Religionen

by Hans on 14/10/2010

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Das Zweite Vatikanum und die so „tolerante Haltung“ der katholischen Kirche

zu den anderen Religionen

 

Doch es handelt sich lediglich um Grade der Intoleranz:


Die Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen
vom „Zweiten Vatikanischen Konzil“ 1965 und zum Beispiel der neue „Päpstliche Rat zur Förderung der Neuevangelisierung“ vom 12. Okt. 2010.

 

 

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* Näheres zum neu entdeckten Urvater des westlichen praktizierten Buddhismus,
U Dhammaloka, hier im Vorwort

* Tipp: Die Spiegelung meiner Facebook-Seite auf diesem Blog

 

 

Der folgende Beitrag ist eine kritische Betrachtung der Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen von dem als besonders fortschrittlich geltenden „Zweiten Vatikanischen Konzil“ 1965 und danach unter anderem des neuen „Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung“ des Abendlandes vom 12. Okt. 2010.

Der Ausgangspunkt ist der Kommentar eines Blogbesuchers, der im Folgenden auch zuerst erscheint (vollständig ist es der Kommentar 52 zu diesem Blogeintrag).

Danach kommt meine eingehende Antwort, die das neue Hauptthema eröffnet. In meiner zweiten Antwort geht es unter anderem um jenen aktuellen, am 12. Okt. 2010 gegründeten „Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung“.

 

Hinweise:

 

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Zuerst der Kommentar des Blogbesuchers:

 

Hallo,

Ich will hiermit auf eine falsche Darstellung bezüglich der Katholischen Kirche und Buddhismus hinweisen.

Du schreibst :

“So sind jene beiden Alleingeltungsansprüche moderat im Vergleich etwa zum Alleingeltungsanspruch des Katholizismus, der auf einer durch bestimmte Bibelstellen begründeten dogmatischen Glaubensüberzeugung beruht, die überlegene Kirche bzw. die einzige zum Heil führende Religion zu verkörpern und einen dementsprechenden globalen Missionsauftrag zu haben.

Diese Erklärung gibt es, um zur Kenntnis genommen zu werden.

(Zitat) “In den verschiedenen Formen des Buddhismus wird das radikale
Ungenügen der veränderlichen Welt anerkannt und ein Weg gelehrt, auf dem
die Menschen mit frommen und vertrauendem Sinn entweder den Zustand
vollkommener Befreiung zu erreichen oder – sei es durch eigene Bemühung, sei
es vermittels höherer Hilfe – zur höchsten Erleuchtung zu gelangen vermögen.
So sind auch die übrigen in der ganzen Welt verbreiteten Religionen bemüht,
der Unruhe des menschlichen Herzens auf verschiedene Weise zu begegnen,
indem sie Wege weisen: Lehren und Lebensregeln sowie auch heilige Riten. –
Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen
wahr und heilig ist.” (Zitat Ende)

1965 beim Zweiten Vatikanischen Konzil
unter Papst Johannes XXIII verfasst. …

Mit freundlichen Grüssen

Upasaka Udo

 

Die eigene Antwort, als Eröffnung dieses neuen Eintrags:

 

Hallo Uposaka Udo,

Das Zweite Vatikanische Konzil hat sicher gewisse Fortschritte gebracht, was die Haltung der katholischen Kirche zu den anderen Religionen und der Moderne im Allgemeinen angeht. Diese Fortschritte waren überfällig, um aus einer mittelalterlichen Geisteshaltung einigermaßen in die heutige Zeit „zu springen“.

Ohne diesen Sprung wäre die katholische Kirche zumindest im Westen bloß noch schwach dagestanden und dort von zu wenigen Menschen noch wirklich ernst genommen worden. So gesehen war das Zweite Vatikanische Konzil lediglich eine kluge Anpassung an die Gegebenheiten der modernen Zeit, um das eigene Überleben im relativ aufgeklärten Westen, der für die katholische Kirche bis heute eine besondere Herausforderung darstellt, zu gewährleisten.

Aber selbst aus Sicht des im innerkatholischen Vergleich besonders fortschrittlichen Zweiten Vatikanischen Konzils werden die anderen Religionen keineswegs als gleichberechtigt anerkannt. Laut dem von Dir zitierten Abschnit, den Du aus dem ganzen Kontext herausgelöst hast, hat es bloß diesen Anschein.

Der übergeordnete Kontext ist die auf jenem Konzil verfasste Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen, die zum Beispiel hier im Wortlaut nachgelesen werden kann (sie ist nicht lange, deren vorangehende Lektüre ist zu empfehlen).

Im Folgenden werde ich die anderen Aussagen aus dieser Erklärung zitieren, die den übergeordneten Kontext zeigen, und danach diese Stellen kurz kommentieren. Dort heißt es bereits einleitend (also vor dem von Dir zitierten Abschnitt) unter anderem (ich kommentiere hier bloß die besonders deutlichen Stellen):

„Alle Völker sind ja eine einzige Gemeinschaft, sie haben denselben Ursprung, da Gott das ganze Menschengeschlecht auf dem gesamten Erdkreis wohnen ließ; auch haben sie Gott als ein und dasselbe letzte Ziel.“

Es wird hier also eine Aussage zu anderen Religionen gemacht, die sie für den katholischen Glauben vereinnahmt, das heißt sie mit deren eigener Lehre nicht wirklich gelten lässt. Denn die Lehre des Buddha, wie sie uns mit den ältesten vollständig überlieferten Texten des Palikanons überliefert ist, hat keineswegs „Gott als ein und dasselbe letzte Ziel“ (und ebenfalls manche weitere Religionen nicht, wie der Taoismus). In der Einleitungsrede der Langen Sammlung zum Beispiel werden die im alten Indien gängigen Formen des Glaubens an einen höchsten Schöpfergott als „verfehlte Sicht“ begründet zurückgewiesen. Der frühe Buddhismus ist keine agnostische (also über „Gott“ keine Aussage machen wollende), sondern eine atheistische (also die Vorstellung von „Gott“ verneinende) Religion.

Dann zu dem von Dir zitierten Abschnitt:

Im frühen Buddhismus in jedem Falle, aber auch in späteren Formen des Buddhismus wird der Zustand vollkommener Befreiung nicht „mit frommen und vertrauendem Sinn“ erstrebt. Das „Vertrauen“ (sadhhâ) ist hier lediglich eine von diversen Eigenschaften, die für den Befreiungsweg notwendig ist.

Außerdem ist hier das Vertrauen in die eigenen Kräfte und die Möglichkeit des Erwachens gemeint. Die „höhere Hilfe“, von der in dem von Dir zitierten Abschnitt die Rede ist, gilt lediglich für die späteren Formen des Buddhismus, wie den tibetischen Buddhismus mit dessen Glauben an helfende Bodhisattvas oder Buddhas. Aber auch hier gelten die transzendeten Bodhisattvas und Buddhas als frühere Menschen, die sich selbst voll entwickelt haben. Deshalb werden sie nicht in einem Sinne ähnlich „Gott“ im abrahmitisch-monotheistischen Kontext verstanden..

Zu den buddhistischen Wegen, die in dem von Dir zitierten Abschnitt erwähnt werden, gehören vor allem die verschiedenen Formen des Meditation und Geistesschulung zur Entwicklung von ethischer Motivation, geistiger Ruhe und höherer Einsicht, die dort nicht als Beispiele genannt werden.

Warum nicht? Vielleicht weil von solchen stringent praktischen Instrumenten, die logisch nachvollziehbar und empirisch überprüfbar sind, in der katholischen Lehre kaum etwas zu finden ist? Vor allem sie machen ja heute den Buddhismus für den modernen pragmatischen Geist besonders attraktiv.

Schon unmittelbar nach dem von Dir zitierten Abschnitt wird es klar, worum es geht. Dann nämlich geht der Text jener „Erklärung“ so weiter:

„… Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet. Unablässig aber verkündet sie und muß sie verkündigen Christus, der ist „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6), in dem die Menschen die Fülle des religiösen Lebens finden, in dem Gott alles mit sich versöhnt hat.“

Erst heißt es hier also zwar: „Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist.“ Danach geht es aber in einem missionarischen Sinne präziser weiter: „Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen … die … nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet. Unablässig aber verkündet sie und muß sie verkündigen Christus, der ist „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6), in dem die Menschen die Fülle des religiösen Lebens finden, in dem Gott alles mit sich versöhnt hat.“

Hier ist also in den anderen Religionen bloß noch „ein Strahl jener Wahrheit“ zu erkennen, die „alle Menschen erleuchtet“ (und selbst dies offenbar nicht immer, sondern „nicht selten“). Was aber mit „jener Wahrheit“ gemeint ist, das wird dann mit dem gleich nachfolgenden Satz klar ausgesprochen, nämlich: „… Christus, der ist „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6), in dem die Menschen die Fülle des religiösen Lebens finden …“.

In anderen Worten:

Aus Sicht des Zweiten Vatikanischen Konzils mit der dort verfassten Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen haben die anderen Religionen (neben dem Islam und Judentum, die in jener Erklärung weiter unten noch ganz separat behandelt werden) höchstens einen „hinführenden“ Wert, sofern diese nämlich „nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen“.

Mit „hinführend“ ist gemeint – hinführend zu jener angeblich vollen Wahrheit von „Christus, der ist „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6). Außerdem heißt es an der Originalstelle ja noch deutlicher: „… Niemand kommt zum Vater denn durch mich.“

Aus Sicht des Zweiten Vatikanischen Konzils ist es ALSO ERST MIT IHM, das heißt im Glauben an Jesus Christus, möglich, dass „die Menschen die Fülle des religiösen Lebens finden, in dem Gott alles mit sich versöhnt hat“.

Das ist nichts anderes als der uralte missionarische, Alleingeltung beanspruchende Geist der katholischen Kirche, der im Rahmen jener Erklärung vom Zweiten Vatikanischen Konzil zu den anderen Religionen lediglich geschickter verpackt erscheint. Dieser Geist in seiner unverblümten Ausprägung, wie er vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil geschichtlich fast durchgehend manifest geworden ist – und zunehmend auch heute immer wieder „durchscheint“, etwa bei den vieldiskutierten „Pius Brüdern“ -, hat die katholische Kirche im gesamtgeschichtlichen Vergleich zu der gewalttätigsten aller Religionen gemacht.

Zum kirchlich inspirierten mörderischen Antisemitismus in der Geschichte sei besonders das anschaulich geschriebene Buch Antisemitism: the Longest Hatred des Geschichtsprofessors R. S. Wistrich empfohlen. (Ich selbst habe keine jüdischen Wurzeln, wenn sich jemand wundert, warum ich hier dieses Beispiel nenne: Das Thema macht bloß die pathologische, gewaltfördernde Kraft bestimmter katholischer Glaubensvorstellungen besonders prägnant deutlich.)

Der Alleingeltungsanspruch der katholischen Kirche geht sogar so weit (bzw. wird besonders schön daran deutlich), dass bis heute noch nicht einmal die protestantische christliche Kirche als die andere christliche „Kirche“ anerkannt wird. So ist auch etwa in jener Erklärung immer bloß von „die Kirche“ die Rede, und das sehr häufig (bis auf einmal, nach den Aussagen zum Hinduismus und Buddhismus, wo von der „katholischen Kirche“ gesprochen wird).

Auch die fehlende Bereitschaft der katholischen Kirche, mit der evangelischen Kirche ein gemeinsames Abendmahl zu begehen, weist auf jenen katholischen Alleingeltungsanspruch hin. Dieser Umstand unter anderem zeigt zudem, wie tief befangen das Denken der katholischen Kirchenführer in bestimmten, fernab einer  transformatorischen spirituellen Praxis stehenden Dogmen ist, die jedem aufgeklärten bzw. selbstdenkenden Geist schon absurd vorkommen müssen.

Das Gleiche gilt für das katholische Verbot von Verhütungsmitteln generell und selbst in den besonders aidsgeplagten afrikanischen Ländern. Warum eigentlich? Vielleicht um sicher zu gehen, dass die Zahl der eigenen Schäfchen „unter allen Umständen“ weiter wächst?

Oder – in schroffer Missachtung des Individuums und der allgemeinen Menschenrechte als einer Hauptfrucht der Aufklärung – die bis heute notorische Weigerung, Frauen zum Priesteramt zuzulassen oder die Nichtanerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften.

Oder – in alter, besonders katholischer Tradition der engen Verschränkung mit den Herrschenden zum eigenen, auch materiellen Vorteil – das Vorgehen gegen die Befreiungstheologen in Südamerika, die sich unter großer Gefahr für die vielen Armen und Unterdrückten dort eingesetzt haben und einsetzen.

Oder die geistigen Kapriolen und eingetretenen Fettnäpfchen des aktuellen Papstes Joseph Ratzinger, etwa von der ursprünglichen Haltung zu den mittelalterlichen „Pius-Brüdern“ bis zu seiner in vielen Medien hoch gelobten „Regensburger Rede“. Damit greift er zwar die Gewalttätigkeit des Islam an, aber reflektiert mit keinem Wort die geschichtlich noch größere Gewalt der eigenen Kirche.

