Zu Konstantin Wecker und dem Paar „gut“ oder „böse“ – Was steckt hinter den zunehmenden Konflikten?

by Hans on 18/08/2014

 

 

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* Näheres zum neu entdeckten Urvater des westlichen praktizierten Buddhismus,
U Dhammaloka, hier im Vorwort

* Tipp: Die Spiegelung der Beiträge meiner Facebook-Chronik auf diesem Blog

 

 

Zu Konstantin Wecker und dem Paar „gut“ oder „böse“:

Was steckt hinter den zunehmenden Konflikten?

 

Es geht (in der anschließenden Diskussion) auch um die Frage,

wie sich die Lehre des Buddhas zur Gewalt stellt.

 

 

Auf der Facebookseite von Konstantin Wecker habe ich einen Beitrag von ihm zu einer Kolumne des Spiegel-Autors Jan Fleischhauer näher kommentiert.

 

1) Zuerst jener Beitrag von Konstantin Wecker (vom 15. August 2014).

Er ist öffentlich, das heißt für jeden sichtbar, der auf Facebook eingeloggt ist:

 

FürBlogTinyPic) AdlerÜberBergen

 

Lies hier weiter

{ 6 comments… read them below or add one }

1 Stefan Kelter Januar 5, 2015 um 15:07

Vorweg: Ich habe den Kriegsdienst noch zu einer Zeit verweigert, in der man vor ein Art Tribunal kam. (Wenn man wie ich Glück hatte war es nur ein Tribunal, wenn man abgelehnt wurde, folgte das nächste Tribunal, wenn man die Verweigerung aufrecht hielt.) Eigentlich müsste ich also die Haltung eines Pazifisten, eines Wecker oder einer Käßmann oder die der hier sich äußernden Gutmenschen haben.

Angesichts der Scheußlichkeiten, die von der IS begangen werden wurde mir als erstes ganz schnell klar: Egal zu welcher Stellungsnahme / Meinung ich mich entscheide, ich werde anschließend nie unschuldig sein. Mit jeder Entscheidung werde ich Schuld auf mich laden. Es gibt keine saubere, schöne Lösung.

Und mir wurde schnell klar, ich kann mich nicht wie Käsmann, Wecker und Co schwarz/weißartig gegen Unterstützung (auch in Form von Waffenlieferungen) aussprechen.

Ich bekenne also, ich habe mich dafür entschieden, die Schuld eines Befürworters der Unterstützung (durch Waffenlieferung, durch US-Bombardierung) auf mich zu nehmen, statt die Schuld eines dem Schlachten zuschauenden „Friedensapostel“ zu übernehmen. Letzteres wäre für mich untragbar gewesen.

Und ich will auch nicht verhehlen, dass ich mich freue, wenn ich in den Nachrichten höre, dass die Peschmergas die IS-Truppen zurück drängen und dabei IS-Kämpfer töten.

Während eines Vipassana-Retreat im Sommer 14 habe ich es für mich abgelehnt, Metta für alle Wesen zu praktizieren, so viel Ablehnung war in mir aufgrund der Greueltaten des IS. Aber dann habe ich anerkennen müssen, dass meine Fantasien, was ich mit den Folterern der IS machen würde sich von der wirklich gelebten Brutalität der IS nur dadurch unterscheidet, dass ich die Folterer nur in Gedanken quäle. Das hat dann dazu geführt, dass ich im Metta auch wieder diese barbarisch handelnden Terroristen einschließen konnte.

Und zum Schluß: Es wäre schön und angenehm, sich pazifistisch buddhistisch (oder meinetwegen christlich) in sich zurück zu lehnen, mit dem Wissen, ich habe mich der vorgeschriebenen Moral gemäß verhalten, mein Karma ist bestens. Aber ich kann es nicht. Ich bin schuldig, ich fühle mich schuldig und ich akzeptiere meine Schuld. Aber alles andere wäre noch schlimmer für mich (gewesen).

2 Rupaloka August 25, 2014 um 22:54

Was sorgen wir uns hier um das Handeln von Staaten? Haben wir das zu verantworten? Wird irgendein Staat sich nach uns richten?

Wir haben unser persönliches Handeln zu verantworten. Wie wir mit uns und unseren Mitmenschen umgehen. Das bestimmt unser Karma.

Glaubt jemand, das Eingreifen des Westens in Kalifats-Kämpfe wäre anderen Interessen geschuldet als denjenigen, durch die Afrika mit Lineal und Bleistift zerteilt wurde?

Die eigene Nation, die gewaltsam errichteten Grenzen, innerhalb derer man zufällig geboren wurde, zu verteidigen, ist nicht ein weniger dummer Kriegsgrund, als es irgendeine Religion gegen andere zu verteidigen ist. Es ist blind gegenüber der einfachen Wirklichkeit, daß wir alle Menschen sind, die aus denselben Gründen leiden. Die Trennung durch Grenzen und Ideologien ist Herrschaften geschuldet. Daran zu glauben ist dumm.

Aus humanitären Gründen handeln nicht diejenigen, die ihre Staatsgrenzen oder ihre Religion mit Waffen verteidigen. Die westlichen Staaten, die sich dort nach Belieben einmischen oder nicht, erwägen oder tun es sicher nicht aus humanitären Gründen. Hätten sie die, dann hätten sie in ihren eigenen Nationen und während des „Friedens“ genügend Anlässe, humanitäre Hilfe zu leisten.

Der einzige Weg zum Frieden liegt darin, den Kämpfern ihre eigen Dummheit vor Augen zu führen. Für was auch immer zu sterben, macht nur eines sicher: daß man nicht erlebt, wofür man stibt.

Hier im Forum zu diskutieren, als ob man die Macht in Händen hätte, ist genauso unsinnig.

Mindert es das Leiden in der Welt, wenn die richtigen auf die falschen schießen?

Wenn Menschen bereit sind, für ihre Nation oder ihre Religion zu sterben, soll ich da auswählen, für wen ich Partei ergreife?

Hat der Sieg der westlichen Entente über Hitler das Leiden in der Welt vermindert? Sie haben jedenfalls erst mal Russland ordentlich ausbluten lassen, bevor sie eingegriffen haben, wissen wir doch heute. Und nicht nur das: Hiroshima, Vietnam, Laos, Kambodia, Chile, Irak – wollen wir uns anmaßen, zu entscheiden, wessen Sieg das Leiden in der Welt minderte?

Ich weiß, daß ich miserabel widergeboren werde, wenn ich andere vorsätzlich töte. Denn das ist niemals heilsames Handeln. Darum beschränke ich mich darauf, die Dummheit der Gewalt zu kritisieren. Sie schafft Leiden auch bei dem, der sie anwendet.

Schon die Absicht schafft Aufregung, wie man an diesem Thread erkennt.

Jeder kann heute schon bei der Lektüre der Presse-Berichte zur Kenntnis nehmen, dass immer wieder Studien beweisen, dass Menschen, die, und warum auch immer, andere Menschen getötet haben, in ihrem Leben keinen Frieden mehr finden. Es gibt keinen guten Grund, andere Menschen zu töten, statt zu befrieden.

3 Hans August 23, 2014 um 22:41

Lieber Manfred,

* Dein „Sarkasmus,“, wie Du es nennst, oder Christophers Anklage klingen so hehr, so tief buddhistisch gewaltverneinend und so edel. Aber es wird von all Euch gerechten „Buddhisten“, bei dem mir deutlich zu viel im Grunde christlicher Moralismus durchklingt, gar nicht auf die Hauptfrage eingegangen:

Wie stoppt man eindeutig (!) nazigleiche Islamisten, die ganze Völker auslöschen wollen, weil diese einen ziemlich anderen Glauben vertreten (wie die Jeziden), andere Muslime, weil sie einen leicht anderen Glauben vertreten (wie die Schiiten), Frauen wegen der Wahrnehmung der allernatürlichsten Rechte jedes Menschen zu Bluthaufen steinigen usw. usf.?

Beim Völkermord in Ruanda war man schon untätig. Das kann sich nicht wiederholen.

Aber Hauptsache, keine „Kollateralschäden“. Dann schon lieber einen Völkermord?? Wohl entsteht Leiden so oder so, aber mit gewaltigen Dimensionsunterschieden. Dann ist immer das kleinere Leiden zu wählen.

Der frühe Buddhismus ist „Befreiungspragmatismus“, wie es der Indologe Erich Frauwallner so trefflich resümiert hat.

Betrachte das ganze Thema ohne jenen selbstgerechten Moralismus, sondern nüchtern pragmatisch. Dann musst Du zwangsläufig zum gleichen Schluss kommen!

* Ich sympathisiere hier klar mit Jon Kabat-Zinn, Jack Kornfield und Bhikkhu Bodhi.

