Der zeitgenössische westliche Trend zur “Achtsamkeit” im Vergleich zur Bedeutung und Behandlung dieses Themas in der frühbuddhistischen Ursprungstradition ist ein großes, besonders aktuelles und zweifellos zentrales Thema. Doch erstaunlicherweise es kommt in der aktuellen Achtsamkeitsdiskussion etwa in den Medien kaum zur Sprache.
Auf dem Kongress “Meditation und Wissenschaft” in Berlin vom Dezember 2010 (die Dokumentation des ganzen Kongresses ist hier) ging es um die abendländischen Adaptionen der frühbuddhistischen Achtsamkeit, etwa in dem populären komplementärmedizinischen Behandlungsprogramm “MBSR” (Mindfulness-Based Stress Reduction), oder aber um die Untersuchungen dieser und der unmittelbar buddhistischen Achtsamkeitspraxis im Bereich der neurowissenschaftlichen Meditationsforschung.
Nach diesem Kongress hat es eine relativ ausführliche Berichterstattung in den Medien gegeben. Aber auf diesem Kongress ging es bis auf den Beitrag des Religionswissenschaftlers Michael von Brück (dem “Vater” meiner entstehenden Doktorarbeit) nicht näher um das buddhistische Verständnis der Achtsamkeit.
Auf dem nächsten Kongress “Meditation und Wissenschaft” in Berlin 2012 wird es offenbar noch weniger um die buddhistischen Wurzeln als auf dem Kongress 2010 gehen.
Nach dem internationalen “Internationalen Achtsamkeitskongress” an der Universität Hamburg vom August 2011 hat es keine vergleichbare Berichterstattung in den Medien über den Kongress selbst gegeben (bloß über die vom Kongressthema relativ getrennte allgemeine Rede des Dalai Lamas am Ende wurde mehrfach berichtet).
Der Hauptgrund für dieses “Wegschauen” dürfte sein, dass es dort mit zweien der sechs Panels auch um einen Vergleich zu den buddhistischen Wurzeln des westlichen Achtsamkeitstrends gegangen ist.
Der eingehende Beitrag zu dieser Konferenz, auf der ich selbst als Referent gewesen bin, steht hier im Blog. Dort erscheint auch das Manuskript zu meinem Vortrag über Vipassana.
Dort erscheinen unter anderem noch etwa zwei Audioaufnahmen von Kommunikationen, die ich mit Dr. Ulrich Ott in den Diskussionen hatte. Herr Ott ist ein in den Medien besonders gerne zitierter deutscher Neurowissenschaftler und Psychologe, der außer auf dem Hamburger Kongress auch auf dem Kongress in Berlin 2010 referiert hat (und auf dem Kongress 2012 in Berlin referieren wird).
Die direkten Links zu diesen beiden Audios:
Die Kommunikation mit Ulrich Ott nach meinem Vortrag im Panel 2 “Tradition versus Moderne”.
Die Kommunikation mit Urich Ott und Matthieu Ricard nach deren Vorträgen im Panel 3 “Achtsamkeit und Neurowissenschaften”.
Aus dem oben einleitend Gesagten ergibt sich die folgende große Frage:
Warum scheuen die Medien und die Vertreter des westlichen Achtsamkeitstrends das Thema “Achtsamkeit” im buddhistischen Ursprungskontext so weitgehend?
Zum Auftakt lesen Sie bitte diesen Beitrag von mir, der in der Ausgabe 4/2011 von Buddhismus Aktuell steht, dem größten buddhistischen Magazin in Deutschland. Es ist das Organ des deutschen buddhistischen Dachverbandes. Danke an die Chefredakteurin Michaela Döpcke und der Redakteurin Katrin Baar für den Abdruck dieses begründeten, damit kritischen Artikels.
Danke auch an Sascha Berger, dem Macher des umfassend informativen “Theravada Dhamma Blog”, für seine schönen Fotografien.
Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion von Buddhismus Aktuell können Sie den Beitrag hier im bebilderten Original nachlesen:
Der Vorspann:
Im Abendland wird heute das Thema „Meditation“ unter Neurowissenschaftlern und in den Medien stark diskutiert. Der Grund ist die zunehmende Übernahme der buddhistischen „Achtsamkeit“ etwa in der westlichen Therapie, Medizin und Pädagogik. Außerdem gibt es eine Reihe von wissenschaftlichen Studien zur Effizienz des Achtsamkeitstrainings.
















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