Er wäre gewiss besser als leitender Professor eines dogmenwissenschaftlichen Institutes der katholischen Kirche am Platze.

Oder zuletzt die immensen Ausmaße des Missbrauchs von Kindern und Jungen durch pädophile katholische Priester und teils (wie in Belgien) auch Bischöffen in diversen Ländern, die jahrzehntelang von den Kirchenoberen vertuscht worden sind; und das von einer Kirche, die in den heutigen modernen Gesellschaften besonders offensiv mit dem Anspruch auftritt, die führende moralische Instanz zu sein.

Dies ist nichts anderes als Heuchelei; und das öffentlich verkündete Bedauern ist nicht wirklich ernst zu nehmen, weil es angesichts der vielen Berichte der Medien und der öffentlichen Meinung völlig unausweichlich geworden ist. Wenn man die katholischen Priester einmal bloß als eine bestimmte Berufsgruppe betrachtet, gibt es sicher in keiner anderen Berufsgruppe einen ähnlich hohen Anteil von Pädophilen und Kindesmissbrauchern; und man kann sich eigentlich bloß wundern, dass Menschen nicht in viel größerer Zahl dieser Institution den Rücken zukehren bzw. aus der Kirche austreten.

Das uralte, objektiv nur noch „pathologisch“ zu nennende Verhältnis zum Judentum wird selbst in jener von Dir zitierten „toleranten“ Erklärung noch deutlich:

Hier wird zwar dem Dialog mit dem Judentum das Wort gesprochen und etwa gesagt, dass „die Juden nach dem Zeugnis der Apostel immer noch von Gott geliebt um der Väter willen“ seien. Aber im gleichen Atemzug heißt es: „Gewiß ist die Kirche das neue Volk Gottes, trotzdem darf man die Juden nicht als von Gott verworfen oder verflucht darstellen …“. Dies ist nicht glaubwürdig. Denn solange sich die katholische Kirche selbst so sieht (nämlich so: „Gewiss ist die Kirche das neue Volk Gottes“), wird sie zwangsläufig die Juden als geringer wertig betrachten, weil sie aus ihrer Sicht damit ja bloß „das alte Volk Gottes“ seien.

In jener Erklärung wird zwar auch der Antisemitismus verurteilt. Aber es heißt dort ebenso:

„So ist es die Aufgabe der Predigt der Kirche, das Kreuz Christi als Zeichen der universalen Liebe Gottes und als Quelle aller Gnaden zu verkünden.“

Im Judentum gilt das „Kreuz Christi“ aber nicht als „Quelle aller Gnaden“. Wenn „tolerante“ Christen, die sich nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil richten, Juden dennoch mit dieser Haltung begegnen, wollen doch auch sie ihnen den eigenen Glauben indirekt aufdrängen.

Der frühe Buddhismus ist die Religion des spirituellen Individualismus, wie viele Hauptaussagen des Erwachten zeigen, vom Kalâma-Sutta über das Vimamsaka-Sutta zum Nashorn-Sutta des Sutta-Nipâta, jenem berühmten Hymnus an die Praxis der „alleine ziehenden Nashörner“, die der Befreiung selbstverantwortlich zustreben.

Die „Antwort“ des Buddha laut Palikanon auf die Grundhaltung der katholischen Kirche, die seit vielen Jahrhunderten den (blinden) Glauben an unverifizierbare Dogmen und ihre gut bezahlten Amtsträger eingefordert hat, sind etwa jene Worte, die als seine letzten überliefert sind (Lange Sammlung, Rede 16):

„Seid Euch selbst das führende Licht, seid Euch selbst der Freiort, nehmt nichts anderes zum Freiort. Nehmt den inneren Weg als das führende Licht, nehmt den inneren Weg zum Freiort, nehmt nichts anderes als Freiort. Wie könnt Ihr Euch selbst ein Freiort sein? Bleibt fortwährend verankert in eingehender Betrachtung des Körperlichen im Körperlichen – entschlossen, klar wissend und achtsam gegenwärtig, nachdem Verlangen und Bekümmern hinsichtlich der Welt beiseite gelegt worden sind. Das Gleiche gilt für die Empfindungen, die geistigen Zustände und die natürlichen Wahrheiten. Diejenigen, die jetzt oder zukünftig so leben, werden das Höchste verwirklichen. Was ich als den Weg verkündet und erläutert habe, wird nach meinem Ableben Euer Lehrer sein. Zuletzt sage ich Euch: Flusshaft-vergänglich ist alles bedingt Entstandene. Erarbeitet Euch unermüdlich die Befreiung!“

Herzlich

Hans Gruber

 

{ 16 comments… read them below or add one }

1 Melles ,Heike Juni 20, 2011 um 11:19 Uhr

Sehr geehrter Herr Upasaka Udo,
ich bin auf diese ganze Website nur
über den Satz : Oder in der Bibel : “ Liebe deinen Feind wie dich selbst „aufmerksam geworden.
Bei den Evangelisten steht “ wie dich selbst“ nur nach dem
„Liebe deinen Nächsten „. Es heißt : „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Aber nur : „Liebe deine Feinde.“ Es besteht eine Trennung. Ich glaube, dass
sich gerade deswegen viele Christen nicht einmischen, wenn sie sehen, dass ein „Feind“ ihrer Meinung nach falsch handelt, denn dieser Feind ist ja nicht er. Ob diese Christen richtig handeln ist eine andere Frage. In den Evangelien sind friedliche Bekehrungsversuche erwünscht, aber die Jünger sollen, wenn man sie nicht hören will, die Stadt, in der sie wirklen, verlassen.Wenn man weiß, dass Bekehrungsversuche als Gotteslästerung empfunden werden, muss man es also extrem vermeiden.

2 Hans Oktober 29, 2010 um 15:05 Uhr

Hallo Udo (auf diesem Blog gilt das „Du“),

Dass Du kein Problem „mit dem Herrn Ratzinger“ hast, glaube ich Dir sofort.

Diese Haltung projezierst Du jetzt auf alle anderen – indem Du meinst, dass ich der Einzige wäre, der ein Problem mit dem Herrn Ratzinger habe.

Es gab etwa jüngst einen großen, diverse Länder betreffenden Missbrauchsskandal in der von Joseph Ratzinger geleiteten Kirche, der viele zum Nachdenken gebracht hat. Oder mit jenem „Päpstlichen Rat zur Neuevangelisierung“, um hier bloß ein weiteres Beispiel zu nennen, haben auch viele ein Problem.

Du nicht. Darüber solltest Du vielleicht einmal nachdenken.

Aber womit Du offenkundig ein klares Problem hast, ist mit Kritik an diesem Papst oder der katholischen Kirche, wie zum Beispiel ich sie hier übe. Denn Du hast ursprünglich diese Diskussion begonnen, mit dem Zitat meiner Kritik an der katholischen Kirche.

Du bist tatsächlich ein „glücklicher Fall“ – für diesen Blog und dessen Funktion.

Warum?

Deine Beiträge zur Diskussion um die katholische Kirche veranschaulichen Stadien eines bestimmten Diskussionsverhaltens, das ich schon oft bei sykretistischen Zusammenrührern oder „Vermischern“ von Christentum und Buddhismus, Jesus Christus und dem Buddha laut Palikanon, erlebt habe.

Dafür bin ich Dir dankbar – dass diese Stadien hier einmal öffentlich gemacht werden können.

Diese Stadien sind:

1) Plausibel erscheinende Argumente und Einwände.

2) Nach Widerlegung dieser Argumente abstruse synkretistische oder auch theosophisch verwurzelter Theorien, die bloßes Wunschdenken zum Ausdruck bringen.

3) Nach Bloßlegung dieser Abstrusität persönliche Angriffe, indem irgendwelche Qualitäten abgesprochen werden, und in diesem Zusammenhang die Proklamation vermeintlich eigener überlegener Qualitäten.

Die dritte Phase, die Du schließlich mit Deinem letzten Kommentar erreicht hast, will ich nicht im Einzelnen analysieren oder beantworten.

Das ist eine gute Denksportaufgabe für eventuell interessierte Leser.

Die drei Phasen sind hier das Aufschlussreiche. Denn sie zeigen die „Verstellungen“, die im Zuge jenes genannten Synkretismus mit dem Unbewussten passieren. Davor solltest Du und jeder ähnliche „Fall“ sich in wohl verstandenem buddhistischen Eigeninteresse hüten.

Mach es wirklich gut,

Hans

3 Udo Oktober 26, 2010 um 9:24 Uhr

Hallo,
ich glaube der einzige der im Moment ein Problem mit dem Herr Ratzinger hat, sind Sie selbst!
Ob ich an den Papst denke , an Jesu , Mose , oder an die bedingte Entstehung, habe ich immer die gleiche Gemütsruhe !
Das einzige was mein Gemüt in Wallung bringt ist meine Frau ; -)
Aber ich möchte Sie jetzt auch nicht weiter aufregen und wünsche Ihnen viel Glück auf dem Weg !
Freundliche Grüsse
Udo Zajonc

4 Hans Oktober 24, 2010 um 16:58 Uhr

Hallo Udo,

Was Dein Udâna-Zitat mit dem vorher Gesagten zu tun haben soll, ist mir schleierhaft. Es ließen sich viele gute Zitate zu den letzten Zielen der buddhistischen Lehre anführen. Ja, und?

Wir haben uns vorher etwa über die Frage unterhalten, welchen Platz Kritik an anderen religiösen Lehren in der buddhistischen Lehre hat. Du hattest mit Deiner Aussage, dass der Buddha über die anderen Lehren „hinaus gegangen“ sei, nahe gelegt, dass er sich nicht kritisch mit ihnen auseinander gesetzt hätte. Ich habe gezeigt, dass er sich sehr wohl – und zwar vielfach und ausführlich – kritisch mit den anderen zeitgenössischen Lehren auseinander gesetzt hat.

Damit wollte ich als Antwort auf Deine Behauptung zeigen, dass der Buddha laut dem Zeugnis des Palikanons (welche die ältesten vollständig erhaltenenen Redensammlungen enthalten) in INNERER Weise über diese Lehren hinaus gegangen ist, INDEM sie für ihn keine Relevanz hatten; und in ÄUßERER Weise, indem er sie argumentativ widerlegt hat.

Das war das Thema. Nicht die Frage, was die letzten Ziele der buddhistischen Lehre sind.

Dein danach gebrachter Wortvergleich belegt nichts (weil eine zufällige Ähnlichkeit von Buchstabenkombination in Begriffen des Buddhismus und Judentums philologisch nichts zu bedeuten hat).

Er zeigt lediglich, dass Du unter allen Umständen Parallelen zwischen den unterschiedlichen Religionen herstellen möchtest – zum Beispiel, indem Du die vermeintlich letzten Worte von Jesus mit der Anweisung des Buddha an Bahiya zum Nibbana kurz einmal gleichsetzt.

Das ist schlichtweg Blödsinn.

Denn die Lehre, die hinter der Anweisung des Buddha an Bahiya steht, bezieht sich auf eine spezifisch frühbuddhistische Lehre; nämlich auf diejenige, dass die Fokussierung der Achtsamkeit auf die bloße, rein rezeptive Wahrnehmung oder den bloßen Sinneskontakt (also „vor“ der subjektiven Gefühlsreaktion und der entsprechend gefärbten Wahrnehmung) einen befreienden Einblick in das „freie“ Wesen der Phänomene vermittelt.

Es gibt aber keine vergleichbare Wahrnehmungslehre im Christentum, weil diese Religion als eine Glaubensreligion im Grunde überhaupt nicht mit solchen Themen befasst ist, wie sie im Zentrum der frühbuddhistischen Lehre stehen.

Zu diesen Themen gehören etwa die Analyse des Geistes, die Wahrnehmungs- und Erkenntnistheorie, die befreiungspragmatische Ausrichtung auf die Fragen von Leiden, Ursachen des Leidens, Ende des Leidens und dem Weg dahin, sowie eine Vielzahl von praktischen Mitteln, vor allem Meditationsmethoden, um die Hauptbereiche des universellen Befreiungsweges zu verwirklichen, nämlich Ethik, Ruhe und Einsicht.

Du bist ein Beispiel für einen ganz bestimmten, „beliebig zusammenrühernden“ Synkretismus (das Vermischen unterschiedlicher Lehren). Ich habe im Laufe der Zeit einige Repräsentanten eines solchen Denkens kennen gelernt, das sich als „höhere Einsicht“ gebiert.

Es gibt heute bloß wenige, die sowohl Christen als auch Buddhisten dort „abholen“ können, wo sie stehen, ohne Falsches über die eine oder die andere Religion zu sagen – etwa den Leiter der Münchner Religionswissenschaft, Michael von Brück. Seine Bücher und Vorträge sind zu empfehlen (etwa bei Facebook seinen Namen eingeben, dort findet sich eine stets aktuelle Übersicht zu seinen Aktivitäten).

Einige Deiner Argumente sind ganz typisch für jenen oben genannten Synkretismus.