Ohne solche Realisten, die trotzdem aus meiner Sicht dem Dharma ziemlich treu bleiben, wäre der Buddhismus im Westen immer noch die Sache von einigen spinnerten, meistens theosophisch oder anderweitig chritlich vorgeprägten Romantikern, die sich in kleinen Zirkeln ihrem Elitarismus des wahren, erhabenen Verständnisses der „Buddha-Lehre“ widmen, das leider zwangsläufig den vielen Ignoranten verwehrt sei.

Ich würde mir in Deutschland auch Politiker wie den Congressman Tim Ryan wünschen, der hier eingehend und kompetent zu „mindfulness“ referiert. Ich sehe weit und breit keinen!

Jene neuen Trainings ALLEINE können dazu führen, dass IN DER TAT Soldaten konsequent Schäden unter Zivilisten zu vermeiden.

Auf jeden Fall hundertmal eher als durch Deine oder Christophers hehre, moralisierende Beschwörungen.

Einer der besten Dharma-Vorträge, die ich kenne (ich höre grundsätzlich kritisch hin), ist etwa dieser hier von Jon Kabat-Zinn in der Google-Zentrale.

Ja, das glaube ich wirklich – dass MMFT „irgendeine Beziehung zu dem Achtsamkeitstraining zur Beendigung von Gier, Hass und Verblendung“ hat.

Denn wenn man unter solchen Umständen praktizieren kann, wird es sehr machtvoll sein; auf jeden Fall viel machtvoller als die Praxis in den Selbstbeweihräucherungs-, Lehrreden-, Lese- und Diskussionskreisen jener wahren „Buddhisten“.

* Eine in der Tat aussagekräftige Feststellung von Dir, nämlich:

„Das Hitler Argument auch noch von Dir, echt jetzt? Äpfel mit Birnen vergleichen? Abgesehen davon, dass es reine Spekulation von Dir ist, was wenn gewesen wäre, da Du nicht hellsehen kannst, lässt Du auch die verschiedenen Ursachen und Bedingungen, die zu Aufstieg und Fall dieses Regimes geführt haben, außer Acht; und behauptest einfach, die Lösung für Gewalt sei größere Gewalt.“

Nein, das ist keine „reine Spekulation“; und dafür muss man auch nicht „hellsehen“ können.

Glaubst Du etwa, dass sie nach ihrem „Endsieg“ zu Buddhisten mutiert wären? Das Programm der Nazis war glasklar; und soweit sie es konnten, haben sie es bereits in den 12 Jahren ihres „Tausendjährigen Reiches“ umgesetzt. Zum Glück eben „nur“ 12 Jahre.

Aber das hat gereicht für unzählige Millionen von Toten unter russischen Zivilisten, Juden oder Sinti und Roma, für unzählige KZs mit unvergleichlich bestialischen Mordmethoden und Experimenten, für großflächige Gleichschaltung des Denkens, für Aussschaltung aller Andersdenkenden, kritischen Intellektuellen und unabhängigen Autoren oder Wissenschaftler usw. usf.

Offenbar gab es auch viel mehr KZs, Lager und Ghettos, als hierzulande generell angenommen wird, wenn die hier resümierten neuen Forschungen des „United States Holocaust Memorial Museum“ zutreffen. Zitat (übersetzt):

„Es gab mehr als 42,500 Nazi-Ghettos und -Lager überall in Europa von 1933-1945. Es gab 30 000 Arbeitssklaven-Lager, 1150 jüdische Ghettos, 980 Konzentrationslager, 1000 Kriegsgefangenen-Lager, 500 Bordelle mit Sex-Sklavinnen, und Tausende anderer Lager, um die Alten und Schwachen einzuschläfern, Zwangsabtreibungen vorzunehmen, Gefangene zu „germanisieren“, oder Opfer zu den Tötungszentren zu bringen.“

Wer das Nazi-Regime verniedlicht – oder es tatsächlich für möglich hält, dass nach einem „Endsieg“ doch alles ganz anders hätte kommen können -, der sollte etwa einmal genau in seiner persönlichen Väter- oder Großväter-Vorgeschichte nachbohren und schauen, was da bis heute bei ihm nachwirkt, oder gegebenfalls auch in anderen persönlichen Quellen. Denn das wäre so wahrscheinlich gewesen wie dass morgen kein weiterer Tag folgt, weil vorher ein Meteor die Erde zerstören würde.

Es bleibt also dabei: Zur Verhinderung einer Horrorwelt mussten die Nazis mit Gewalt überwunden und beseitigt werden.

Das hätte der Buddha nicht anders gesehen!

* Das Abhängige Entstehen hinter den Nazis ist im Grunde sehr klar, wenngeich die folgenden Fakten kaum thematisiert werden:

Eine jahrhundertelanger und im westlichen Vergleich besonders ausgeprägter Antisemitismus des deutschsprachigen Protestantismus und Katholizismus als Nährboden des späteren Vernichtungsantisemitismus der Nazis (siehe dazu das Standardwerk von Professor J. Weiß: Ideology of Death: Why the Holocaust Happened in Germany; sowie R. S. Wistrich: Antisemitism: The Longest Hatred).

Wenn unter anderem unter Martin Luthers Pamphlet „Von den Juden und ihren Lügen“ der Name Heinrich Himmler stünde, würde es überhaupt nicht weiter auffallen (abgesehen vom alten Deutsch – gewiss nicht von den Inhalten).

Weiter zurückliegende Zusatzbedingungen für die Entstehung jenes Vernichtungsantisemitismus waren: Der Ariermythos sowie ein verbreiteter Neid auf die im 19. Jahrhundert deutlich besser gebildeten bzw. erfolgreicheren deutschen Juden (Götz Aly: Warum die Deutschen? Warum die Juden? Gleichheit, Neid und Rassenhass 1800-1933).

Besonders wichtig für die Entstehung der Ideologie des Nazis waren:

Arthur de Gobineaus rassentheoretische Schriften (Von der Ungleichheit der Rassen), die Richard Wagner antisemitisch ergänzt bzw erweitert hat. H. S. Chamberlain, Hiterfreund, ein großen Verehrer, vielfacher Kommentator und Biograf Wagners (sowie später Ehemann von Eva Wagner) hat Wagners politisch-philosophische Gedanken weitergeführt – mit dem damals höchst einflussreiches und vielfach neu aufgelegten antisemitischen Bestseller Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts. Und der führende Ideologe der Nazis, A. Rosenberg hat sein Werk Der Mythos des 20. Jahrhunderts als Fortführung von Chamberlains Werk verstanden!

Richard Wagner steht also am Anfang des unmittelbaren (!) ideologischen abhängigen Entstehens des Nazi-Vernichtungsantisemitismus! Gobineau war kein Antisemit.

Die unmittelbaren politischen Bedingungen für das Naziregime bildeten die Dolchstoßlegende, der schwache Stand der ersten deutschen Demokratie bzw. deren Ablehnung durch die wilhelminisch geprägte weimarer Bürokratie, das gewaltige Medienimperium Alfred Hugenbergs, welcher der primäre Steigbügelhalters A. Hitlers war, sowie die Not des Volkes im Rahmen der damaligen Weltwirtschaftskrise.

Und? Was legt dieses Abhängige Entstehen hinter den Nazis denn nun wirklich nahe?

Zum Beispiel Folgendes – dass man vielleicht einmal einen anderen Blick auf die Kirchen, Martin Luther und Richard Wagner werfen sollte, anstatt sie bei jeder Gelegenheit abzufeiern. Luther wollte die Juden zu seinem neuen „wahren Glauben“ bringen. Weil sie das nicht ganz so toll und überzeugend wie er selbst fanden, hat er kurzerhand extreme Hassschrifften und Vernichtungsaufforderungen gegen sie verfasst.

Was sagt es OBJEKTIV über einen Menschen aus, wenn er, nachdem er von bestimmten anderen nicht bekommt, was ihm in keiner Weise zusteht (nämlich die Bekehrung zu seiner Lehre), aber was er von ihnen will, dann voller Hass und Vernichtungswillen gegen sie mit entsprechenden Schriften und Aufforderungen vorgeht? Es sagt über ihn aus, dass er in einer spirituellen Hinsicht extrem unreif ist! Nichts Anderes.

„Achtsamkeit“ war ganz offenkundig ein totales Fremdwort für Luther und seine Glaubensgenossen (und das ist schon klar – denn es gibt nicht eine einzige Belegstelle für diesen oder ähnliche frühbuddhistische Praxisbegriffe in der Bibel). Aber Hauptsache, der Glaube an Jesus plus großem Papa und die Bibel sind gegeben! Dann sind wir auf der sicheren Seite. Das steht dort so. Dann muss es doch auch zutreffen …

Solche spirituellen Zwerge werden hierzulande als spirituelle Riesen gefeiert. Proto-Vernichtungsantisemit Wagner wird auch zur Genüge verklärt.

