Sind die tiefen Konzentrationszustände „Jhanas“ für die Befreiung notwendig?

by Hans on 22/02/2009

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* Näheres zum neu entdeckten Urvater des westlichen praktizierten Buddhismus,
U Dhammaloka, hier im Vorwort

* Tipp: Die Spiegelung meiner Facebook-Seite auf diesem Blog

 

 

Im Folgenden erscheint eine Diskussion über die Stellung der konzentrativen Vertiefungen „Jhanas“ in der Lehre des historischen Buddha, wie sie mit den ältesten vollständig überlieferten Redensammlungen im Pali-Kanon des Theravâda überliefert worden ist.

Die Diskussion dreht sich um die Kernfrage, ob laut den alten Reden des Buddha die konzentrativen Vertiefungen „Jhânas“ für die befreienden Einsichten notwendig sind. Der Diskussionspartner, der anonym bleiben möchte, vertritt diese Ansicht. Ich teile sie nicht.

 

Hinweise: 

Beachte bei Interesse bitte auch die Funktionen des Blogs für Dich als Besucher sowie das Vorwort zum Blog.

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{ 11 comments… read them below or add one }

1 Rupaloka August 1, 2016 um 15:40

Ich habe bei Goenka meditiert, Vipassana in der Form der Körperachtsamkeit. Meine Erfahrung umfasst alle Jhanas. Sie liegen auf dem Weg, wenn man Körperachtsamkeit, so wie bei Goenka lehrt, praktiziert.
Es ist doch bekannt, daß man sie nicht erreichen kann. Sie passieren, wenn die Konzentration bei der Achtsamkeit einen bestimmten Umfang erreicht hat. Wenn man das Erlebnis der Jhanas sucht, werden sie zur Ablenkung. Man muss sie nicht erleben, außer dem achten, welches, auf dem systematischen Weg, den der Buddha gelehrt hat, die endgültige Befreiung initiiert.
Das Erlebnis des achten Jhanas ist unverkennbar: von dort geht es nicht mehr weiter, nur noch zurück. Und tatsächlich schließt sich nach einiger Zeit die Befreiung von jeglichem Leiden an. Ist man jedoch noch anhaftend, an was auch immer, so fällt man wieder heraus. Daraus lernt man dann, daß eben auch alle Anhaftungen gelöst sein müssen, bevor man im Leben sterben kann.
Lösen lassen sich die Anhaftungen nach meiner Erfahrung ebenfalls mit der bei Goenka gelehrten Methode der Körperachtsamkeit. Wieso das funktioniert, das erkläre ich auf meiner Website.

2 Mirco Oktober 8, 2009 um 23:07

auf deutsch:

„Denn ferner noch, ihr Mönche, hat Sāriputto nach völliger Überwindung der Grenzscheide möglicher Wahrnehmung die Auflösung der Wahrnehmbarkeit gewonnen, und des weise Sehenden Wahn ist aufgehoben. Und aus diesem Erfunde kehrt er besonnen zurück. Und ist er aus diesem Erfunde besonnen zurückgekehrt, so nimmt er die Dinge, die überstanden, aufgelöst, umgewandelt sind, wahr: ‚So kommen denn diese Dinge ungewesen zum Vorschein, und gewesen verschwinden sie wieder.‘ Und er ist diesen Dingen nicht zugeneigt und nicht abgeneigt, nicht angeschlossen, nicht angeheftet, ist ihnen entgangen, ihnen entronnen, ohne das Gemüt umschränken zu lassen. Denn ‚Es gibt keine höhere Freiheit‘ weiß er. Und indem er sie entwickelt merkt er eben ‚Das gibt es nicht‘.“

3 Mirco Oktober 8, 2009 um 23:05

Wie man im Anupadda Sutta lesen kann, tritt die Befreiung als letze Einsicht nach den jhanas auf : „Puna caparaṃ, bhikkhave, sāriputto sabbaso nevasaññānāsaññāyatanaṃ samatikkamma saññāvedayitanirodhaṃ upasampajja viharati. Paññāya cassa disvā āsavā parikkhīṇā honti. So tāya samāpattiyā sato vuṭṭhahati. So tāya samāpattiyā sato vuṭṭhahitvā ye dhammā atītā niruddhā vipariṇatā te dhamme samanupassati – ‘evaṃ kirame dhammā ahutvā sambhonti, hutvā paṭiventī’ti. So tesu dhammesu anupāyo anapāyo anissito appaṭibaddho vippamutto visaṃyutto vimariyādīkatena cetasā viharati. So ‘natthi uttari nissaraṇa’nti pajānāti. Tabbahulīkārā natthitvevassa hoti.“

4 Michael Juni 18, 2009 um 13:56

Noch einige Anmerkungen speziell für den ZEN-Buddhismus.
Im (japanischen) ZEN-Buddhismus werden explizit kaum unterschiedliche Meditationen unterschieden oder gar Stufen differenziert.
Im ZEN in Südostasien werden aber durchaus Meditationsformen des Theravade integriert.

1. Die meisten ZEN-Buddhisten beginnen mit einer Gegenständlichen Meditation – das Zählen des Atems von 1-10. Das ist aber erst die Vorstufe für eine korrekte ZEN-Meditation und diese noch nicht selbst.

2. Die Soto-ZEN-Schule hat heute die meisten Anhänger weltweit und ist damit zur „Norm“ geworden. Hier übt man einfach „nur Sitzen“ (Zazen) und distanziertes Beobachten, der Vorgänge in einem selbst. Dies ist definitiv Einsichtsmeditation, welche von den meisten ZENlern betrieben wird (oder besser: sollte …).