So bin ich bei dieser Gelegenheit näher darauf eingegangen, weil es bisher auf diesem Blog noch nicht passiert war.

Außerdem typisch ist, dass solche Argumente genau betrachtet substanzlos sind, wie Deine letzte Äußerungen klar zeigen.

Ich möchte hier den bereits gegebenen Rat wiederholen: Löse Dich von Deinem Hängen an „Jesus Christus“ los!

Es wird ja nun ganz deutlich, was jener spezifische Versuch des Zusammenmischens mit dem klaren Denken macht:

Es geht flöten, wie etwa Dein letztes Wort („ehemals Nibbana, ,Abba´, Bahiya“) zeigt. Und es wird ersetzt durch Kartenhäuser, Wunschdenken und Projektion.

Und wenn das klare Denken flöten geht, verlierst Du ein aus buddhistischer Sicht absolut notwendiges Instrument zur inneren Entfaltung des universellen, das heißt kulturübergreifenden Befreiungsweges.

Ich werde die Diskussion mit Dir aus den vorher genannten Gründen nicht fortführen. Ich bitte, das zu respektieren.

Denn es gilt für diesen Blog ein bestimmtes Niveau, wozu zum Beispiel gehört, dass die Diskussionspartner möglichst genau auf das jeweils vorher Gesagte eingehen. Ich habe ausführlich und präzise auf Deine Einwände geantwortet. Du hattest die Möglichkeit, darauf einzugehen. Das hast Du am Ende nicht mehr genutzt. Damit ist die Diskussion für mich beendet, auch wenn Du jetzt „nachlegen“ solltest. Es gelten bestimmte Grundsätze für solche Auseinandersetzungen.

Ich stelle hier kostenlos Zeit und Wissen zur Verfügung, was ich gerne mache, weil mir diese ganze Lehre sehr am Herzen liegt, ich in ihr eine große Chance für die moderne Gesellschaft sehe und weiß, welche diversen Vereinnahmungsversuche stattfinden.

Aber das heißt auch, dass ich mich nicht unnötig „in Beschlag“ nehmen lasse, indem am Gesagten „vorbei“ geredet wird.

So verstehe ich diesen Blog auch als ein sinnvolles Gegenstück zu einem solchen in unserer Gesellschaft vielfach praktizierten und gewissermaßen gezielten Aneinander-Vorbei-Reden (damit möglichst jeder weiterhin seine Meinung aufrecht erhalten kann).

Außerdem verstehe ich diesen Blog als ein gutes Beispiel für eine positiv zu verstehende buddhistische Streitkultur, die aus meiner Sicht einen besonders hohen Instruktionswert für alle hat, die nach spiritueller Orientierung suchen.

Viele Grüße

Hans

5 Hans Oktober 21, 2010 um 0:09 Uhr

(Nochmal, weil gestern wegen meines Fehlers die Email-Übermittlung des nachfolgenden Textes an die Abonnenten nicht geklappt hat:)

Hallo Abonnenten,

Der folgende Text bezieht sich nicht auf das oben diskutierte Thema, sondern ist lediglich ein Hinweis an alle Abonnenten der Kommentare dieses Blogs, die sie per Email erhalten:

Ich schalte das entsprechende Plugin nach der Publikation dieses Textes ab. Ihr erhaltet ihn also als den letzten Text per Email-Abo.

Die Gründe für das Abschalten:

Wenn ich selbst eine Antwort im Verwaltungsbereich des Blogs publiziere – was für mich angenehmer ist, weil ich dort gleich Markierungen und Verlinkungen machen kann -, wird vom Plugin diese Antwort den Abonnenten nicht per Email übermittelt.

Denn es werden vom Plugin lediglich die Kommentare per Email übermittelt, die direkt im Blog von einem Besucher publiziert werden.

So habt Ihr in letzter Zeit etwa die Kommentare von Besuchern per Email zugeschickt bekommen, aber nicht meine letzten Antworten.

Denn ich habe diese aufgrund ihrer Länge im Administrationsbereich verfasst.

Außerdem verbessere oder erweitere ich gewöhnlich nach der Publikation einer eigenen Antwort diese Antwort nochmal nachträglich. Auch diese, manchmal wichtigen Verbesserungen oder Erweiterungen werden vom Plugin den Abonnenten nicht übermittelt.

Bisher habe ich keine Möglichkeit gefunden, wie auch Blogbesucher gegebenenfalls ihre Kommentare nach der Publikation noch verbessern können.

Ein dafür installiertes Wordpress-Plugin scheint nicht zu funktionieren.

Deshalb die Bitte an alle Besucher, die sich hier äußern, Eure Kommentare vielleicht erst offline zu verfassen, nochmal zu checken, sie zu kopieren und dann online zu publizieren.

Bei besonderen nachträglichen Wünschen können sich Besucher natürlich auch an mich wenden (yogruber@gmx.de). Dann werde ich erwünschte Erweiterungen oder Änderungen in dem betreffenden Besucherkommentar durchführen.

Ich selbst mache an Kommentaren von Besucher höchstens nachträglich kleine Rechtschreib- oder Satzstellungsverbesserungen.

Aber ich greife grundsätzlich nicht in die von den Besuchern publizierten Inhalte ein, ob mir diese nun gefallen oder nicht, ob ich sie von der Argumentation passend oder unpassend oder völlig daneben finde.

Die bisherigen Abonnenten mögen bei Interesse also künftig auf diesem Blog vorbeischauen, ob es bei den sie interessierenden Einträgen Neues gibt.

Herzlich

Hans

6 Udo Oktober 20, 2010 um 8:36 Uhr

Hallo Hans,

Udana I/10.: „Gesehenes gelte dir nur als Gesehenes, Gehörtes nur als Gehörtes, sinnlich Erfahrenes nur als sinnlich Erfahrenes, Erkanntes nur als Erkanntes. So kannst du dich üben, Bāhiyer. Wenn dir Gesehenes nur als Gesehenes, Gehörtes nur als Gehörtes, sinnlich Erfahrenes nur als sinnlich Erfahrenes, Erkanntes nur als Erkanntes, gelten wird, dann bist ‚du‘ nicht ‚dort‘, Bāhiyer, dann ist ‚das‘ nicht ‚deine‘ Sache, dann, Bāhiyer, bist ‚du‘ weder ‚hier‘ noch ‚jenseits‘ noch ‚dazwischen‘: Das eben ist das Ende des Leidens.“

Das ist der Kern der Buddha-Lehre.Was ja leicht zu verstehen ist ( aber schwer zu verwirklichen ), und da ist es mir wurscht, welcher Hämpel das übersetzt hat.

Das höchste Ziel ist die unerschütterliche Gemütsruhe Nibbāna:

http://www.palikanon.com/wtb/nibbana.html

In diesem Zusammenhang ist interessant, das auch die Abrahamitischen Religionen, um das „abba“ rumtigern.

N ibba na
K abba
K abba la

Jesu hat vor der Kreuzigung abba angesprochen.

Aber das ist Gnosis und eigendlich nicht das Ziel buddhistischer Geistesschulug, sondern bhavana (Geistesschulung).

Analytisches Sprachverständnis ist wichtiger bei den letzten Wahrheiten, Protosemitisch ist sehr hilfreich.

Korrektes Hochdeutsch, English braucht man nicht.

Freundliche Grüsse

Ehemals Nibbana, `Abba´, Bāhiyer

Jetzt wieder Udo

7 Hans Oktober 20, 2010 um 0:34 Uhr

Hallo Udo,

Vorweg kurz, auch nochmal zu Sara:

Es ist mir vollkommen gleich, wo Du oder sonst wer herkommst. Darum ging es mir nicht. Der Punkt war lediglich, dass die Geburts- bzw. Herkunftsregion meistens schon dazu beiträgt, wie stark bestimmte christliche Prägungen gewesen sind.

Süddeutschland ist in dieser Hinsicht in einer anderen Form prägend als Norddeutschland, wegen der Zweiteilung Deutschlands, was die beiden christlichen Konfessionen angeht. Auch für das ehemalige Osteuropa ist es gemäß der jeweiligeGeschichte ziemlich unterschiedlich: Polen ist mit das katholischste Land Europas mit einer sehr starken Stellung der Kirche; Irland ist es nach den dortigen Ausmaßen des Missbrauchsskandal nicht mehr. Die Tschechei dagegen ist das europäische Land, wo die katholische Kirche mit am schwächsten und die Bevölkerung mit am kirchenfernsten ist.

Bevor ich im Einzelnen auf Deine Argumente eingehe, zuerst noch eine Anmerkung zu den Übersetzungen der Reden des Buddha aus dem Palikanon:

Die besten westlichen Übersetzungen dieser Reden gibt es im Englischen oder Amerikanischen. Dort haben sich bestimmte westliche Theravada-Mönche (vor allem Bhikkhu Bodhi und Thanissaro Bhikkhu), die ihr Leben als Mönche dieser Lehre gewidmet und außerdem zuvor eine gründliche wissenschaftliche Ausbildung im Westen erfahren haben (Bhikkhu Bodhi etwa ist promovierter Philosoph), Neuübersetzungen der alten Reden gemacht.

Auf diese Reden werde ich im Folgenden verweisen.

Die meistzitierte Redensammlung ist die Mittlere Sammlung. Hier etwa erscheint die Übersetzung von Bhikkhu Bodhi, mit hervorragendem Anmerkungsapparat mit genaueren Erklärungen oder den Sichtweisen der alten Kommentare, Suchindexen und einer guten Überblickseinleitung.

Eine Darstellung der Lehre des Buddha anhand ausgewählter Reden aus allen fünf Redensammlungen des Palikanons, die auch von Bhikkhu Bodhi stammt, steht unter diesem Link.

Nun eingehend zu Deinem letzten Kommentar. Ich gehe näher auf bestimmte Deiner Argumente ein, weil sie die Ansichten vieler widerspiegeln:

Es ist grundsätzlich problematisch, wenn einzelne Zitate aus den Reden des Palikanons entnommen und damit eine weitgehende, vermeintlich „allgemeine Eigenschaft“ der Lehre des Buddha zu begründen versucht wird.

Warum? Diese Reden sind in unterschiedlichen Kontexten gegeben worden, gerichtet an unterschiedliche Menschen. Der historische Buddha ist bis heute für seine „geschickten Mittel“ bekannt, das heißt seine Anpassungsfähigkeit an das konkrete Gegenüber, im intuitiven Wissen darüber, was ihm oder ihr konkret weiterhhalf.

Deshalb lässt sich aus den Reden des Buddha kein in sich geschlossenes „System“ formen, das immer und überall ausschließlich so zu verstehen sei – wie es etwa der Abhidhamma oder der von Dir oft zitierte, im Abhidhamma-Stil gehaltene Visuddhi Magga suggerieren.

Natürlich lassen sich viele Aussagen finden, mit denen das Übel des Ärgers usw. illustriert wird. Wie oben bereits erklärt, sind scharfe, gut begründete Kritik und Ärger zwei UNTERSCHIEDLICHE Dinge. So ist scharfe, gut begründete Kritik bzw. die kritische Auseinandersetzung mit anderen Lehrmeinungen ein HAUPTMERKMAL der Lehre des Buddha gemäß den Reden des Palikanons, OBWOHL sich dort zugleich viele Aussagen zum Übel des Ärgers usw. finden.

Du sagst, der Buddha habe „nichts von den vorhandenen Lehren der Brahmanen verworfen, sondern ist darüber hinaus gegangen“.

Er ist über die Lehren der zeitgenössischen Brahmanen und auch Wanderasketen (beide werden in den Reden generell in einem Atemzug genannt) hinaus gegangen, INDEM er sich mit ihnen kritisch auseinander gesetzt und sie zurückgewiesen hat.

Das gilt bereits für seinen Werdegang zum Buddha, als er sich bestimmten Lehrern angeschlossen hat und sie dann in der Erkenntnis, dass deren Lehre ungenügend sei, verlassen hat. Und es gilt für die Zeit nach seinem Erwachen, als er, gefestigt in seinen Erkenntnissen, die Lehren der zeitgenössischen Brahmanen und Wanderasketen REGELMÄßIG kritisch untersucht und verneint hat.

Zu diesen kritischen Auseinandersetzungen lassen sich ZAHLREICHE Reden aus dem Palikanon zitieren. Jede andere Meinung kommt von Menschen, die sich in Wirklichkeit nicht näher mit dem Palikanon befasst haben, das heißt ihre Wunschvorstellungen auf den letzteren projezieren.

Im Folgenden werden beispielhaft einige solche Reden zusammenfassend genannt, die LEDIGLICH aus der Langen Sammlung stammen (einer der fünf Redensammlungen, bestehend aus besonders langen Reden). Wer sie nachlesen will, dem seien die Sammlungen von englischen Übersetzungen auf der Website „Accesstoinsight“ empfohlen.

Die jeweiligen Reden sind dort mit Suchfunktion leicht zu finden und nachzulesen; und falls sie dort nicht enthalten sind (weil diese Website zwar umfassend ist, aber nicht alle Reden enthält), können sie in den englischen Neuübersetzungen in Buchform nachgeschlagen werden.