* Zu dem Sutta mit dem Dialog des Buddhas mit dem Krieger habe ich mich oben bereits geäußert. Es wird dort alleine die hasserfüllte Haltung abgelehnt. Sie geht zwar meistens mit Töten einer. Das muss es aber nicht zwangsläufig, wie es die genannten Typen von Bodhisattvas im Mahayana veranschaulichen (vielleicht auch schon in den frühbuddhistischen Jatakas, da müsste ich einmal recherchieren).

Wenn einer aus dem klaren Wissen heraus bzw. dem Motiv handelt, dass er durch Gewalt noch größere Gewalt verhindert, wird dies durch jenes Sutta nicht abgelehnt.

Ein Grundprinzip der Lehre des Buddhas ist (das muss ich Dir nicht sagen): Es kommt immer ausschließlich auf die Qualität der Intention und das dahinter stehende Wissen an. Der Buddha hat lediglich die Intention bzw. Absicht als Karma definiert. Wir sind hier nicht bei den Jainas, bei denen die äußere Tat zählt!

Die Dhammapada-Verse, die Du zitierst, lehnen wiederum bloß die Haltung bzw. die Intention des Hasses und der Rachsucht ab, nichts Anderes! Es ist hier alleine die Intention des Hasses und die Rachsucht, die zu weiterem Hass und weiterer Rachsucht führt.

Was sagt nun aber die von Dir großmächtig zitierte Rede 21 aus der Mittleren Sammlung aus? Nicht das, was Du meinst!

Das Problem: Du und so manche andere eifrige „Buddhisten“ lesen nicht genau, auch wenn sie immer fleißig zitieren. Ihr könnt nicht wirklich für Euch selbst genau schauen und denken („selbstdenken“), sondern redet im Grunde „nach“. Aber Ihr wollt große Experte sein! Da gibt es einige hierzulande und im Westen.

Hier geht es nämlich bloß um die Situation der Folter; und welche Geisteshaltung in dieser extremen Situation diejenige wäre, die dem Gefolterten nicht schadet – die Hassfreiheit. Das ist in der Tat eine äußerst hohe „Latte“, die der Buddha hier legt. Aber wer sie genommen wird, hat bestätigt, dass es zu seinem inneren Wachstum stark beigetragen hat (wie manche gefolterte Tibeter).

Alles also keine Belege für das, was Du gerne belegen würdest!

* Das mit Waffenlieferungen an die Kurden ist in der Tat sehr komplex, auch wenn es aus den genannten Gründen geschehen sollte.

Denn es waren die syrischen und türkischen Kurdenkämpfer, welche den Jeziden stark geholfen haben; nicht die Peschmerga. Aber die ersteren stehen auf diversen westlichen Terrorlisten. Derzeit mag sich dies vielleicht ändern. Die Kurden im Nordirak würden über kurz oder lang von dem gut ausgerüsteten IS eingenommen werden, wenn sie nicht entsprechend ausgestattet werden.

Der beste und erhellendste Artikel zu den eigentlichen Hintergründen, den ich kenne, ist von Hans Berger in Der Hintergrund:

Zum Kurdenstaat: Wenn Deutschland vor ca. 100 Jahren in vier Teile geteilt worden wäre, wie würden wir das finden? Das ist den Kurden mit dem „Vertrag von Lausanne“ nach dem 1. Weltkrieg passiert, wo die Siergermächte aus Eigeninteressen ziemlich willkürliche Grenzen gezogen haben. Deshalb ist es legitim, wenn sie einen eigenen Staat erstreben, und bloß eine Korrektur der Folgen jener „Selbst“-orientierten Politik.

Hier ist vor allem westliche Selbstbeschauung und Ehrlichkeit am Platze, anstatt über die vermeintlich „Bösen“ überall auf der bösen Welt christlich selbstgerecht und im Grunde ablenkend vom Kern des Problems zu schwadronieren.

Das Gleiche gilt für Afrika: Die heutigen extremen Konflikte dort sind zum einem großen Teil das abhängig entstandene Ergebnis von künstlichen Staatenbildungen, die auf der Kongokonferenz 1885 von den westlichen Kolonialmächten geschaffen worden sind, um ihre Beute gegeneinander abzustecken; und indem verschiedene Völkerschaften mit jeweils eigener Sprache, Kultur oder Religion in den Staaten zusammengesteckt worden sind. Freilich christlich-kirchlich abgesegnet, schließlich musste sollten ja auch die vielen schwarzen Heiden zum rechten Jesus-Glauben bewegt werden, friedlich oder nicht!

Nochmal das Zitat von oben:

„Innerhalb von nur zwei Jahrzehnten kam es zur Besetzung fast des gesamten afrikanischen Kontinents. Die meisten Gebiete innerhalb Afrikas wurden 1885 auf der “Kongokonferenz” in Berlin zwischen den europäischen Mächten aufgeteilt. Die Landkarte Afrikas wurde grundlegend umgestaltet und willkürliche Grenzen teilten den Kontinent in britische, französische und deutsche Territorien ein. Die bestehenden Grenzen wurden dabei völlig ignoriert. … Die willkürlich festgelegten Grenzen der Kolonialzeit sind noch immer Grund vieler Konflikte und Kriege innerhalb der verschiedenen Völker und Stämme Afrikas. … Zudem entsprachen die Landesgrenzen, die die Kolonialisten zurückließen, nicht den ursprünglichen Grenzen zwischen den Völkern, die jeweils ihre eigene Sprache, Religion oder Kultur hatten. So kam es nach dem Aufheben der Kolonien zu gewalttätigen Auseinandersetzungen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen, die in den von den Kolonialmächten “geschaffenen” Staaten lebten. Bis heute dauern diese Konflikte zwischen den afrikanischen Völkern an. Immer wieder kommt es zu blutigen Bürgerkriegen.“

Tschüss, Hans

PS: In den nächsten Tagen werde ich mich mit Kommentaren zurückhalten und würde ggf. später wieder antworten.

4 Manfred Wiesberger August 22, 2014 um 20:15

Lieber Hans,

Zu 2) „Es ist hier alleine die innere Haltung des Hasses, die vom Buddha kategorisch zurückgewiesen wird. Aber was ist jetzt für die Fälle, wo lediglich äußere Gewalt angewandt wird (etwa mit lasergesteuerten Bomben oder Drohnen); und zwar aus der Erkenntnis, dass wenn sie nicht stattfände, noch viel größeres Leid entstünde?“

Da kann man ja froh sein, daß es nun auch Achtsamkeitstraining für Drohnenpiloten gibt, da werden (hauptsächlich Unschuldige – collateral damage) dann doch wenigstens von achtsamen und mitfühlenden Kriegern getötet. Die haben sicher nicht vor, jemand auszulöschen, sondern handeln nach dem Bodhisattva Ideal, um den Verblendeten ihre Verblendung vor Augen zu führen – entschuldige, aber hier kann ich nicht ohne Sarkasmus. Jedenfalls befindest Du Dich mit Deiner Meinung in guter Gesellschaft. Dazu möchte ich etwas aus einen Beitrag von Christopher Titmus zitieren:

„Derzeit findet eine wichtige Debatte von Buddhisten, Friedensaktivisten, Wissenschaftlern und nachdenklichen Bürgern statt, über die Anwendung der buddhistischen Achtsamkeitspraxis für das US-Militär, einschließlich Soldaten und Drohnen-Piloten in den Killing Fields muslimischer Nationen. Es gibt auch eine breitere Debatte über das Verhältnis von Buddhisten zum Krieg. … Bestimmte führende Buddhisten in den USA bieten Rechtfertigungen für bestimmte Kriege an. Sie scheinen sich mit den gewalttätigen Zielen des Nationalstaates zu identifizieren, die von den Lehren des Buddha (der häufig gegen jede Anwendung von Gewalt sprach) weit entfernt sind. Der Buddha kritisierte gewalttätige Könige und mächtige Herrscher und forderte sie auf, ihre Handlungsweisen zu ändern. … Man könnte meinen, dass praktizierende Buddhisten, die Zuflucht zum Buddha, Dharma und Sangha genommen haben, unerschütterlich das Ende der Tötungsmaschinen des Militärs fordern würden.

Die Position dreier einflußreicher Buddhisten in den USA:

1. Jon Kabat Zinn, Gründer des Zentrums für Achtsamkeit in Medizin, Gesundheit und Achtsamkeit, unterstützt den MMFT(Mindfulness-Based Mind Fitness Training)-Kurs für Marinesoldaten und Drohnen-Piloten. Der Gründer von MBSR, Jon Kabat-Zinn, sagt in der Inquiring Mind: „Verbunden mit Achtsamkeit ist eine Ausrichtung auf Nicht-Verletzen …. es impliziert oder lädt zumindest dazu ein, die Verbundenheit zwischen dem Seher und dem Gesehenen zu erkennen. Es ist eine nicht-duale Perspektive von Anfang an, auf einer ethischen Grundlage beruhend … Auch wenn es ihre ursprüngliche Motivation ist, Schaden zuzufügen, zu dem Zeitpunkt, an dem sie it dem Training fertig sind, können Sie eine andere Motivation haben. Ich vertraue darauf.“

Hilft Achtsamkeit, den Drohnenpiloten und Soldaten beizubringen, all ihr Engagement auf den Schlachtfeldern zu beenden, so dass sie eine andere Motivation bekommen und von Anfang an eine nicht-duale Perspektive entwickeln? Wenn ja, dann sollte Jon Kabat-Zinn diese Motivation für die Achtsamkeits-Kurse den Generälen, Drohnen-Piloten und Soldaten kristallklar deutlich machen. Die erste Pilotstudie für MMFT für die Marines fand im Jahr 2008 statt. Das war vor sechs Jahren.