Bereits die besonders wichtige und lange Eröffnungsrede der Langen Sammlung DN (die englische Neuübersetzung von Maurice Walsh erscheint etwa hier) ist eine eingehende Auseinandersetzung mit 62 zeitgenössischen religiösen Lehrmeinungen der „Brahmanen und Asketen“ (der Überbegriff über ALLE zeitgenössischen religiösen Lehrer), die sämtlich als „verfehlte Sichtweisen“ in begründeter Form zurückgewiesen werden.

Laut DN 3 fordert ein Brahmane (ein Angehöriger der höchsten indischen Kaste), der auf seine Geburt bzw. hohe Kaste stolz ist, den Buddha heraus. Er wird von ihm widerlegt. Entrüstet darüber sucht dessen brahmanischer Lehrer den Buddha auf. Doch er wird unter dem überzeugenden Einfluss des Buddha zu dessen Lehre bekehrt.

Laut DN 4 kommt der Brahmane Sonadanda zum Buddha, gegen den Rat anderer Brahmanen, die sich polemisch gegen den Buddha äußern. Der Buddha überzeugt Sonadanda, dass die wahren Qualitäten eines hochstehenden Menschen lediglich folgende seien – Weisheit und Ethik -, entgegen der brahmanischen Weltsicht.

Laut DN 5 will ein Brahmane ein großes Tieropfer begehen, durch das Schlachten vieler hundert Tiere. Der Buddha überzeugt ihn, dass sich die wahren, gewinnbringenden Opfer sich immer bloß im Bereich der Geistes- und Herzensentwicklung abspielen. Der Brahmane wird überzeugt, entlässt die Tiere in die Freiheit und wird zum Anhänger des Buddha. (Dieses Sutta ist auch eine machtvolle Feststellung gegen Tieropfer wie sie etwa im Islam oder Judentum bis heute gängig sind.)

Laut DN 8 spricht ein Asket mit dem Buddha über extreme asketische Praktiken. Der Buddha überzeugt ihn, dass solange Ethik, Ruhe und Einsicht nicht entwickelt seien, man kein Brahmane oder Asket im eigentlichen, wahren Sinne sei. Ein hoher Mensch werde man also nicht durch Kaste, Geburt oder das Selbstbild, sondern bloß durch die Entwicklung von Ethik, Ruhe und Weisheit. Der Asket bekehrt sich zur Lehre des Buddha und realisiert die Befreiung.

Laut DN 9 spricht ein Asket mit dem Buddha über Fragen rund um die Erlöschung des Bewusstseins. Der Buddha erklärt die verschiedenen Zustände hoher Sammlung als Mittel der Wahrnehmungskontrolle, er weist die verschiedenen Formen der Lehre von einem (wahren) „Selbst“ zurück und erläutert, warum er bestimmte in wirklichkeit irrelevante metaphysische Fragen nicht beantwortet habe. Der Asket wird zum Schüler des Buddha.

Hierzu auch:

Die in vielen Zusammenhängen des Palikanons wiederkehrende Standardaussage zum „Nichtselbst“ Anattâ – „das bin ich nicht, das ist nicht mein, das ist nicht mein Selbst“ – verneint mit dem letzten Kürzel „nicht mein Selbst“ ALLE theoretischen Lehren von einem wahren „Selbst“, die zu Buddhas Zeit gelehrt worden sind. (Die ersteren beiden Kürzel verneinen den „Ich“-Dünkel als Identifikation mit den Dingen und deren Ergreifen als „mein“.)

Laut DN 11 wendet sich der Buddha gegen Wundertaten und betont, dass das einzig wahre Wunder die gute Unterweisung sei. Bestimmte Fragen könne nicht einmal der höchste Gott „Brahma“ ( ein extrem langlebiges, aber sterbliches Wesen) beantworten. Nur der Buddha könne es.

Laut DN 13 wundern sich zwei Brahmanen, wie sie eins mit Brahma, ihrem höchsten Gott, werden könnten. Der Buddha unterweist sie darin, dass dies lediglich durch die Praxis von Liebe, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut möglich sei: Es ist aber nicht das höchste Ziel der buddhistischen Lehre, was bloß die innere Befreiung ist.

Laut DN 19 wird gelehrt, dass das Gelangen zur paradiesischen Brahmawelt nicht das höchste Ziel sei.

Laut DN 23 glaubt ein Prinz nicht an die Glücks- oder Unglücksfolgen heilsamer oder unheilsamer Taten. Er wird vom Buddha bekehrt.

Laut DN 25 brüstet sich ein Wanderasket, dass er den Buddha widerlegen könne. Er wird vom Buddha besiegt. Der Buddha zeigt ihm den Weg zur Befreiung.

Laut DN 27 werden die Ansprüche der Brahmanen widerlegt. Es gebe keinen Unterschied zwischen Brahmamen und anderen, wenn sie sich unheilsam verhalten.

In DN 29 geht es um treffliche und verfehlte Lehrer, und warum der Buddha bestimmte Fragen nicht behandelt hat.

Das sind jetzt also lediglich Beispiele aus einer der fünf Redensammlungen. Zahlreiche weitere Beispiele aus den anderen vier Redensammlungen ließen sich zu diesem ganzen Punkt anführen, in der Mittleren Sammlung MN unter anderem die Suttas 91 bis 100.

Ein drastisches Beispiel etwa aus der MN:

Laut MN 35 wird ein bekannter jainistischer Debattenmeister, der sich brüstet, er könne den Buddha in der Debatte sprichwörtlich auseinander nehmen, indem er ihn „zum Schwitzen“ brächte, in einer ausführtlichen Debatte vom Buddha schrittweise widerlegt. Am Ende „zittert“ und schwitzt vielmehr der Jainist, weil er inhaltlich schachmatt gesetzt worden ist und nicht mehr weiter weiß – ein Umstand, auf den ihn der Buddha sogar noch klar hinweist.

Das entsprechende Zitat: „Nun stehen da Schweißtropfen auf Deiner Sirn. Sie sind durch den oberen Teil Deiner Robe gedrungen und zu Boden gefallen. Aber es steht kein Schweiß auf meinem Körper.“

Dieses Vorgehen des Buddha laut dieser Rede war jedoch nicht durch Hass motiviert, sondern notwendig, um den Jainisten „von seinem hohen Ross“ herunterzuholen.

Um die „verfehlten Ansichten“ (micchâ ditthi) der unterschiedlichen zeitgenössischen Lehrer des Buddha geht es ebenfalls näher in DN 2, 15, 24 und 28, oder in MN 11, 12, 25, 60, 63, 72, 76, 101, 102 und 110; oder in der Angereihten Sammlung AN II/60, III/16 und X/93; oder in der Systematischen Sammlung SN XXI und XXIV (vgl. auch Nyanaponikas Buddhistisches Wörterbuch unter „ditthi“). Häufig kritisch erwähnt werden auch die zehn inneren Widersprüche, die eine Reihe zeitgenössischer metaphysischer Ansichten umfassen.

Viele kritische Auseinandersetzungen erscheinen auch in einigen besonders populären Kompendien der Lehre, die zur Kürzeren Sammlung gehören (der Sammlung kürzerer und zusammenfassender Einzelwerke) .

So erscheinen im Sutta-Nipata SN (in deutscher Übersetzung von Nyanaponika) diverse starke Zurechtweisungen, Widerlegungen und Bekehrungen von Brahmanen.

Laut SN 3, 9 Vasettha etwa widerlegt der Buddha gegenüber zwei Brahmanen im Einzelnen die Gültigkeit des gesamten indischen Kastensystems. Er unterweist sie dann, dass was einen Menschen zu einem hochstehenden Menschen mache, alleine die Tat bzw. der Grad der Entwicklung der universellen spirituellen Qualitäten sei.

Im besonders populären Dhammapada trägt das „letzte Wort“ bzw. Abschlusskapitel den Titel Der Brahmane. In diesem Kapitel wird der Begriff „Brahmane“ als Kürzel für einen hochstehenden Menschen genommen. Dann definiert der Buddha dieses Kürzel mit verschiedenen Eigenschaften eines hochstehenden Menschen, wie sie aber der buddhistischen Lehre entsprechen – das heißt Eigenschaften, die von jedem Menschen unabhängig von seiner Geburt realisierbar sind. Der Buddha widerlegt durch diese Umdeutung des Begriffs „Brahmane“ die hinduistisch-brahmanische Definition desselben Begriffs als dem Namen für die höchste Kaste per Geburt.

Der Buddha hat sich gemäß dem Zeugnis des Palikanons also sehr wohl im Einzelnen kritisch mit den Lehren aller zeitgenössischen Lehrer (der „Brahmanen und Wanderasketen“) auseinander gesetzt und sie zurückgewiesen. Und er ist auch genau in diesem Sinne über sie „hinaus gegangen“.

Dieser Geist der inhaltlichen kritischen Auseinandersetzung mit anderen religiösen Lehrmeinungen ist also tief im Sinne der Lehre des Buddha. Mein Blog ist eben diesem Geist verpflichtet. Dies sei allen gesagt, die meinen, was ich hier oder anderswo mache, nicht im Sinne dieser Lehre sei.

Es sei in diesem Zusammenhang auch angemerkt, dass damals im alten Indien die Unterschiede zwischen Brahmanismus und der Lehre des Buddha nicht so groß gewesen sind wie heute zwischen den monotheistischen Religionen (mit deren unübertrefflich ausgeprägten Lehre von einem höchsten „Selbst“ in Gestalt eines höchsten, absoluten Schöpfergottes oder der Lehre von einer „ewigen Seele“) und der Lehre des Buddha gemäß dem Palikanon.

Nicht ich müsste mich also hier näher erklären, sondern all diejenigen, die mit der von mir geübten Kritk ein „buddhistisches“ Grundproblem haben. Wie kommen sie angesichts der Fülle der anders lautenden Belege zu ihren Meinungen von einem kritikfreien Quasi-„Honigkuchen“-Buddhismus?

Einige begründete Erklärungsversuche habe ich oben schon angeboten. Es hat daneben wohl auch damit zu tun, dass viele zeitgenössische Buddhisten die jeweiligen Lehren und Deutungen ihrer heutigen Traditionen einfach übernehmen, ohne sich selbst ein Bild von den alten Quellen zu machen.

Herzlich

Hans

Nun noch ein großes PS zu dem folgenden Punkt, der auch viele betreffen dürfte:

Du zitierst sehr gerne und viel von der Website http://www.palikanon.com. Weil diese Website von relativ vielen besucht wird, hier ein paar generelle Hinweise:

Dort erscheinen vor allem die uralten und vollkommen veralteteten deutschen Übersetzungen von Karl Eugen Neumann, die Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden sind. Allerdings weist der Macher der Website (etwa in der Einmleitung zur Mittleren Sammlung) auch auf die Problematik dieser Übersetzungen hin und sagt, dass er die Alternativen anderer deutscher Übersetzungen bringe. Ich habe dies nicht näher überprüft.

Neumann ist der Prototyp und Urvater des Zusammenmischens von Buddhismus und Christentum; und zwar macht er diese Vermischung nicht etwa mit irgendwelchen separaten Kommentaren oder Meinungen, was legitim wäre, weil dann sein Hintergrund transparent werden würde.

Neumann macht jene Zusammenmischung vielmehr bereits in der Form, wie er die alten Reden des Palikanons ins Deutsche übersetzt hat. Er gibt zentrale Begriffe dieser Reden entgegen ihrer originalen Bedeutung im Pali bewusst mit christlichen oder christlich gefärbten Begriffen wieder, womit seine Arbeit keine Übersetzung in dem Sinne ist.

Das war schon damals klar: Er ist dafür stark von führenden Philologen seiner Zeit kritisiert worden. Die Aufgabe eines Übersetzer ist, sich so streng wie möglich an das Original zu halten und seine subjektive Sicht so weit wie möglich herauszuhalten.

Neumann hat ganz bewusst christlich übersetzt. Das macht ihn bis heute für viele der oben genannten Fälle attraktiv, die die Lehre des Buddha laut den Reden des Palikanons stark durch die Brille ihrer christlichen Prägungen sehen oder sehen wollen.

Ein paar Beispiele für die bewussten Verdrehungen oder genauer Wortvergewaltigungen Neumanns:

Pali Sunnata bedeutet eindeutig „Leerheit“, bei Neumann dagegen christlich „Armut“.
Jhana beduetet klar „(Konzentrative) Vertiefung“, bei Neumann dagegen christlich „Schauung“.
Nama-Rupa bedeutet eindeutig „Name und Form“, ein Überbegriff für alles Geistige und Körperliche, bei Neumann dagegen „Bild und Begriff“.
Atta-Vada bedeutet eindeutig die laut den Aussagen der Reden verfehlte „Lehre von einem (wahren) Selbst“ der damaligen Theorien und Philosophien, bei Neumann „Selbstbehauptung“ (der Begriff hat im Deutschen nicht die Bedeutung „theoretische Lehre von einem ,Selbst´“).
Sati bedeutet klar „Achtsamkeit“ (ein besonders zentraler buddhistischer Lehrbegriff) , bei Neumann dagegen „Einsicht“ und „Vernunft“ (die zwar in gewisser Hinsicht ein Ergebnis von Achtsamkeit sind, aber für die Ergebnisse gibt es im Buddhismus wieder ganz eigene und andere Begriffe).

… und so weiter und so fort.

Wer unbedingt die Reden im Deutschen lesen will, der greife noch am ehesten auf die Teilübersetzungen Nyanaponikas und Nyanatilokas zurück (gut brauchbar, wenngleich auch älter); oder auf Kay Zumwinkels Übersetzung der Mittleren Sammlung.

Aber vergesst Karl Eugen Neumann (auch andere alte Übersetzungen wie diejenigen von Kurt Schmidt), gleich was Euch bestimmte führende deutsche Theravada-Buddhisten sagen, die zum Teil Verfechter der Reden Neumanns sind. Warum sie das sind, habe ich oben reflektiert.

Es ist jedem deutschen Interessierten zu empfehlen, wenn er oder sie noch nicht gut Englisch kann, dass er oder sie das Englische anhand der oben genannten, nicht sehr schwierigen Reden-Übersetzungen praktiziert. Die Mittlere Sammlung enthält keineswegs die schwierigsten Reden.

Das ist viel gewinnbringender, wenn es ihm oder ihr um das Verstehen der Reden des Buddha geht, als Karl Eugen Neumanns christo-buddhistischem „Vergewaltigungsprojekt“ Beachtung zu schenken. Außerdem lohnt sich heute jede Mühe, die in ein gutes Englisch investiert wird (und Buchlektüre ist ein hervorragendes Übungsmittel), auch noch in vielen anderen Hinsichten.

8 Udo Oktober 19, 2010 um 7:58 Uhr

Hallo,

Ich habe da noch einen Nachtrag, um den Kreis zu schliessen.

Zitat oberer Komentar: „Buddha Sakyamuni hat zum Beispiel zu seiner Zeit nichts von den vorhandenen Lehren der Brahmanen verworfen, sondern ist darüber hinaus gegangen. Siehe zB.: M. 49. Brahmas Heimsuchung – Brahmanimantanika Sutta: http://www.palikanon.com/majjhima/m049n.htm.“

Auch Mose hat das vorhandene Seelen-Wissen der Ägypter nicht verworfen, sondern ist darüber hinaus gegangen.

Das Seelen-Wissen der Ägypter: Der „Ba Ka“- und der Ach-Aspekt.

Und da schliesst sich auch der Kreis zu der Sutte: http://www.palikanon.com/majjhima/m049n.htm

Und die Grundlagen, wie eines auf das andere gestützt ist, beschreibt die Sutte in meinem Kommentar zum Vipassana :
http://www.palikanon.com/angutt/a05_021-030.html#a_v24

Das ist halt alles Dhamma (eigentlich das ‘Tragende‘, ‘Vertrag‘ von ödhar tragen, Brauch; Gesetz, Naturgesetz als Lehre des Buddha, jus. Recht, Pflicht, Wahrheit, Gerechtigkeit, Rechtschaffenheit; Eigenschaft, Ding, Denkobjekt, Daseinserscheinung).

Wenn man sich entschliesst, in einem Haus in den ersten Stock zu ziehen, kann man auch nicht das Parterre oberflächlich als nutzlos betrachten und einfach abreissen.

Ich würde weltliche Erscheinungen nicht so ernst nehmen.

Und der erste Schritt in eine bessere Welt ist nicht der Kampf gegen andere (Papst usw), sondern der Kampf gegen sich selbst.

„Gleichwie ein rechter Hahn
Nimmer das eigne Haus verläßt
Und weiß, was eßbar und was nicht ist,
Und was zum Leben er bedarf:
Genau so darf des Buddha Jünger,
Der unermüdlich sich bemüht,
Des Siegers Weisung nie verlassen:
Die hohe, edle Achtsamkeit.‘ “

Freundliche Grüsse

Upasaka Udo

9 Udo Oktober 18, 2010 um 15:19 Uhr

Hallo,

Eigendlich wollte ich die Diskussion als beendet ansehen, muss nun aber doch nochmal etwas schreiben.

Zu meiner Staatsangehörigkeit : Ich bin Mainzer und der Name stammt von meinem Urgroßvater aus Schlesien, der ungefähr 1900 eingewandert ist.
Als Weisenauer (Ortsteil v. Mainz) spricht man Rhoihessisch.Vielleicht deshalb die Sprachprobleme.

Aber zurück zum Thema:

Solange „Anattā (Nicht-Selbst oder Nicht-Ich oder Unpersönlichkeit, Selbstlosigkeit)“, „Nibbāna“ bzw. das „Nirwahn“ (wörtl. das „Erlöschen“)“ , „Buddha“, wörtlich „Erwachter“ mehr oder weniger abstrakte Begriffe bleiben, ist die Lehre in ihrer ganzen Tiefe (quer durch die ganzen Existenzebenen, http://sites.google.com/site/zentexte/zen/samadhi/jhana/existence) eh nicht wahrnehmbar.

Buddha Sakyamuni hat zum Beispiel zu seiner Zeit nichts von den vorhandenen Lehren der Brahmanen verworfen, sondern ist darüber hinaus gegangen.
siehe zB.: M. 49. Brahmas Heimsuchung – Brahmanimantanika Sutta: http://www.palikanon.com/majjhima/m049n.htm.

Gleiche Situation im Bezug auf Jesus. Auch Jesus hat nichts vom damaligen jüdischen Glauben verworfen, sondern ist darüber hinaus gegangen.

Zum Schluss noch ein Buddha-Zitat, aus dem Sutta MN 51: http://www.palikanon.com/majjhima/m051n.htm.

„Die Wahrheit spricht er, der Wahrheit ist er ergeben, standhaft, vertrauenswürdig, kein Heuchler und Schmeichler der Welt. Das Ausrichten hat er verworfen, vom Ausrichten hält er sich fern: was er hier gehört hat erzählt er dort nicht wieder, um jene zu entzweien, und was er dort gehört hat erzählt er hier nicht wieder, um diese zu entzweien; so einigt er Entzweite, festigt Verbundene, Eintracht macht ihn froh, Eintracht freut ihn, Eintracht beglückt ihn, Eintracht fördernde Worte spricht er. Barsche Worte hat er verworfen, von barschen Worten hält er sich fern: Worte, die frei von Schimpf sind, dem Ohre wohltuend, liebreich, zum Herzen dringend, höflich, viele erfreuend, viele erhebend, solche Worte spricht er.“

So ist mein Weg zu Buddha , andere mögen anders gehen , ein jeder nach seiner Fassung!

Freundliche Grüsse

Udo

10 Hans Oktober 18, 2010 um 12:35 Uhr

Hallo Sara,

Dagegen verwahre ich mich ausdrücklich:

Die Aussage „aus Deinem nicht ganz fließendem Deutsch“ stellt neutral eine Tatsache fest.

Ich habe einige Aussagen von Uposaka Udo stilistisch und orthografisch etwas korrigiert, was die Lesbarkeit verbessert (ohne Eingriff in die Inhalte). Sie waren zuerst anders. Das ist ausschließlich in seinem Sinne, weil seine Aussagen so für die Leser besser verständlich werden.

Was soll daran ausländerfeindlich sein?

Ich habe zudem als eine Begründung zu meinem abschließenden Rat genannt, dass er mir sympathisch sei. Das meine ich so.

Uposaka Udo hat sich gut eingearbeitet in die buddhistische Materie (siehe seine anderen Kommentare beim Beitrag zu Goenka). Seine Kommentare gehören zu den am besten und genauesten begründeten auf diesem Blog.

Ich bin genau und sukzessive auf seine Argumente eingegangen (was ich auch noch bei dem anderen Beitrag tun werde). Diese Arbeit würde ich mir nicht machen, wenn ich keine Achtung hätte.

Der abschließende Rat an ihn hatte den folgenden Ausgangspunkt – die christlichen Prägungen und Glaubensvorstellungen, die deutlich in Uposaka Udos Sicht auf den Buddhismus eingeflossen sind. Seine entsprechenden Aussagen habe ich zitiert. Danach habe ich in Bezug auf diese von ihm behaupteteten Parallelen aufgezeigt, dass sie näher betrachtet nicht zutreffen.

Das habe ich, wie alle anderen oben genannten Kritikpunkte, dann auch im Einzelnen begründet.

Der Abschluss war schließlich der Rat an ihn, sich von bestimmten Glaubensvorstellungen zu lösen, damit seine Sicht der buddhistische Lehre entspricht, wie sie sich ausgehend von den Quellen nachweisbar darstellt.

Wenn jemand damit ein Problem hat, muss er die vorgebrachten Argumente INHALTLICH bzw. SACHLICH widerlegen.

Aber er sollte nicht Unterstellungen formulieren, wie Du es hier tust.

Es ist immer leicht, jemanden in eine ungünstige Ecke zu rücken bzw. zu verunglimpfen zu versuchen, um sich nicht mehr mit seinen Argumenten befassen zu müssen.

Der westlich-aufgeklärte Imperativ der inhaltlichen, sachlichen Widerlegung gilt für jeden. Es gilt natürlich genauso für den Papst (oder wen auch immer), dessen Aussagen ich oben im Einzelnen und mehrfach analysiert habe.

Der Papst sollte sich tatsächlich einmal Kritikern, wenigstens innerhalb seiner Religion, wie etwa dem bekannten katholischen Theologen Eugen Drewermann in einer moderierten Debattenform stellen. Das wäre „größer“ als sich hinter einem mittelalterlichen Anspruch auf „Stellvertreter Gottes“ zu verstecken oder mittelalterliche Aufforderungen oder wie in diesem Fall sogar einen institutionellen „Rat“ zur „Neuevangelisierung“ des Abendlandes zu verabschieden bzw. zu gründen.

Folgendes ist schon logisch gesehen ein Riesenproblem: Ein „Stellvertreter Gottes“, der als solcher zu Lebzeiten von Menschen ernannt worden ist, anstatt es von Geburt an zu sein? Als „Stellvertreter“ müsste er dies von Geburt an sein. Ansonsten wäre nachzuweisen, dass der so genannte Gott einen so genannten menschlichen Stellvertreter erst zu dessen Lebzeiten bestimmt. Es sind aber die Kardinäle, die einen neuen Papst bestimmen.

Davon hier einmal abgesehen, dass auch jene Vorstellung eines unverursachten, das heißt absoluten „höchsten Gottes“ frühbuddhistisch betrachtet eine Unmöglichkeit ist, wie oben aufgezeigt.

Davon hier hier einmal abgesehen ist selbst innerhalb der monotheistischen Gottessvorstellung die Idee eines Vatergottes als Schöpfergott widersinnig. Denn die Frau ist während des Schöpfungsaktes die einzig gestaltgebende Kraft, indem das Kind im Mutterleib heranwächst, auch wenn Mann und Frau gleichermaßen durch Samen- und Eizelle das neue Leben „hervorbringen“ (der Mann nicht mehr als die Frau).

Alles in allem betrachtet ist also die Frau stärker am Schöpfungsakt des neuen Lebens beteiligt. Aus diesem Grunde müsste bei einem höchsten Schöpfergott immer von einem Muttergott die Rede sein.

Besonders widersinnig ist die Idee des Vatergottes im Falle des Judentums. Denn als Jude gilt man erst, wenn man von einer jüdischen Mutter geboren worden ist. Wenn man bloß einen jüdischen Vater hat, wäre es kein ausreichendes Kriterium. Bei der jüdischen Identitätsbestimmung wird also jenes Faktum der stärkeren Beteiligung der Frau am Schöpfungsakt berücksichtigt. Trotzdem geht es aber im jüdischen Monotheismus besonders ausgeprägt um einen Vatergott.

Der theologische Anspruch auf „Stellvertreterschaft Gottes“ in Bezug auf den Papst dient also lediglich dazu, „gläubige“ Menschen zu beeindrucken, um sie leichter beeinflussen zu können. Folglich ist er „mittelalterlich“, das heißt einer aufgeklärten, modernen Gesellschaft nicht angemessen.

Der Papst IST SCHLICHT Joseph Ratzinger, der ehemalige erzkonservative Vorsitzende der „Vatikanischen Glaubenskongregation“. Eben deshalb ist er auch zum Papst ernannt worden, weil sich die Ernenner von einem theologisch hochgebildeten, aber erzkonservativen Papst angesichts des im Westen immer klarer abnehmenden Einflusses eine Abwendung dieses Trends erhofft haben; ein „Intellektuller“ wie er haben zu diesem Zweck in Europa die besseren Aussichten. Just deshalb gründet er jetzt auch einen „Rat zur Neuevangelisierung“, um bloß ein und das jüngste Beispiel zu nennen.