Hat seither, nach einem Achtsamkeitskurs, eine Gruppe Marines im Einsatz sich geweigert, die lokale Bevölkerung in den muslimischen Ländern weiter zu töten und zu verletzen?

2. Jack Kornfield, Autor von Ein Weg mit Herz, und Gründer des „Spirit Rock Meditation Centre“, Marin County, Kalifornien, ist eines der acht Mitglieder des „Board of Advisors for Mindfulness Based Mind Fitness Training“ (MMFT), dass das Militär verwendet, um Drohnen-Piloten und Soldaten zu trainieren. Zwei Generäle und ein Kongressabgeordneter sind auch Mitglieder des Board of Advisors.

3. Bhikkhu Bodhi, der bedeutende Übersetzer aus dem Pali ins Englische der meisten der 10.000 Diskurse des Buddha, unterstützt bestimmte Kriege, um „Angreifer, die die territoriale Expansion oder die Weltherrschaft erringen wollen, abzuschrecken.“ Welche Supermacht hat er wohl im Sinn, wenn er so etwas schreibt?

… Was denken sich angesehene Buddhisten, wenn sie militärisches Achtsamkeitstraining unterstützen, bevor die davon erwartete „Widerstandsfähigkeit und geistige Rüstung“ auf den Schlachtfeldern eingesetzt wird? Glauben sie wirklich, dass MMFT irgendeine Beziehung zu dem Achtsamkeitstraining zur Beendigung von Gier, Hass und Verblendung hat, das der Buddha gelehrt hat?

Zu 3) Zitat – „Ich bin selbst der Meinung (auch wenn wir uns jetzt im Glaubensbereich bewegen), wenn die langfristigen karmischen Folgen von hasserfülltem Töten dem Täter bildlich real vor Augen geführt werden könnten, sich unter anderem alle Islamisten- und Nazi-Gruppen dieser Welt schlagartig in Luft auflösen würden.“

Da hast Du völlig recht – kann man aber nicht.

Zu 4) „Der Krieg gegen Hitler, den Bhikkhu Bodhi als Beispiel anführt, ist ein klarer solcher Fall, bei dem durch Gewalt noch viel größere Gewalt verhindert worden ist.“

Das Hitler Argument auch noch von Dir, echt jetzt? Äpfel mit Birnen vergleichen?

a) Abgesehen davon, daß es reine Spekulation von Dir ist, was wenn gewesen wäre, da Du nicht hellsehen kannst, lässt Du auch die verschiedenen Ursachen und Bedingungen, die zu Aufstieg und Fall dieses Regimes geführt haben, außer Acht; und behauptest einfach, die Lösung für Gewalt sei größere Gewalt.

b) Andere Möglichkeiten werden gar nicht in Betracht gezogen, wie etwa: Zusammenarbeit der UNO-Mitglieder für humanitäre Hilfe und Embargos/Isolation für alle Beteiligten. Waffenlieferungen stoppen, Geldflüsse abschneiden, Druck auf Zulieferfirmen (von der Druckerpatrone bis zum Caterpillar) ausüben, Flüchtlinge aufnehmen, Strategien der Friedessforschungsinstitute umsetzen, um Krieg von vorneherein zu verhindern. Und da gibt es sicher noch viel mehr, was man tun könnte, anstatt dessen, was jetzt gängige Praxis ist.

c) Niemand kann die endlosen samsarischen Wechselwirkungen überblicken und behaupten, größeres Leid würde durch diese oder jene Aktion verhindert.

Und natürlich, d) ignorierst Du auch das Buddhawort: Dhp 3-5:

„Beraubt bin ich, besiegt, geschlagen und geschändet“, Solange man so denkt, wird Feindschaft nicht beendet. „Beraubt bin ich, besiegt, geschlagen und geschändet“, Wenn man so nicht mehr denkt, wird Feindschaft bald beendet. Denn Feindschaft wird durch Feindschaft nimmermehr gestillt; Versöhnlichkeit schafft Ruh‘ – ein Satz, der immer gilt.“

Statt Feindschaft kann man auch Gewalt einsetzen. Und gerade die Situation Israel-Palestina beweist das doch. Statt sich gegen die Hamas zu wenden, die ihre eigenen Leute als „Schutzschilde“ benutzt, wird mit jeder Tötung von Hamas-Führern der Hass auf Israel größer und die Hamas bekommt jede Menge neue Rekruten. Und in Israel wächst mit jedem Angriff wieder der Hass auf die Palestinenser und so geht es weiter und weiter.

Zudem ist Dir vielleicht schon einmal aufgefallen, daß wenn der „Westen“ Muslime angreift, dann wird überall demonstriert, Fahnen werden verbrannt und Rache geschworen. Wenn aber Muslime Muslime angreifen (und die haben inzwischen schon mehr von ihren eigenen Leuten umgebracht als der „Westen“) herrscht Stille im Land. Daraus kann man lernen, daß Waffen für Kurden oder Angriffe auf IS dem „Westen“ keine Freunde machen wird.

e) Der Buddha ist jedenfalls eindeutig und macht keine Unterscheidung, wie Du in 2) behauptest; M 21:

„Ihr Bhikkhus, sogar wenn Banditen euch barbarisch Glied für Glied mit einer Doppelgriffsäge in Stücke teilen würden, würde derjenige, der einen verdorbenen Geist ihnen gegenüber entstehen ließe, meine Lehre nicht befolgen. Darin, ihr Bhikkhus, solltet ihr euch so üben: ,Unser Geist wird unbeeinträchtigt bleiben, und wir werden keine bösen Worte äußern; wir werden in Mitgefühl für ihr Wohlergehen verweilen, mit einem Geist voll Liebender Güte, ohne inneren Haß. Wir werden verweilen, indem wir sie mit einem Herzen durchdringen, das von Liebender Güte durchtränkt ist; und mit ihnen als Objekt werden wir verweilen, indem wir die allumfassende Welt mit einem Herzen durchdringen, das von Liebender Güte durchtränkt ist – unerschöpflich, erhaben, unermesslich, ohne Feindseligkeit und ohne Übelwollen.‘ Auf solche Weise solltet ihr euch üben, ihr Bhikkhus.“

Zu 6) Auch zu Buddhas Zeiten waren die Antriebe für Kriege, Folterungen, Waffenhandel etc. schon Gier, Hass und Verblendung und es gab unglaubliche Brutalitäten, von denen sogar IS und Boko Haram noch etwas lernen könnten. Ebenso gab es alle möglichen merkwürdigen Ansichten wie in D1 dargelegt – da ist nichts Neues dazu gekommen, außer man betrachtet das Ersetzen von Speerwerfern durch Raketenwerfer als qualitativen Sprung.

Zu 7) Das Argument, daß Waffenlieferungen an die Kurden verpflichtend seien, weil man ja auch die Saudis etc. beliefert habe, hat mir nun wirklich die Schuhe ausgezogen. Die kurdische PPK ist bei uns noch immer verboten, aber im Irak sollen wir ihnen Waffen liefern? Die IS wurde auf türkischen Staatsgebiet von der CIA ausgebildet und finanziert, um Assad zu bekämpfen, und deshalb ist es verpflichtend, die Peshmerga nun ebenfalls an diesem „Segen“ teilhaben zu lassen? Das Nato-Mitglied Türkei wird sich freuen, wenn die Kurden dann wieder für ihren eigenen Staat auch auf dem Gebiet der Türkei kämpfen. Die Bewaffnung militanter Gruppen hat ja auch von jeher so gut funktioniert, Afghanistan, Lybien und, und, und. Kennst Du Einsteins Definition von Wahnsinn?

Zu 7) auch noch ein Kommentar von Prantl aus der SZ:

„Es ist falsch, den Kurden deutsche Waffen und deutsches Kriegsgerät zu liefern. Ist es womöglich noch falscher, es nicht zu tun – weil man dann dem Unheil seinen Lauf lässt? Viele sehen das so. Die Bundesregierung hat entschieden, Waffen in den Nordirak zu liefern.

Dieser Grundsatzbeschluss verstößt gegen die Grundsätze deutscher Politik, wonach der Export von Waffen in Kriegsgebiete grundsätzlich verfehlt, unvernünftig und widersinnig ist. Die Bundesregierung meint aber, die Lage im Nordirak sei so barbarisch, dass Ausnahmen erlaubt sind. Sie glaubt, dass militärische Nothilfe für die von den IS-Truppen verfolgten Menschen notwendig ist – und dass die Kurden zwar nicht die idealen Nothelfer seien, aber halt keine anderen da sind. Waffen geraten schnell in andere Hände.

Es hat seinen Grund, warum es heute nur falsche Entscheidungen gibt: weil die US-Politik, weil die Politik des Westens im Irak und in Syrien so falsch war. Pax Christi hat darauf hingewiesen, dass die Türkei und die USA von Ankara aus die Soldaten des Islamischen Staats (IS) in Syrien stark gemacht haben; und darauf, dass Deutschland Saudi-Arabien und Katar mit Kriegsgerät beliefert hat, also die Staaten, die den Islamischen Staat aktiv unterstützen.

Die katastrophale Lage in Syrien und im Irak ist auch Folge der interventionistischen Politik des Westens. Das ist nicht unbedingt eine Empfehlung dafür, schon wieder auf interventionistische Politik zu setzen. Wie schnell Waffen in andere Hände geraten, zeigt sich in dem Krieg, in den Deutschland jetzt mit Waffen eingreifen will: Die IS-Truppen hantieren mit US-Waffen, die sie bei der Eroberung von Mossul erbeutet haben; die USA hatten sie geliefert, damit der Irak einen islamistischen Aufstand niederschlagen könne. Das lehrt, wieder einmal: Auf Waffenlieferungen ruht kein Segen. Deshalb sagt die Bundesregierung, was immer gesagt wird, wenn militärisch eingegriffen wird: Waffenexport nur nach sorgfältigster Prüfung, als Ultima Ratio.

Wie sehen die Zahlen für Hilfsgüter aus Deutschland aus?

Das klingt nach gerechtem Krieg, nach Augustinus und Kant. Wer Ultima Ratio sagt, tut so, als sei alles andere vergeblich versucht worden. Genau das stimmt nicht: Der Nordirak leidet nicht gerade an Waffenmangel; die Menschen dort leiden an einem Mangel an Nahrungsmitteln und Hilfsgütern. Die Türkei blockiert die Transporte. Bevor Deutschland Waffen liefert, möchte man wissen: Wie sehen die Zahlen für Hilfsgüter aus Deutschland aus?

Ist es zynisch, wenn die Kritiker von Waffenlieferungen nun sagen, die Drecksarbeit, also die Bekämpfung der IS-Truppen, sollten doch die Amerikaner leisten, die das alles mit angerichtet hätten; dafür brauche man doch die Deutschen nicht! Ja, das ist zynisch. Aber es ist auch zynisch, wenn die Joschka Fischers sich zynisch vor den Kritikern der Waffenlieferungen aufbauen und ihnen sagen, dass man mit Gebetskreisen nichts erreicht. Und es ist auch zynisch, wie die Opfer der nordirakischen Krieges behandelt werden. Der Beschluss, ein Kontingent Waffen zu liefern, fällt offenbar leichter als der Beschluss, ein Kontingent Flüchtlinge aufzunehmen.“

Servus, Viriya

5 Hans August 21, 2014 um 21:07

Lieber Manfred,

Danke für Deinen Kommentar sowie die Übersetzung der wichtigen Debatte zwischen Bhikkhu Bodhi und Thanissaro Bhikkhu, diesen beiden besonders prägenden westlichen Theravada-Mönchen.

Angesichts der aktuell deutlich zunehmenden Konflikte in der Welt ist die Frage des Verhältnisses der Lehre des Buddhas bzw. deren Praktizierender zur Gewalt von besonderer Bedeutung.

Deshalb werde ich Dir hier ausführlicher antworten, auch zu dieser ganzen Frage von frühem Buddhismus und Gewalt.

Die folgenden Sinneinheiten habe zur besseren Übersicht numeriert:

1) Der frühe Buddhismus bzw. die Reden des Palikanons sind in der Tat eindeutig, was die Frage der Gewaltanwendung angeht: Sie verneinen diese kategorisch.

Das von Bhikkhu Bodhi berühmte kurze Sutta (SN 42, 3) der Systematischen Sammlung bringt es auf den Punkt. Dort fragt ein Krieger den Buddha, ob er, wenn er in der Schlacht fiele, im Himmel der „in der Schlacht gefallenen Götter“ wiederkehren würde. Der Buddha möchte es nicht beantworten.

Der Krieger beharrt jedoch auf einer Antwort. Schließlich betont der Buddha, dass das Gegenteil eintreten würde; und zwar aus den folgenden beiden Gründen:

A) Der Krieger in der Schacht sei von Vernichtungswillen bzw. Hass motiviert. Die karmische Folge dieses Willens ist Leiden.

B) Der Krieger hat die irrige Ansicht, dass die Folge seiner Taten eine himmlische Belohnung sei. Auch die Folge einer solchen irrigen Ansicht sei der nachtodliche Fall in das Leiden.

Der Krieger bedankt sich beim Buddha. Er ist sogar so erschüttert, dass er schuchzen muss; und er erklärt es mit seiner Empörung über die Armeeausbilder und militärischen Lehrer, die das Gegenteil lehren und damit die Menschen betrügen sowie in den Abgrund führen würden.

2) Klare Worte! Aber lies bitte hier einmal genau:

Der Hauptgrund für den Fall des Kriegers ist sein Vernichtungswillen, laut dem Sutta der folgende, eindeutig extrem hasserfüllte Wille, nämlich: „Mögen diese Wesen getötet, niedergemetzelt, vernichtet, zerstört und ausgelöscht werden!“; sowie seine irrige Ansicht, womit er – ausgehend von den Lehren seiner Vorgesetzten – vermutet, dass diese Haltung für ihn eine positive Folge habe.

Hier liegt übrigens auch eine massive Kritik des Buddhas an den damaligen oder heutigen militärischen Ausbildungsstrukturen bzw. Lehren, die Menschen „dämonisieren“ oder als Inbegriffe des „Bösen“ kategorisieren.

Es ist hier alleine die innere Haltung des Hasses, die vom Buddha kategorisch zurückgewiesen wird.

Aber was ist jetzt für die Fälle, wo lediglich äußere Gewalt angewandt wird (etwa mit lasergesteuerten Bomben oder Drohnen); und zwar aus der Erkenntnis, dass wenn sie nicht stattfände, noch viel größeres Leid entstünde?

Im Mahayana-Buddhismus gibt es eine Reihe von Beispielen von Bodhisattvas, die ohne Hass gezielt Gewalt anwenden, um damit größere Gewalt und größeres Leid zu verhindern – und zwar sowohl für die potenziellen Betroffenen des Täters, der vom Bodhisattva getötet wird, als auch (wichtig!) für den getöteten Täter, weil er sich über die langfristigen karmischen Folgen seines Tuns nicht im Klaren ist.

Ein Beispiel eines solchen Bodhisattvas ist unter anderem Supuspacandra, der im „Eintritt in den Wandel zum Erwachen“ des Hauptvaters des mahayanistischen Bodhisattva-Ideals, nämlich von Shantideva, beschrieben wird (Kapitel 8, Vers 106 – mit dem maßgeblichen erklärenden Kommentar von Prajnakaramati).

Dieses ganze Ideal ist nicht bloß „Mahayana“. Es geht vielmehr exakt von jener Unterscheidung aus, die schon der Buddha selbst gemacht hat!

3) Ich bin selbst der Meinung (auch wenn wir uns jetzt im Glaubensbereich bewegen), wenn die langfristigen karmischen Folgen von hasserfülltem Töten dem Täter bildlich real vor Augen geführt werden könnten, sich unter anderem alle Islamisten- und Nazi-Gruppen dieser Welt schlagartig in Luft auflösen würden.

Aber dabei gibt es immer die Möglichkeit der „inneren Umkehr“, wie etwa die Geschichte vom Massenmörder und späteren Befreiten Angulimala in den Reden des Buddhas im Palikanon zeigt.

Wir leben in einem gesetzvollen Universum. Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge gelten nicht bloß in der Natur, wie sie von den Naturwissenschaften in den letzten Jahrhunderten immer weitgehender aufgedeckt worden sind. Sie gelten genauso für den gesamten Bereich des Geistigen und auch das Verhältnis von Leben zum nachtodlichen Zustand. Ein eternalistisches „Ewiges Leben“ oder ein nihilistisches „Nichts“ sind psychologisch betrachtet leicht erklärbare Wunschvorstellungen – nämlich von der Verewigung des Lebens, das stark festgehalten wird; oder von einer Art negativem erlösendem „Nirvana“ bzw. einem großen befreienden „Nichts“.

Solche Folgen des Lebens sind genau genommen völlig unmöglich:

Denn aus einer vergänglichen Ursache (Leben) kann niemals eine unvergängliche Wirkung („Ewiges Leben“ oder absolutes „Nichts“) hervorgehen.