Es kommt nicht darauf an, WER etwas sagt. Es kommt immer bloß darauf an, WAS jemand sagt.

Auf diesem Blog DARF, wie ich an verschiedenen Stellen betont habe, ausdrücklich Kritik und Debatte stattfinden, und zwar auch scharfe – im Unterschied zu einigen anderen „buddhistischen“ Foren. In diesem Sinne leistet der Blog einen wichtigen und unverzichtbaren Beitrag.

Aber alle Argumente müsssen hier möglichst genau begründet werden, damit das beabsichtigte Niveau der Diskussionen gewahrt bleibt.

Diese genauen Begründungen habe ich geliefert.

Herzlich, Hans

11 Sara Oktober 18, 2010 um 7:09 Uhr

„Aus Deinen nicht ganz fließenden Deutsch …“

Und der abschliessende Rat sind ja der Abschuss und ein unsäglicher Ausdruck der
Intoleranz. Man bedenke die aktuelle Debatte zur fehlenden Fähigkeit zur
Integration in einen jüdisch-christlich geprägten Kulturraum! Solche
Buddhisten sind ihren christlichen Mitmenschen ein Graus und Bedrohung, kein
Segen oder Bereicherung.

Sara

12 Hans Oktober 16, 2010 um 17:14 Uhr

Hallo Uposaka Udo,

Da ich diese Kommunikation mit Dir zeitbedingt nicht zu sehr ausweiten will, hier vorerst bloß noch eine Antwort.

Denn alles sollte immer im Rahmen bleiben.

Ich zensiere die Kommentare auf diesem Blog nicht und lese sie vor deren Publikation nicht gegen. Bloß wenn es stilistische oder orthografische Fehler gibt, gestatte ich mir gelegentlich, einen Kommentar nach dessen Publikation zum Zweck der bestmöglichen Lesbarkeit kurz zu korrigieren.

In die Inhalte greife ich grundsätzlich nicht ein. Es war eine Ausnahme, dass ich hinter „Idappaccayata“ die wörtliche Bedeutung in Klammern angefügt habe, ebenso hinter „Metta Bhavana“. Denn wer auch immer hier auf dem Blog Fachbegriffe bringt, sollte sie zugleich übersetzen, damit die Texte für alle Außenstehenden verständlich bleiben. Ich halte nichts von Fachsimpelei.

Die wörtliche Bedeutungen von „Idappaccayata“ ist die von mir in den Klammern angefügte. Deine obige Deutung ist Deine obige Deutung.

Außerdem beziehst Du Dich auch dort wieder auf den Visuddhi Magga, ein spätes scholastisches Werk, das etwa 1000 Jahre nach Buddha verfasst worden ist und nicht zum Palikanon gehört. Aber dazu bald näher im Bogeintrag zu Goenkas Vipassana (in meiner Antwort auf Deine dortigen letzten Ausführungen).

Dies jetzt noch zu Deinen letzten beiden Antworten hier:

In beiden Antworten erweist Du Dich in der einen oder anderen Form als Verteidiger christlicher Glaubensvorstellungen.

Das tust Du einmal so, dass Du christliche Glaubensvorstellungen mit buddhistischen Lehren „zusammenmischt“; zum Beispiel: „Im christlichen Glauben ist Christus der Herr des Ichs (alle Ich-Vereinnahmungen sind Wille, und Wille ist Karma). Ins buddhistische Denken übertragen wäre das das Gesetz von Idappaccayata“; oder so: „Idappaccayata … Hierdrin sehe ich eine buddhistische Idee zu dem christlichen Gotteswirken, die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus …“

Das tust Du auch so, dass Du christlichen Glaubensvorstellungen huldigst; zum Beispiel: „Ich halte aber nichts davon, mit Buddhismus-Light-Versionen die auf verschiedenen Meditationstechniken ohne Gesamtzusammenhang beruhen, einen vermeintlichen Ersatz zum Glauben an Jesus Christus anzubieten …“.

Was ich von den inhaltlichen Aussagen und den Entstehungshintergründen hinter solchen christo-buddhistischen „Mischprodukten“ halte, habe ich bereits in meiner vorangehenden längeren Antwort genau begründet, weshalb ich es hier nicht wiederhole.

Genau betrachtet sind solche Parallelen weitgehend substanzlose Konstrukte. Man kann immer diese oder jene Lehre aus ihrem Ursprungskontext herauslösen und mit dieser oder jener Lehre eines anderen Systems „zusammendenken“. Das sind aber höchst baufällige Gebäude, die genau dann in sich einstürzen, wenn man die Ursprungskontexte objektiv und nüchtern berücksichtigt.

Du wirst in den alten buddhistischen Quellen keine vergleichbaren Mischprodukte finden. Der historische Buddha gemäß dem Zeugnis der Reden des Palikanons war ein glasklarer Unterscheider. Es lässt sich ohne Weiteres scharf und kritisch, aber trotzdem frei von Hass und Ärger sein. Das ist im frühen Buddhismus keineswegs ein Widerspruch. Wenn Du Schärfe und Kritk als Maßstab für Haß nehmen würdest, müsstest Du den Buddha vieler alter Reden als sehr haßerfüllt betrachten. Auch ist Betroffenheit und daraus geborene Schärfe etwas anderes als Hass oder Ärger.

Das von Dir zitierte buddhistische Kürzel zum Bedingtseins AUSNAHMSLOS ALLER Dinge „Idappaccayatâ“ wird meist so zusammengefasst: „Dies ist, weil jenes ist. Dies entsteht, weil jenes entsteht. Dies ist nicht, weil jenes nicht ist. Dies entsteht nicht, weil jenes nicht entsteht“.

Dieses Allbedingtsein schließt auch JEDE VORSTELLUNG von einem ursachelosen, das heißt „absoluten“ höchsten Gott aus, wie er im Zentrum von Judentum, Christentum und Islam steht; und damit zwangsläufig auch die Vorstellung vom „Sohn“ eines solchen Gottes (oder von „Propheten“ eines solchen Gottes, den gewöhnlichen wie dem vermeintlich letzten bzw. höchsten „Mohammed“).

Damit sind Deine anfangs zitierten Parallelen (etwa die angebliche Identität von „Menschwerdung Gottes in Jesus Christus“ und Idappaccayata) schon widerlegt.

Ich habe die Meditationstraditionen des Vipassana immer bloß so kennen gelernt, dass die jeweiligen Meditationstechniken als eingebettet in die buddhistische Lehre vermittelt werden (auch S. N. Goenka deutet ausschließlich die Lehren des frühbuddhistischen Palikanons auf seine ganz spezifische Weise, aber dazu im anderen Eintrag auf diesem Blog).

Deshalb gibt es die von Dir erwähnten ”Buddhismus-Light-Versionen” im Rahmen der Meditationstechniken nicht.

Aber gestatte mir ein paar persönliche Worte, weil Du mir sympathisch bist:

Ich habe viele westliche Buddhisten im Laufe der Zeit kennen gelernt. Man könnte ohne Weiteres große Dissertationen oder Habilitationen zu den christlichen Einflüssen auf die Rezeption des Buddhismus im Westen schreiben. Die meisten westlichen „Buddhisten“ haben einen relativ starken christlichen Hintergrund, der in ihre Blickwinkel auf die Lehre des Buddha einfließt.

Viele der heutigen „Buddhisten“ sind schlichtweg enttäuschte, ehemals überzeugte Christen, die ein großes Paket christlicher Glaubensüberzeugungen in ihrem Unbewussten „sitzen haben“, das loszulassen oder kritisch zu hinterfragen sie beträchtliche Ängste haben (nicht zuletzt wegen verinnerlichter biblischer Drohungen, dass ihnen vatergöttliche Strafen drohen, wenn sie vom angeblich einzig wahren Glauben abkämen).

Ich selbst sehe das vielleicht genauer als viele andere, weil ich keinen typischen Hintergrund für einen westlichen „Buddhisten“ habe. Ich bin stark von einem atheistischen, sehr rationalen und politisch gesinnten Vater und einer kirchenfernen, aber zugleich höchst naturspirituellen protestantischen Mutter geprägt. Außerdem bin ich in einer protestantischen kleinen Dorfenklave hugenottischen Ursprungs im zutiefst katholischen ländlichen Oberbayern groß geworden; und weiß deshalb sehr gut um die manipulative Macht speziell des Katholizismus über die Menschen, wohl besser als die meisten im protestantischen, liberalen und weltoffenen Norden und Hamburg aufgewachsenen Protestanten (wo ich sehr gerne wohne).

Aus Deinen nicht ganz fließenden Deutsch und Deinem Nachnamen „Zajonc“ schließe ich, dass Du eventuell aus einem osteuropäischen Land mit starker christlicher Tradition kommst.

Wenn ich Dir einen abschließenden Rat geben darf:

Mach Dich frei von der unbewussten Fuchtel Deiner verbleibenden christlichen Glaubensvorstellungen, die bloß die aufgezeigte manipulative Macht des aufgezeigten Glaubenssystems klar machen.

Du kannst Jesus und Vatergott getrost loslassen. In Buddha, seiner Lehre und Nirvana hast Du eine deutlich bessere und überzeugendere Alternative …!

13 Upasaka Udo Oktober 16, 2010 um 14:51 Uhr

Hallo,

den Begriff “ Idappaccayata” hatte ich nicht ! hiermit erklärt :

(dies ist, weil jenes ist, dies ist nicht, weil jenes nicht ist)

Das wurde von jemand anderem dazu geschrieben.

Um sich wirklich eine Vorstellung von “ Idappaccayata” zu machen sollte hier mal nachgesehen werden.

http://www.palikanon.com/visuddhi/vis17.html

Hierdrin sehe ich eine buddhistische Idee zu dem christlichen Gotteswirken, die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus.

Und im buddhistischen Sinn die Person Buddha Shakyamuni wird damit aber nicht vollständig geklärt, sondern kratzt die Dimension allenfalls an.

Eine andere Darstellung von „Idappaccayata“ gibt es hier im Patthana-Paccayaniddesa:
http://www.abhidhamma.de/txt_Patthana_Paccayaniddesa_de.pdf

Und hier noch eine sehr kurze Erklärung :

Buddhayana (Fahrzeug des Buddha) beruht auf den sich ergänzenden Prinzipien von „Miteinander-in-Beziehung-Stehen“ (idappaccayata) und „Leerheit“ (sunnata). Das Miteinander-in-Beziehung-Stehen ist die Tatsache, daß alle dhammas, das heißt alle „Phänomene“, durch andere Phänomene bedingt sind und damit durch ein unendliches Geflecht aus Miteinandersein und Durcheinander-Bedingtsein verbunden sind und zusammenhängen.

Wenn es dieses ausgedehnte Netz der gegenseitigen Abhängigkeit gibt, dann kann es kein einziges Wesen oder Selbst geben, das unabhängig und durch sich selbst existiert. Die Wirklichkeit von Leerheit ist die – in einem voneinander abhängigen, gegenseitig sich bedingenden Universum wie diesem gibt es kein unabhängiges Wesen oder Selbst. Auf dieser Erkenntnis beruht Buddhayana. Aus einem solchen Blickwinkel heraus muß dualistisches Denken fallen gelassen werden – nämlich das Allzu-sehr-Unterscheiden zwischen „meinem „Leiden“ und „deinem „Leiden“, oder zwischen Hilfe für mich und Hilfe für andere.

Dieses Doppelprinzip von „Miteinander-in-Beziehung-Stehen“ (idappaccayata) und „Leerheit“ (sunnata) wird sich ebenso wie der Rahmen der „Vier Edlen Wahrheiten“ durch diese Abhandlung ziehen; sonst wäre sie nicht wirklich buddhistisch.

Quelle : http://www.buddhanetz.org/texte/santika.htm

Freundliche Grüsse

Upasaka Udo

14 Upasaka Udo Oktober 15, 2010 um 20:52 Uhr

Hallo,

Im christlichen Glauben ist Christus der Herr des Ichs (alle Ich-Vereinnahmungen sind Wille, und Wille ist Karma).

Ins buddhistische Denken übertragen wäre das das Gesetz von „Idappaccayata“ (dies ist, weil jenes ist, dies ist nicht, weil jenes nicht ist); und die negativen Karmaformationen lassen sich sehr gut mittels Glaube, Rituale, Guten Taten beeinflussen.

Ich halte aber nichts davon, mit „Buddhismus-Light-Versionen“ die auf verschiedenen Meditationstechniken, ohne Gesamtzusammenhang, beruhen, einen vermeintlichen Ersatz zum Glauben an Jesus Christus anzubieten und zu verbreiten. Das nenne ich Guru-Sein-Wollen.

Weil eine tatsächliche Befreiung und das Erreichen von Nibbana selten gelingt.

Das ist eine mystische Erfahrung, und kann nicht allgemein in unserer christlich geprägten Kultur als Volksreligion dienen, um Trost und Zuversicht zu geben.

Deshalb ist die Mehrheit der Menschen letztendlich auf „Glaube, Rituale, Gute Taten“ angewiesen.

Und das ist hier überwiegend der Glaube an Jesus Christus!