Ursache und Wirkung sind immer gleichartig. Folglich gibt es überall im Universum immer bloß vergängliche Wirkungen. Dies bedeutet im Falle des Verhältnisses des Lebens zum nachtodlichen Zustand – ein neues und vergängliches Leben, das heißt die „Wiedergeburt“.

Man kann natürliches etwas beliebiges Anderes behaupten – etwa das „Ewige Leben“ oder das absolute „Nichts“. Aber kein bißchen weniger wahrscheinlich ist es dann, dass zum Beispiel das fliegende Spaghettimonster die Welt erschaffen habe und man bloß mit fünfmal Spaghetti die Woche in den Himmel komme, aber dabei unbedingt „Bolognese“ :-).

Intentionen bzw. ihre inneren Qualitäten haben entsprechende (karmische) Folgen, in Form des entsprechenden neuen Lebens. Es kann nicht bewiesen werden. Aber es ist die mit Abstand plausibelste Möglichkeit von allen, die den naturgesetzlichen Kausalitäten und der Allvergänglichkeit nicht widerspricht!

Auch gibt es damit eine relativ plausible Erklärung über ein rationales „Gesetz“ für die ganz gewaltigen Schicksals- und Geburtsunterschiede auf der Welt, was die Erfahrung von Glück und Leid angeht – ohne gleichsam einen Mega-Psychopathen oder Super-Sadisten „Gott“ annehmen zu müssen, dem es gefallen würde, die einen in der Villa in en USA und die anderen in der Hungerkatastrophe oder im Kriegsland geboren werden zu lassen; oder dem es gefallen würde, die einen Wesen als „Tiere“ in den unterschiedlichsten Ausprägungen und die anderen als „Menschen“ geboren werden zu lassen!

Aber laut der Lehre des Buddhas determiniert die Ausgangslage einen Menschen niemals. Demnach gibt es immer vier „karmische“ Möglichkeiten – vom Negativen ins Positive, vom Negativen ins noch Negativere; vom Positiven ins Negative und vom Positiven ins noch Positivere.

Dabei ist die positive Ausgangslage kein Garant für den Gang ins noch Positivere, weil sie häufig zu negativem Verhalten führt, indem das Erlangte um jeden Preis (auch auf Kosten anderer) zu mehren versucht wird. Die reichen Stifter etwa oder ein Bill Gates, der sein Riesenvermögen in eine wohltätige Stiftung gesteckt hat, sind nicht repräsentativ.

Alles hängt von den karmisch wirkmächtigen „Handlungsintentionen“, der Qualität der Motive bzw. der inneren „Achtsamkeit“ in jedem Moment bzw. in jeder Lebenssituation ab.

„Unheilsame“ Motive (wie Hass, Gier, Geiz, Neid, Stolz usw.) bedingen über kurz oder lang Leiden und leidvolle Umstände. „Heilsame“ Motive (wie Liebe, Mitgefühl, Mitfreude, Gleichmut, Geben, Freiheit von Hass oder Gier usw.) bedingen über kurz oder lang Glück und glückvolle Umstände.

4) Der Krieg gegen Hitler, den Bhikkhu Bodhi als Beispiel anführt, ist ein klarer solcher Fall, bei dem durch Gewalt noch viel größere Gewalt verhindert worden ist.

Wir würden heute alle in einer absoluten Horrorwelt mit unzähligen Formen von Gewalt, großflächiger Versklavung, Auslöschung ganzer Völker, Vernichtung aller Andersdenkenden, unabhängigen Intellektuellen und Freigeister, hochsystematischer Manipulation der Menschen, „totaler“ Vereinheitlichung bzw. Ideologisierung des Denkens, zahllosen Konzentrationslagern zur schnellen „Erledigung“ usw. usf. leben, wenn Hitler nicht mit großer Gewalt gestoppt worden wäre.

Ein allgemeiner buddhistischer Gewaltverzicht in Deinem oder Thanissaro Bhikkhus Sinne dagegen hätte in jener damaligen Situation eindeutig zu jener Horrowelt geführt, ohne jeden Zweifel!

So gesehen ist die von Dir und Thanissaro Bhikkhu vertretene Haltung im Grunde eine „Verfehlte Ansicht“. Denn das Kriterium für letztere ist immer bloß, ob sie zu Leiden führt oder nicht. Und wenn Gewaltverzicht unter bestimmten Umständen zu noch deutlich mehr Leiden führt als Gewaltausübung, sind die hinter dem Gewaltverzicht stehenden Ansichten eindeutig „verfehlt“ (miccha).

Und alle Formen von gewaltlosem Widerstand wären in einer Naziwelt unter großem Gelächter von SS-Killern mit Genickschüssen bedacht worden. Unter den relativ zivilisierten Briten ist ein Mahatma Gandhi damit noch durchgekommen. Bei den Nazis wäre dies nicht der Fall gewesen!

Ein „islamischer Staat“ oder „Boko Haram“ sind nun exakt des gleichen Geistes „Kind“. Bloß dient jetzt als Ideologiegrundlage nicht der Nationalsozialismus, sondern der Islam in der (durch die islamischen Quellen belegbaren) Interpretation der Islamisten. Es sind bloß äußere, eher kosmetische Unterschiede, mit den genau gleichen Inhalten.

So gesehen sind Thanissaro Bhikkhus Argumente klar zurückzuweisen.

Sie sind typisch für einen textfixierten Mönch, dem es am Blick für die Weltrealitäten mangelt.

Offenbar hat er auch ein Konkurrenzproblem gegenüber Bhikkhu Bodhi, der klar noch einflussreicher als er ist, anders gelagerte, umfassendere und die meistzitierten Übersetzungen der Redensammlungen des Palikanons gemacht hat, und der letztlich aus der „Einsichts“-Tradition von Mahasi Sayadaw kommt (im Unterschied zu Thanissaros Hintergrund der „Ruhe“-Tradition von Ajahn Lee Dhammadaro).

5) Die derzeit inflationären islamistischen Gruppen in diversen Ländern der arabischen Halbinsel und Afrikas mit ihren Leitideen bzw. Ideologien sind das Paradebeispiel bzw. der Paradebeleg dafür, warum der Buddha die „Treffliche Sicht“ als das wichtigste Glied des Achtfachen Pfades bzw. die „Verfehlte Sicht“ als besonders verheerend eingestuft hat!

Hier liegt übrigens auch der Grund, warum jeder Monotheismus und dessen Denk-Ableger des ganzen „gut oder böse“-Denkens (wie weiter oben dargestellt) – zum Beispiel der Westen mit seiner Sicht auf „das Böse“ des „Islamischen Staates“ oder die Islamisten auf die „Ungläubigen“ – kritisch zu betrachten ist; und zwar ganz im Sinne des Buddhas (siehe dazu meinen Ergänzungsbeitrag zu Den Buddha Töten von Sam Harris, mit den Belegen aus dem Palikanon).

Es ist der selbstgerechte, monotheistische „gut oder böse“-Dualismus im Denken, der jene Haltung bzw. jenen Vernichtungswillen befeuert, den der Buddha wie oben zitiert eindeutig zurückweist.

Deshalb leisten ein Jan Fleischhauer oder die vielen weiteren Vertreter jenes Denkens keinen wichtigen Beitrag zu einer Lösung.

Diese muss im Denken beginnen, das stringent das „Abhängige Entstehen“ hinter den Phänomenen in Augenschein nimmt. Hier gibt es keinen „gut oder böse“-Dualismus. Hier gibt es immer bloß Bedingtes, Gewordenes oder Abhängig Entstandenes!

Denn trotz jener extremen Grade des unheilsamen Verhaltens, wie es die Nationalsozialisten oder gegenwärtig die Islamisten vom „Islamischen Staat“ oder „Boko Haram“ praktizieren, sind sie nicht „böse“ (bzw. „des Teufels“). Sie sind extrem „unbewusst“, das heißt „nicht sehend“, indem sie sich selbst von verschiedenen Bedingungen „blind“ bestimmen lassen!

Ihr Verhalten hat keinen metaphysischen Ursprung in irgendeinem „Satan“, genauso wie das Verhalten der Wohltäter keinen metaphysischen Ursprung in irgendeinem „Gott“ hat.

Das jeweilige Verhalten ist nämlich immer bloß das Resultat eines jeweils spezifischen „Abhängigen Entstehens“, das jedoch sehr komplex werden kann (siehe oben die Stichpunkte zum „Abhängigen Entstehen“ des Islamismus).

Es ist jenes monotheistisch verwurzelte „gut oder böse“-Denken, was „selbstgerecht“ (bzw. identifiziert mit dem „Guten“) die Sicht darauf blockiert und verhindert!

Damit kann dieses Denken unmöglich zu einer wirklichen Lösung führen.