In buddhistisch geprägten Kulturen wird Buddha angebetet, was ja auch wiederum vorwiegend auf Glaube, Ritualen, Guten Taten beruht, natürlich mit den gleichen positiven Ergebnissen wie im Christentum oder anderen Religionen mit deren Heiligen.

Letztendlich ist Meditation etwas Gutes, vor allem „Metta Bhavana“ (Entfaltung der Liebenden Güte), aber man sollte doch die Kirche im Dorf lassen, und Meditationstechnik als Meditationstechnik betrachten!

Und wer tatsächlich den Weg zu Buddha findet, der findet ihn auch in einer vom Christentum geprägten Umgebung und das ganz ohne Abneigung (* dosa ) und den anderen unheilsamen Geisteszuständen, von denen der Buddha ja lehrt, sie mit ganzer Kraft zu überwinden.

* Dosa: Jedes ‘Abgestoßenwerden‘ – von leichtester Verstimmung bis zu äußerstem Zorne und Übelwollen.

„Durch Gier, Haß und Verblendung überwältigt, besessenen Geistes, erfährt man geistige Leiden und Trübsal; und führt man einen schlechten Wandel in Werken, Worten und Gedanken; und erkennt man in Wirklichkeit weder sein eigenes Heil noch das Heil der Anderen, noch das beiderseitige Heil. Sie machen augenlos und unwissend, hemmen die Einsicht, sind qualvoll und führen nicht zum Frieden.“

Quelle : http://www.palikanon.com/wtb/mula.html

Freundliche Grüsse

Upasaka Udo

15 Hans Oktober 15, 2010 um 18:44 Uhr

Hallo Uposaka Udo,

Zu Deinem Punkt mit der Konzentration auf die Gemeinsamkeiten oder das Trennende später.

Zuerst zu Deinem Punkt mit den angeblich „ähnlichen“ Alleingeltungsansprüchen:

In der Tat ist jede religiöse Lehre davon überzeugt, ein überlegener Weg zu sein. Ansonsten würde sie sich selbst ja gar nicht erst „verkünden“, das heißt ihren spezifischen Weg mit verschiedenen Argumenten den Menschen nahe bringen wollen. In dieser Hinsicht hast Du Recht.

Allerdings liegt hier auch überhaupt nicht das Problem.

Denn die verschiedenen Alleingeltungsansprüche sind von ganz unterschiedlicher Art. Die einen von ihnen haben sich in der Geschichte mit steter Regelmäßigkeit als gewaltfördernd erwiesen, wie die Alleingeltungsansprüche der beiden monotheistischen Religionen Christentum und Islam (das Judentum ist keine missionarische Religion, obwohl auch hier ein Überlegenheitsanspruch mit der Idee vom „auserwählten Volk“ herrscht). Andere religiöse Überlegenheitsansprüche dagegen haben sich kaum als gewaltfördernd oder sogar als gewaltvermeidend herausgestellt, wie derjenige des Buddhismus.

Worin besteht aber der entscheidende Unterschied? In den jeweiligen Konzeptionen vom Heilsweg.

Die christlich-monotheistische Konzeption etwa ist diejenige von einem Glaubensweg, der in seinen hauptsächlichen Bestandteilen (Jesus Christus als „Sohn Gottes“, ein „absoluter Gott“ als dessen „Vater“, die Vorstellung vom Kreuzestod jenes Sohnes als Ursache der „Erlösung der Menschheit“, ein zukünftiges „Jüngstes Gericht“ usw.) weder logisch noch empirisch verifizierbar ist, sondern gemäß seiner Glaubensnatur schlicht „gläubig hinzunehmen“ ist.

Wenn diese Bereitschaft zur gläubigen Hinnahme jedoch nicht bestehe, so der biblisch fest verankerte Glaube, komme auf den Verweigerer die göttliche Strafe der Verdammnis zu. So habe der Christ also die missionarische Aufgabe, möglichst alle Menschen seinem Glauben „zuzuführen“, wie auch immer.

Dahinter steht dann auch ein expliziter biblischer Missionsauftrag, das „letzte Wort“ des Evangeliums nach Matthäus (28, 18):

„Und Jesus trat zu ihnen, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Zusätzliche Stellen zu diesem Missionsauftrag sind etwa hier nachzulesen.

Angesichts 1) des spirituellen Orientierungsbedürfnisses des Menschen, der um die Vergänglichkeit der Dinge und seine eigene Sterblichkeit weiß, 2) der „Ich und mein“-rückversichernden psychologischen Funktion des Glaubens an ein höchstes „Selbst“ in Form des unversursachten absoluten Gottes der monotheistischen Religionen, der diese im Kern „ausmacht“, und 3) der Absicherung der Zugriffsmacht auf das Unbewusste des Menschen durch diverse biblischen Androhungen von Verdammnis hat der biblische Missionsauftrag in der Geschichte seine beabsichtigte Wirkung auf die Menschen bzw. genauer deren Unbewusstes nicht verfehlt (Vergleichbares gilt für den Islam, in etwas anderer Form).

Ein Gläubiger, der unter dem psychologischen Einfluss dieses Systems steht, wird sich von seinem belohnenden oder auch drohenden und strafenden „höchsten“ oder „alleinigen Gott“ beauftragt fühlen, andere unter allen Umständen zu seinem Glauben zu „bekehren“. Das „muss“ er nach seinem Glauben geradezu tun. Zahllose höchst aktive und finanziell massiv geförderte katholische oder evangelikale Missionare durch die Geschichte bis heute legen davon ein klares Zeugnis ab; und ebenso die im Rahmen der früheren Kolonisation des Großteils der Welt geschehene Zwangsmissionierung ganzer Kontinente.

Aus Sicht jenes Glaubenssystems ist dann selbst Zwangsmissionierung kein Problem. Denn man „rettet“ sozusagen die Missionierten durch die Bekehrung ja letztlich bloß vor deren vermeintlicher „Verdammnis“.

Natürlich steht jener Haltung wieder das Gebot der Nächstenliebe, der Feindesliebe oder die Konzeption eines auch liebenden Gottes entgegen. Denn Bibel und Koran sind eigentlich Sammelsurien von Berichten über das Leben der jeweiligen vermeintlichen Propheten, des vermeintlichen „Sohn Gottes“ oder vermeintlichen letzten und höchsten Propheten „Mohammed“ und deren jeweiliger Aussagen, Wundertaten oder anderen Taten:

Eben Sammelsurien, bei denen sich jeder nach Gusto „bedienen“ kann – der christliche Kreuzritter oder islamische Selbstmordattentäter, der christliche oder islamische Eroberer und Zwangsmissionierer genauso wie eine Mutter Theresa oder das Hilfswerk „Muslime Helfen“.

Dabei fühlen sich sie alle gleichermaßen von ihrem jeweiligem einen, höchsten Schöpfergott zu ihren Handlungen beauftragt. Wenn also dieser eine, höchste Schöpfergott wirklich existieren würde, wäre er ganz offensichtlich eine höchst gespaltene Persönlichkeit mit vollkommen gegensätzlichen Seiten.

Und das zeigt doch bereits klar:

Die Idee „höchster Gott“ ist bloß eine Projektionsfläche für die unterschiedlichen Charaktere und Motivlagen der Gläubigen, die psychologisch betrachtet dazu dient, das mit bestimmten Charakteren und Motivlagen verbunde „Ich und mein“-Bewusstsein metaphysisch „rückzuversichern“. Deshalb sprechen diese Gläubigen dann auch immer überzeugt so, als hätten sie ihren Gott gerade „persönlich“ angetroffen. Denn er ist im Grunde ihr eigenes „Ich“, metaphysisch überhöht oder „projeziert“.

Die Verfasser von Tora und Talmud, der Bibel und des Korans waren die geschicktesten Tiefenpsychologen der Menschheitsgeschichte, die exakt darum wussten, wie Macht über das Unbewusste der Menschen (und unabhängig von ihrem Bildungsstand) zu erlangen ist. Ihr Ansatzpunkt war das tiefe Bedürfnis des Menschen, sein „Ich und mein“-Bewusstsein gegenüber der vergänglichen Realität abzusichern oder zu behaupten. Sie haben ihm ein Scheinmittel geliefert, das zu tun – nämlich den Glauben an einen absoluten, höchsten Schöpfergott, der analog zu ihrem eigenen „Ich“ konstruiert ist.

Der Buddhismus dagegen konfrontiert den Menschen behutsam, aber klar mit der Erfahrungsrealität, auch wenn er dann sein „Ich und mein“-Bewusstsein nicht aufrechterhalten kann. Aber er gewinnt dafür echte Freiheit und keine Scheinfreiheit.

Die frühbuddhistischen Quellen des Palikanons sind kein Sammelsurium, sondern im Vergleich zu den monotheistischen Urquellen relativ einheitlich strukturiert: Denn dieselben Grundlehren erscheinen hier in verschiedener, auf die jeweiligen Zuhörer zugeschnittenen Form immer wieder.

Außerdem gilt:

Selbst in jene „fortschrittlichsten“ katholischen Zeugnissen, wie der oben besprochenen Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen des Zweiten Vatikanischen Konzils scheint bei genauerer Betrachtung der missionarische Geist noch deutlich durch, wie durch die obige Analyse aufgezeigt worden ist; und um wie viel mehr dann in den vielen weniger fortschrittlichen Zeugnissen?!

Eben weil dieses ganze Glaubenssystem dem Gläubigen letztlich keine andere Wahl lässt.

Dazu möge sich bitte der interessierte Leser das etwa hier einsehbare Gründungsschreiben des aktuellen Papstes , MOTU PROPRIO UBICUMQUE ET SEMPER („An allen Orten und Immer“), zu einem neuen „Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung“ (gegründet am 12. Oktober 2010) in vollem Wortlaut zu Gemüte führen.

Einen deutlicheren aktuellen Beleg für das vorher Gesagte gibt es nicht. Dieses Schreiben beginnt so:

„Überall und immer hat die Kirche die Verpflichtung, das Evangelium von Jesus Christus zu verkünden.

Er, der erste und höchste Evangelisierer, gab den Aposteln am Tag Seiner Himmelfahrt zum Vater den Auftrag: „Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, 20 und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“ (Mt 28,19 – 20).

In Treue gegenüber diesem Auftrag hat die Kirche – das Volk, das Gott sich erworben hat, damit es seit dem Pfingsttag, an dem es den Heiligen Geist als Gabe erhalten hat (vgl. Apg 2,14), Seine bewundernswerten Werke verkünde (vgl. 1 Petr 2,9) — nie nachgelassen, der ganzen Welt die Schönheit des Evangeliums bekanntzumachen, indem sie Jesus Christus als wahren Gott und als wahren Menschen verkündet: derselbe „gestern, heute und in Ewigkeit“ (Hebr 13,8), der mit Seinem Tod und Seiner Auferstehung die Erlösung bewirkt und somit die alte Verheißung zur Erfüllung gebracht hat.

Deshalb ist die Sendung zur Evangelisierung als Fortführung des vom Herrn Jesus gewollten Werkes für die Kirche notwendig und unersetzbar, ja Ausdruck ihres eigenen Wesens.“

…. und so weiter, zum Beispiel:

“ … hat sich andererseits ein besorgniserregender Verlust des Sinnes für das Heilige gezeigt, was sogar zur Infragestellung jener Fundamente geführt hat, die außer Frage zu standen schienen, wie der Glaube an Gott, den Schöpfer und Erhalter, die Offenbarung Jesu Christi als des einzigen Erlösers …

… Nur eine neue Evangelisierung kann die Vertiefung eines reinen und festen Glaubens gewährleisten …

… Indem Wir also die Sorge Unserer verehrten Vorgänger übernehmen, halten wir es für opportun, angemessene Antworten anzubieten, damit sich die ganze Kirche, indem sie sich von der Kraft des Heiligen Geistes neu beleben lasse, der heutigen Welt mit einem missionarischen Elan zeige, um eine neue Evangelisierung zu befördern. Diese bezieht sich vor allem auf die (Teil-)Kirchen antiker Gründung …

… was alle (Teil-)Kirchen benötigen, die in traditionell christlichen Territorien leben, ein erneuerter missionarische Elan ist …

… In der Tat dürfen wir nicht vergessen, daß die erste Aufgabe immer jene bleiben wird, sich gegenüber dem gnadenhaften Wirken des Geistes des Auferstandenen gelehrig zu verhalten …“

Wer angesichts dieses vor unverifizierbaren, bloßen Glaubensvorstellungen und mittelaterlichem Missionsgeist triefenden päpstlichen Textes kein ungutes Gefühl „in der Magengegend“ als einem Sitz der Intuition bekommt, der ist schon fast als hoffnungsloser Fall zu bezeichnen; und er oder sie sollte dann einmal tief über seine Geistesverfassung nachdenken; sowie darüber, was geschickte Manipulation und religiös geprägte Gehirnwäsche bedeuten.

(Ich wiederhole hier einmal kurz jene „unverifizierbaren, bloßen Glaubensvorstellungen“, die lediglich aus den oben genannten Zitaten stammen, stickpunkthaft:

1) am Tag Seiner Himmelfahrt zum Vater; 2) die Kirche – das Volk, das Gott sich erworben hat, damit es seit dem Pfingsttag, an dem es den Heiligen Geist als Gabe erhalten hat; 3) indem sie Jesus Christus als wahren Gott und als wahren Menschen verkündet: derselbe „gestern, heute und in Ewigkeit“ (Hebr 13,8), der mit Seinem Tod und Seiner Auferstehung die Erlösung bewirkt und somit die alte Verheißung zur Erfüllung gebracht hat; 4) sogar zur Infragestellung jener Fundamente geführt hat, die außer Frage zu standen schienen, wie der Glaube an Gott, den Schöpfer und Erhalter, die Offenbarung Jesu Christi als des einzigen Erlösers; 5) dem gnadenhaften Wirken des Geistes des Auferstandenen.)

Dass heute in Europa die mit solchen Missionsaufforderungen zum Ausdruck kommenden Sichtweisen relativ wenig gewaltfördernd sind (aber indirekt sind sie es durchaus, so findet sich etwa laut aktuellen Studien der größte Anteil ausländerfeindlicher Haltungen unter den Katholiken), hat lediglich damit zu tun, dass hier die katholische Kirche nicht mehr die Macht hat, die sie früher über lange Zeit hatte.

Ihre Grundhaltung jedoch hat sich kaum geändert, wie dieser Text doch bloß ein leidiges weiteres Mal zeigt.

Im Unterschied dazu ist die buddhistische Konzeption vom Heilsweg ein Einsichtsweg. Ohne die Entwicklung von „Einsicht“ ist auf dem buddhistischen Befreiungsweg „kein Blumentopf“ zu gewinnen. Die ganze frühbuddhistische Lehre dient lediglich der inhaltlichen Erklärung und methodischen Entwicklung dieser Einsicht oder Weisheit auf Basis von Ethik und Ruhe.

Aber Einsicht lässt sich naturgemäß niemals „aufzwingen“. Sie kann immer bloß im Individuum selbst „freiwillig“ vollzogen werden.

Genau deshalb ist die Verkündigung des Buddha immer bloß ein „Angebot“ gewesen, das der Buddhist inhaltlich überzeugend und gleichermaßen durch praktisches Vorleben bzw. Beispiel vermitteln soll (insofern es die buddhistischen Heilsziele vor allem durch Praxis möglichst weitgehend im jetzigen „kostbaren Leben“ zu realisieren gilt). Mit dieser Konzeption vom Heilsweg ist eine gewaltsame Ausbreitung nicht vereinbar.

Vor allem deshalb ist die Geschichte des Buddhismus im großen Religionsvergleich die deutlich friedfertigste. Wenn die Vermittlung nicht gelingt, ist der Buddhist zu Gleichmut aufgefordert; und zu weiterer Arbeit an sich, der Überzeugungskraft des Denkens oder gelebten Beispiels. Außerdem geht es hier auch nicht primär um die Verbreitung des Weges, sondern um dessen individuelle Verwirklichung, was schon Aufgabe genug ist.

Ausgehend vom vorher Gesagten spielt auch Logik, Erkenntnistheorie und Debatte in der Geschichte des Buddhismus eine Hauptrolle. Eine Metapher für den historischen Buddha in der altindischen mahâyânistischen Erkenntnistheorie, die übrigens in der Wissenschaft als Gipfelpunkt der altindischen Philosophie gilt, ist „verkörperte Logik“. Das System der frühbuddhistischen Lehre ist mit logisch-konzeptuellen und empirisch-praktischen Mitteln nachprüfbar. Es erhebt den Anspruch auf logische „Stimmigkeit“ wie praktische Nachvollziehbarkeit und kann diesen Anspruch auch weitgehend einlösen.

Jetzt zu dem altbekannten Argument, dass es doch darauf ankomme, die „Gemeinsamkeiten zu entdecken und zu diskutieren“,
anstatt sich auf das „Trennende“ zu konzentrieren.

Es ist ein weit verbreitetes Argument, das vielen spontan einleuchtet.

Entsprechend der frühbuddhistischer Lehre ist ohne die Ausprägung einer klaren und möglichst „trefflichen Sicht“ (sammâ ditthî) im Unterschied zu einer „verfehlten Sicht“ (micchâ ditthî) der universelle, kulturübergreifende Befreiungsweg von Ethik, Ruhe und Einsicht nicht zu verwirklichen!

Eben deshalb finden sich in den Redensammlungen des Buddha im Palikanon auch viele kritische Auseinandersetzungen des Buddha oder seiner Schüler mit den damaligen religiösen Lehrmeinungen, auf stringent sachlich-inhaltliche, von Polemik oder Hass freie, aber zugleich auch kritisch-scharfe Weise.

Das klare, unterscheidende Denken ist in dieser Lehre ein besonders wertvolles und ganz unerlässliches Instrument, um den inneren Befreiungsweg zu verwirklichen, das es nicht zuletzt durch inhaltliche Auseinandersetzungen mit anderen Lehren zu „schärfen“ gilt.

Den tieferen Grund dafür hat der bekannte und vieldiskutierte zeitgenössische französische Philosoph Bernard-Henri Lévi gut auf den Punkt gebracht (Interview in Der Spiegel , 3.4.2010):

“Die Wahrheit erreicht man nicht, indem man zwei unterschiedliche Lehren zusammenmischt.”

Daran ist nichts problematisch oder schlecht. Eine gute Lehre muss sich schlicht und einfach in der lebendigen Auseinandersetzung bewähren können. Außerdem ist für alle Außenstehenden eine solche Auseinandersetzung besonders klärend, wenn sie für sich selbst nach einem spirituellen Weg suchen.

Wenn heute zum Beispiel in einer nach strengen Regeln moderierten vierzehntägigen Debatte, mit der alle wesentlichen religiösen Fragen besprochen werden, der aktuelle Papst gegen den Dalai Lama antreten würde, würde es allen wie Schuppen von den Augen fallen, was es mit dem Katholizismus in Wahrheit auf sich hat:

Es ist ein pompöses Kartenhaus, das zahlreiche Dogmatiker, Theologen und Klerikale, nachdem sie eingehend durch die dafür zuständigen Kaderschmieden traditioneller oder universitärer Art geschult bzw. vorbereitet worden sind, höchst kunstvoll und geschickt aufgebaut haben; und zwar mit dem Zweck, die Menschen zum eigenen Vorteil sowie dem Vorteil der mit ihnen „Verbündeten“ gefügig zu machen bzw. geistig lenken zu können. Inwiefern?

Wer „Unverifizierbares“ im Bereich der Religion, die sich mit den tiefsten Sehnsüchten des Menschen befasst, als Wahrheit „glaubt“, wird auch „Unverifizierbares“ in seinem gewöhnlichen Alltag bzw. dem ganzen Bereich etwa der Politik glauben. Das liegt im Interesse all der Herrschenden, die sich durch Geschichte hindurch bis in gewissen Hinsichten noch heute in besonderer Weise mit der Kirche verbündet haben.

Die kirchliche Aufforderung an den Gläubigen, unverifizierbare Vorstellungen oder Behauptungen als Wahrheit zu glauben, kommt am besten in dem christlich-theologischen Konstrukt der „Glaubenswahrheiten“ zum Ausdruck, über die etwa der aktuelle Papst gerne spricht. Der Begriff ist ein Widerspruch in sich – Wahrheit ist per se logisch oder empirisch verifizierbar, Glaube per se nicht.

“Selbstdenken” (ein Begriff Arthur Schopenhauers) führt zu einer inneren Praxis, die wirklich befreit.

Mit buddhistischen Worten gesagt:

Die “Weisheit durch eigenes Nachdenken” ist die Quelle der “Weisheit durch Aufnehmen” (Hören, Lesen), die wiederum die Quelle der “Weisheit durch praktische Kultivierung” höherer Qualitäten von Herz und Geist ist. Nach der Praxislehre des Buddha, wie sie mit den Redensammlungen des Pali-Kanons überliefert ist, stellt der prüfende Geist also die Grundvoraussetzung für alle weiter gehenden Formen von Weisheit dar.

So gibt es in der buddhistischen Lehre ja sogar das Befrieungsmodell des „Pacceka Buddha“, des „Einzelerwachten“, der den Befreiungsweg ganz eigenständig verwirklicht hat, ohne sich sich auf spirituelle Lehrer oder religiöse Lehren zu stützen. Denn jener „universelle Befreiungsweg“ von Ethik, Ruhe und Einsicht in die Natur der Dinge ist eben universell und kulturübergreifend gültig – sozusagen „immer und überall“, aber hier zum Wohle der Menschen und ihrer geistigen Eigenständigkeit. Dieser Weg ist bei entsprechender Reife und „Ausrichtung“ von jedem Menschen innerlich zu entdecken, ohne Mittler.

Die heute unter bestimmten Buddhisten und anderen Religionsanhängern weit verbreitete Stigmatisierung eines klar unterscheidenden Denkens im Sinne dieses oben erklärten frühbuddhistischen Weges scheint mir vor allem die folgende „Wurzelbedingung“ zu haben:

Die unbewusste Macht der christlichen Vorprägungen lässt psychologisch betrachtet keine andere Wahl, ob nun bewusst oder unbewusst, als eine klare Unterscheidung zu stigmatisieren – eben durch jene „Philosophie“ der inhaltlichen Zusammenmischung gegen jede angeblich verwerfliche „Trennung“.

Denn je mehr der Geist der klaren Unterscheidung durch diese Philosophie indirekt untergraben wird, desto eher lassen sich manipulative geistige Systeme vor dem „Scheinwerfer“ dieser klaren Unterscheidung verbergen.

Und bloß wenn diese Systeme im Dunkeln bleiben, können sie weiterhin wirksam bleiben!

So betrachtet sind diejenigen Formen des „religiösen Dialogs“, bei denen sachliche Auseinandersetzungen über die objektiven Unterschiede, die wie beim frühen Buddhismus und Christentum in Wirklichkeit nicht die Periepherien, sondern die Kernbereiche dieser Religionen betreffen, stigmatisiert werden, letztlich verkappte Mittel zur Behauptung und Verbreitung des Christentums.

Ich für meinen Fall mache bei einem solchen Dialog nicht mit, weil ich mich nicht instrumentalisieren lasse.

Herzlich,

Hans Gruber

16 Upasaka Udo Oktober 14, 2010 um 7:37 Uhr

Hallo Hans Gruber,

Du schreibst:

„Aber selbst aus Sicht des im innerkatholischen Vergleich besonders fortschrittlichen Zweiten Vatikanischen Konzils werden die anderen Religionen keineswegs als gleichberechtigt anerkannt. Laut dem von Dir zitierten Abschnit, den Du aus dem ganzen Kontext herausgelöst hast, hat es bloß diesen Anschein.“

Auch die Buddhalehre sieht andere Religiöse Aussagen nicht gleichberechtigt.

Das kommt in solchen Lehraussagen zum Ausdruck.

„Für mich gibt es keinen Lehrer, ein mir Gleicher existiert nicht;
nicht in der Götterwelt, nicht in dieser Welt ist einer mir ebenbürtig;
ich bin der Heilige in der Welt, ich bin der unübertroffene Führer,
ich bin der einzige vollkommen Erwachte, kalt geworden bin ich, erloschen.
Ich gehe zur Stadt Kāsi, um das Rad der Lehre in Bewegung zu setzen.
In der blind gewordenen Welt schlage ich die Trommel der Unsterblichkeit.“
Quelle : Aus dem Palikanon

Bei Buddhistischen Traditionen untereinander ,hört sich das dann so an :

„Mahâyâna“ bedeutet das „Große Fahrzeug“; doch offenbar „groß“ lediglich im Sinne eines Fahrzeuges für die Närrischen, die schon immer in der Mehrzahl gewesen sind. „Groß“ bedeutet hier nicht etwa „tiefer“ oder „höher“.

http://www.buddha-heute.de/rubrik-05/titmuss-buddhadasa.htm

Also man könnte diese Diskussion der verschiedenen, absoluten Meinungen unendlich fortführen ,in dem man sich auf das trennende konzentriert.

Oder man kann die Gemeinsamkeiten entdecken
und diskutieren.

Es ist da so, wie mit dem Glas das entweder halb leer ,oder aber halb voll gesehen wird.

Andere Religionen und ihre verschiedenen Traditionen schenken sich da alle nix,gegenseitig.

Gleichzeitig gibt es aber zum Glück im Palikanon aussagen wie:

“ Eintracht macht ihn froh, Eintracht freut ihn, Eintracht beglückt ihn; Eintracht fördernde Worte spricht er. Das eben gilt ihm als Tugend.“

Oder aber in der Bibel, “ du sollst deinen Feind lieben wie dich selbst.

Somit kann jeder selbst wählen ( oder vielleicht auch nicht 😉 ) welche Schiene er abreiten will.

Freundliche Grüsse

Upasaka Udo

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