So können auch die Jan Fleischhauers – der aktuelle Spiegel etwa hat die (christliche) Titelstory „Der Staat des Bösen“ -, die explizit christlich inspirierten Joachim Gaucks und selbst ein aufgeklärter und kluger linker, aber letztlich auch christlich denkender Konstantin Wecker nicht zu einer wirklichen Lösung beitragen.

Es ist schlicht eine irrige Sicht auf die Dinge, die – mit dem Buddha gesprochen – ausgesprochen „unheilsam“ bzw. „unzweckmäßig“ ist, weil es eine kardinale „Verfehlte Sicht“ ist.

Außerdem lenkt diese Sicht von den eigenen Anteilen am Entstehen des Phänomens ab, das man als „böse“ tituliert (siehe oben beim „Anhängigen Entstehen“ des Islamismus die Anteile des Westens daran; oder weiter unten).

6) Ich bin übrigens der Meinung, dass der Buddha explizit bestimmte Differenzierungen gemacht hätte, wenn er gewusst hätte, wohin die „Verfehlten Ansichten“ in den späteren Jahrhunderten – vor allem im 20. Jahrhundert oder heute mit den diversen Islamismen – noch führen würden. Das sprengt alle Beispiele, die es zur Zeit des Buddhas oder vorher gab.

Damals gab es auch nicht die späteren christlichen oder islamischen „Mega-Monotheismen“, die zur Zeit des Buddhas eindeutig als besonders ausgeprägte Formen des „Ewigkeitsglaubens“ (Eternalismus) und somit als besonders ausgeprägte „Verfehlte Ansichten“ gegolten hätten. Dies gilt auch für alle „unpersönlichen“ Gottesvorstellungen (siehe dazu jenen eigenen Ergänzungsbeitrag zu Sam Harris, mit den genauen Belegen).

Solche Fakten wollen viele deutschsprachige und westliche „Buddhisten“ einfach nicht sehen (nicht zuletzt wegen eines häufigen starken christlichen Hintergrunds).

Deshalb halte ich etwa einen Sam Harris, dem es als langjährigem Vipassana-Praktizierenden um eine adäquate moderne Spiritualität geht und der zugleich ein maßgeblichen Vertreter des „Neuen Atheismus“ ist, für deutlich treuer gegenüber den frühbuddhistischen Quellen als die meisten deutschsprachigen und westlichen „Buddhisten“.

7) Zu Deinem Argument, dass Waffen dort „sehr schnell ihre Besitzer wechseln“:

* Die Kurden haben insgesamt eine bedrohte Sonderstellung in der arabischen Welt. Aus diesem Grunde werden sie die Waffen von sich aus sicherlich nicht weitergeben.

Selbst wenn es zu einem kurdischen Staat käme, der die verschiedenen einander benachbarten Kurdengebiete vereinen würde, wäre es eigentlich bloß eine rechtmäßige Korrektur von Grenzen, die im „Vertrag von Lausanne“ nach dem 1. Weltkrieg aus Eigeninteressen ohne Rücksicht auf ethnische Einheiten gezogen worden sind.

Oder:

Die Konflikte im heutigen Afrika sind vor allem das Ergebnis von willkürlichen Staatenbildungen auf der „Berliner Konferenz“ 1884-85 (auch „Kongokongress“ genannt), mit denen die Kolonialmächte – selbstverständlich christlich-kirchlich abgesegnet – ihre erbeuteten Kolonien voneinander abgesteckt haben.

Dies geschah auch nach dem kolonialen Motto „teile und beherrsche (viel leichter)!“ oder „teile, bringe unterschiedliche Ethnien, Stämme, Religionen usw. in einer Nation zusammen und bringe damit die Gruppen gegeneinander auf“.

So heißt es dazu auf einem Wissensportal:

„Innerhalb von nur zwei Jahrzehnten kam es zur Besetzung fast des gesamten afrikanischen Kontinents. Die meisten Gebiete innerhalb Afrikas wurden 1885 auf der „Kongokonferenz“ in Berlin zwischen den europäischen Mächten aufgeteilt. Die Landkarte Afrikas wurde grundlegend umgestaltet und willkürliche Grenzen teilten den Kontinent in britische, französische und deutsche Territorien ein. Die bestehenden Grenzen wurden dabei völlig ignoriert. … Die willkürlich festgelegten Grenzen der Kolonialzeit sind noch immer Grund vieler Konflikte und Kriege innerhalb der verschiedenen Völker und Stämme Afrikas. … Zudem entsprachen die Landesgrenzen, die die Kolonialisten zurückließen, nicht den ursprünglichen Grenzen zwischen den Völkern, die jeweils ihre eigene Sprache, Religion oder Kultur hatten. So kam es nach dem Aufheben der Kolonien zu gewalttätigen Auseinandersetzungen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen, die in den von den Kolonialmächten „geschaffenen“ Staaten lebten. Bis heute dauern diese Konflikte zwischen den afrikanischen Völkern an. Immer wieder kommt es zu blutigen Bürgerkriegen.“

* Deutschland ist ein Hauptlieferant von Waffen an Saudi-Arabien und Katar. Laut Tilman Zülch von der „Gesellschaft für bedrohte Völker“ sind von Deutschland zwischen 1999 und 2013 an Saudi-Arabien Waffen für 5,3 Milliarden Euro geliefert worden. Saudi-Arabien finanziert gezielt die Terrorgruppen „Islamischer Staat“ und „Boko Haram“ und stattet sie auch teils militärisch aus. Bereits früher haben deutsche Waffenfirmen eine Giftgasindustrie in Irak aufgebaut, womit Kurden vergast worden sind. MBB hat Sadam Hussein die Hubschrauber geliefert, mit denen seinerzeit zahlreiche kurdische Dörfer vernichtet worden sind.

Die Waffenlieferungen an die Kurden werden intensiv in aller Öffentlichkeit diskutiert. Die Waffenlieferungen an Saudi-Arabien und Katar oder früher an Saddam Hussein sind keineswegs ähnlich intensiv diskutiert worden. Der deutsche Staat hat also Terror-Förderer ohne größere Selbstzweifel versorgt und unterstützt. Bei Terror-Eindämmern wie den Kurden dagegen wird lang und breit diskutiert.

Das deutsche Recht verbiete, Waffen in „Krisengebiete“ zu liefern – heißt es und wird betont. Aber die Verursacherländer dieser Krisen können rechtlich massiv beliefert werden, solange sie keine „Krisengebiete“ sind??

Was ist das denn für ein Recht? Merkst Du etwas?

Meinst Du nicht, dass angesichts all dessen der deutsche Staat jetzt wenigstens aktiv werden muss, um den Schaden einzudämmen, zu dem er selbst (wenngleich indirekt) stark beigetragen hat?

* Außerdem ist vom deutschen Staat die größte Terrororganisation der Weltgeschichte ausgegangen, die Nazis.

Deren historisch unvergleichlichen Zivilisationsbrüche und Vernichtungsantisemitimismus dienen vielen späteren Terrorgruppen als Vorbild, besonders in der arabischen Welt im Konflikt mit den Israelis. Auch deshalb hat Deutschland eine besondere Verantwortung, die Kurden zu unterstützen.

Tschüss, Hans

6 Manfred Wiesberger August 20, 2014 um 11:21

(Vorwort des Admins:

Der folgende Kommentator, Manfred Wiesberger, ist früher Mönch unter einem der einflussreichsten Mönche Thailands, Ajahn Buddhadasa, gewesen, Übersetzer buddhistischer Literatur, Mitgestalter des Projektes „Dhamma Dana“ und Führungsmitglied der „Buddhistischen Gesellschaft München“.

Der im Folgenden von Manfred zitierte Beitrag von Bhikkhu Bodhi Artikel ist im Original nicht direkt zugänglich. Hier ist zumindest der Link zu der aktuellen Ausgabe von Inquiring Mind.)

Lieber Hans,

Zu dem unsäglichen Abschnitt E) Deines Kommentars, also der Befürwortung von Gewaltanwendung und Waffenlieferungen in ein Gebiet in dem Waffen sehr schnell ihre Besitzer wechseln, möchte ich auf einen Artikel von Bhikkhu Bodhi im Inquiring Mind verweisen, den ich hier Ausschnittsweise übersetzt habe und vor allem auf die Antwort dazu von Thanissaro Bhikkhu (vollständig übersetzt):

1) BHIKKHU BODHI in der Inquiring Mind:

„Vor d(ies)em Hintergrund des sozialen Chaos und der persönlichen Orientierungslosigkeit legte der Buddha eine Ethik der Harmlosigkeit dar, die Gewalt in all ihren Formen – von ihrer kollektiven Manifestation in bewaffneten Konflikten bis hin zu ihren subtilen Regungen wie Wut und Groll – ablehnt. Er stützte diese Ethik auf Empathie, der Fähigkeit, sich an die Stelle des anderen zu versetzen. …

Was (aber) passiert mit unserer Verpflichtung zur Harmlosigkeit, wenn das Übel des Krieges notwendig scheint, um ein größeres und zerstörerisches Böses abschrecken? Die Lehrreden, das muss klar gesagt werden, geben keine moralische Rechtfertigung für den Krieg. Wenn wir also die Texte als Darlegung absoluter moralischer Werte ansehen, müsste man zu dem Schluss kommen, dass Krieg niemals moralisch gerechtfertigt sein kann.

Ein kurzes Sutta erklärt auch kategorisch, dass ein Krieger, der im Kampf stirbt, in der Hölle wiedererscheint – was bedeutet, dass die Teilnahme an Kriegen essentiell unmoralisch ist (SN 42: 3).

Dieses Dekret scheint jedoch nicht zu unseren heutigen Normen zu passen, die Bedingungen anerkennen, unter denen der Griff zu den Waffen erlaubt ist. …

Die Frage stellt sich (wieder):

Während die Einhaltung von Gewaltfreiheit für eine Regierung ein Ideal ist, wie sollte sie auf wirkliche Gefahren für die Bevölkerung reagieren? Und wie soll die internationale Gemeinschaft mit einer Nation umgehen, die ihren Willen mit Gewalt durchsetzen will? Während die absolute Gewaltfreiheit die Regel sein kann, wenn keine Umstände ersichtlich sind, die im Gegensatz dazu stehen, können bestimmte Situationen moralisch komplex sein und gegensätzliche moralische Ansprüche beinhalten. …

Regierungen erhalten ihre Legitimität teilweise von ihrer Fähigkeit, ihre Bürger vor skrupellosen Aggressoren zu schützen, die ihr Territorium erobern und ihre Bevölkerung unterwerfen wollen. … Wenn eine Nation die Regeln des friedlichen Zusammenlebens verletzt, mag die Verpflichtung, Aggression einzudämmen, vor der Verpflichtung, Gewalt zu vermeiden, den Vorrang haben. …

Das moralische Spannungsfeld, dem wir im realen Leben begegnen, sollte uns vorsichtig machen, die buddhistischen ethischen Vorschriften als unqualifizierte Absolute zu interpretieren. Und doch erkennen die Texte des frühen Buddhismus niemals Umstände an, die die Universalität der grundlegenden Verhaltensregeln oder moralischen Werte aufweichen könnten.

Um die Dissonanz zwischen dem moralischen Idealismus der Texte und den pragmatischen Anforderungen des Alltags zu lösen, würde ich zwei Bezugssystem für das Treffen moralischer Entscheidungen vorschlagen. Ich werde den einen den befreienden Bezugsrahmen und den andere den pragmatisch-karmischen Bezugsrahmen nennen.

Der befreiende Bezugsrahmen gilt für diejenigen, die so schnell wie möglich unbeirrt in Richtung des Endziels des Dharma, der Aufhebung des Leidens, vorankommen wollen. …

Ein strenges Regime des Nicht-Verletzens ist unabdingbar. Wenn man zur Wehrpflicht aufgerufen ist, muss man ein Kriegsdienstverweigerer werden oder sogar ins Gefängnis gehen, wenn es keine Alternative gibt. Wenn man mit der Wahl konfrontiert wird, das eigene Leben zu opfern oder das Leben eines anderen zu nehmen, muss man bereit sein, das eigene Leben zu opfern – im Vertrauen darauf, dass dieser Akt der Entsagung den Fortschritt beschleunigt. …

Der pragmatisch-karmische Bezugsrahmen dient als Matrix der moralischen Reflexion für diejenigen, die sich den buddhistisch-ethischen Werten verpflichtet haben, die aber allmählich in Richtung endgültiger Befreiung voranschreiten wollen – durch eine Reihe von Leben, anstatt es direkt zu versuchen. …

Während die höchsten moralischen Standards als Ideale hochgeachtet werden, würde ein solcher Übender bereit sein, gelegentlich Zugeständnisse als eine praktische Notwendigkeit zu machen. Die Prüfung der Integrität ist hier nicht das unerschütterliche Befolgen moralischer Regeln, sondern die Weigerung, sie kleinlichen Eigeninteresse zu unterwerfen.

Ich würde behaupten, in Zeiten des Krieges kann der karmische Bezugsrahmen den Eintritt in die Armee und den Dienst mit der Waffe rechtfertigen – vorausgesetzt, man glaubt aufrichtig, dass der Grund für den Kampf darin besteht, einen gefährlichen Angreifer auszuschalten und sein Land und seine Bürger zu schützen. …

Angenommen, wir lebten in den 1940er Jahren, als Hitler versuchte, die Weltherrschaft zu erlangen. Wenn ich mich dann einer Kampfeinheit anschließe, ist meine Teilnahme an diesem Krieg als moralisch verwerflich zu betrachten, obwohl es mein Ziel ist, die mörderische Kampagne eines rücksichtslosen Tyrannen zu blockieren? Können wir sagen, dass die Treue zum Dharma uns verpflichtet, im Angesicht der brutalen Aggression passiv zu bleiben, oder Verhandlungen zu verfolgen, wenn es offensichtlich ist, dass diese nicht funktionieren? Würde wir nicht vielmehr darauf bestehen, dass in dieser Situation militärische Aktionen, um die Angreifer zu stoppen, lobenswert, ja verpflichtend, sind und dass die Handlungen eines Soldaten als moralisch verdienstvoll zu beurteilen seien?“

2) THANISSARO BHIKKHU: To the Editors of Inquiring Mind:

„1. Der Artikel stellt eine falsche Dichotomie dar, die einen schweren Mangel an moralischer Phantasie verrät. Beim Umgang mit einem Feind, der die Freiheit oder das Überleben einer Nation bedroht, warum muss hier die Wahl zwischen wirkungslosen, unrealistischen Methoden und vorsätzlichem Mord bestehen? Gibt es keine geschickten Alternativen dazwischen?

2. Der Artikel ist unklar in Bereichen, wo er kristallklar sein sollte. Es wird behauptet, dass es eine Linie gäbe zwischen Zeiten, in denen vorsätzliche Tötung moralisch verwerflich sei, und Zeiten, in denen es moralisch lobenswert sei. Aber er gibt dann keinen klaren Hinweis darauf, wann diese Linie überschritten werde.

3. Der Artikel ist naiv. Es wird davon ausgegangen, dass es eine klare Art der Berechnung gebe, wann ein geringeres Übel ein größeres Übel verhindere. Aber welche klare Grenze bestimmt denn, was in dieses Kalkül mit einfließt und was nicht? Kann man die Vergeltung von Menschen, die das „kleinere Übel“ rächen wollen, außer Acht lassen? Kann man die Menschen, die sich ein Beispiel daran nehmen und ihren eigenen Ideen, was ein geringeres Übel darstellt, einbringen, außer Acht lassen? Wie viele Generationen oder Lebenszeiten will man berücksichtigen?

4. Der Artikel ist ungenau, da er suggeriert, dass der Buddha nicht beabsichtigte hätte, dass die Regel gegen absichtliches Töten unter allen Umständen zu gelten habe.

5. Der Artikel ist unehrlich. Er verwirft beiläufig den Grundsatz gegen das Töten, weil es eine moralische Absolute sei. Dann sagt er, dass es Umstände gebe, in denen die Notwendigkeit der Regierung, ihre Bürger zu schützen, das Gebot gegen das Töten ausstechen würde. In anderen Worten: Es wird das Bedürfnis einer Nation, ihre Bürger zu schützen, zu einer moralischen Absoluten; und doch gibt es keine Erklärung, woher diese absolute Autorität stamme, oder warum das moralischer als das Nicht-Töten sei.

Der Artikel ist auch unehrlich bei der Darstellung seiner Haltung als „pragmatisch“, was impliziert, dass der Ansatz des Buddhas unpraktisch sei. Tatsächlich aber ist der absolutistische Ansatz des Buddha der einzige, der funktioniert, wenn die Leidenschaften hochkochen. Denn ein bedingter oder verhandelbarer Grundsatz gegen das Töten wird leicht beiseitegeschoben, wenn die Menschen von Wut oder Angst übermannt werden. Nur ein Gewissen, das das Prinzip nicht vorsätzlich zu töten – nie, zu keiner Zeit – als moralische Absolute betrachtet, hat überhaupt eine Chance, die Leidenschaften in Schach zu halten.

Der Artikel ist auch unehrlich in seinem Hinweis darauf, dass dieser „pragmatische“ Ansatz ideal für Menschen wäre, die sich nach und nach der Befreiung nähern wollen. Eigentlich ist es ein Rezept dafür, der Befreiung den Rücken zu kehren, und in die entgegengesetzte Richtung zu marschieren.

Fragen Sie irgendeinen Soldaten, der unter den langfristigen Auswirkungen des Trainings zum ausgebildeten Killer leidet, und er oder sie wird Ihnen sagen, dass es kein Weg ist, um heilsame Eigenschaften des Geistes zu entwickeln.“

Servus, Viriya

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