3. In den Anfängen des Chan in China, wurden überwiegend noch verschiedene Atemmeditationen geübt, welche aus Inden mitgebracht wurden und ursprünglich aus dem Yoga kamen.

4. Nach diesen Anfängen in China hat man die Praxis neu ausgerichtet und „normiert“ – es wurde die Koan-Meditation eingeführt. Ein Koan ist nur etwas auf das man sich in der Meditation (aber auch im Alltag) fokussieren muss. Damit war schon zu dieser Zeit in China die Gegenständliche Meditation üblich und ist bis heute im Rinzai-ZEN erhalten geblieben.
Es wäre nun völlig falsch zu behaupten, dass diese Methode „schlecht“ oder „minderwertig“ wäre, da doch genau diese Methode grosse und berühmte ZEN-Meister hervorgebracht hat. Andererseits möchte ich nicht verschweigen, dass diese Koan-Praxis über die reine Meditation hinaus geht, was vielleicht bei einer Gegenständlichen Meditation im Theravada

Grüsse
michael

Ein Zusatz des Administrators Hans Gruber: Der Verfasser der beiden vorangehenden Einträge betreibt die Website http://www.zen.fuer-uns.de.

5 Michael Juni 18, 2009 um 13:34

Guten Tag,

ich möchte ein klein wenig Praxis und Erfahrung in diese fundamentalbuddhistische Diskussion bringen.

Die Lehren Buddhas wurden ca. 200 Jahre mündlich überliefert, ca. von 10 Generationen von Mönchen weiter erzählt.
Sind diese Details von „Jhana“ welche hier hinein interpretiert werden, wirklich noch orginal von Buddha oder nicht schon aufgrund von Unkenntnis, angepasst, verfälscht oder wegen besserer Merkbarkeit, besserer Reimbarkeit geändert worden?
Der Dreikorb ist unsere „Bibel“, aber interpretieren wir nicht manch mal etwas zu viel hinein oder haben all zu hohe Erwartungshaltungen an seine Exaktheit?

Buddha hat das aber einkalkuliert und uns mitgegeben, dass wir nicht alles blind annehmen sollen, sondern wir sollen selbst prüfen – insofern können wir diese unterschiedlichen Meditationwege prüfen …

Ich selbst möchte hier das deutsche Begriffspaar verwenden:
Gegenständliche Meditation Einsichtsmeditation

„Jhana“ ist damit die Gegenständliche Meditation. Gegenstand oder Fokusobjekt für eine Meditaion können z.B. sein:
Mantra, Kerze, Mandala, Atem Zählen, vorbeiströmenden Atem spüren, Buddha Statue, „grüne Wiese“, …

Auch ich rate ganz klar zur Einsichtsmeditation und ziehe diese persönlich vor.
Aber auf der anderen Seite ist die Gegenständliche Meditation nicht zu unterschätzen.
Es gibt „Meister“ die über beide Meditationen auch „erleuchtet“ wurden und das sollte uns zu denken geben.

Einige Anmerkungen von mir:

1. Meditationsanfänger
Neulinge quellen häufig so voller Gedanken und Gefühlen über, dass sie kaum für eine Einsichtsmeditation geeignet sind.
Diesen gibt man dann logischer Weise einen Meditationsgegenstand und lässt Sie Gegenständliche Meditation praktizieren.
Hier sind sie dann nach einger Zeit so weit, direkt in die Einsichtsmeditation wechseln zu können.
Z.B. im ZEN gibt man jedem Neuen die Aufgabe die Atemzüge bis 10 zu zählen – was ich nicht als gute Methode erachte.

2. Dualismus
Sobald wir hier Worte für unterschiedliche Meditationsmethoden verwenden, sind wir nicht mehr im realen Leben, sondern auf einer Meta-Ebene, einer Ebene über das Leben, nach Erich Fromm auch Fiktion betitelt.
Wir messen der Wirklichkeit Attribute bei, welche nicht in der Wirklichkeit selbst vorhanden sind. Dass dann nicht alle Folgerungen aus den Begriffen selbst wieder auf die Wirklichkeit zutreffen, sollten wir immer im Hinterkopf behalten.
Entspricht es nicht eher der Erfahrung, dass Gegenständliche Meditation und Einsichtsmeditation nur 2 Seiten der selben Medaille sind und über beide Seiten die Medaille ergriffen werden kann?
Liegen nicht beide Seiten sogar extrem nahe bei einander – nämlich beide Nahe am Ziel?
Für mich ist es durchaus fraglich, ob der Dualismus des Gegensatzpaares „Gegenständliche Meditation / Einsichtsmeditation“ so korrekt ist oder es nicht vielmehr ein Kontinuum zwischen diesen beiden Gegensätzen gibt – wir benennen es nur so, die Wirklichkeit selbst kann noch vielfältiger sein.
Aber wenn es eine kontinuierliche Skala gibt, macht eine Diskussion ausschliesslich über die beiden Skalenenden keinen Sinn mehr.

3. Gegenständliche Meditation und Einsichtsmeditation sind ineinander umwandelbar:
Wenn ich in der Einsichtsmeditation bin, ein Gedanke oder Gefühl in mir aufkommt, ich mich darauf fokussiere, kann ich direkt zur Gegenständlichen Meditation übergehen. Aber auch der Weg umgekehrt ist möglich, wie ich an einem Beispiel aufzeigen will.
Es kauft sich jemand eine neue Standuhr oder Wanduhr für das Wohnzimmer. Am Anfang hören wir das ständige „Ticken“, welches uns neu und fremd vorkommt. Doch spätestens nach einem Monat hören wir im Wohnzimmer kein „Ticken“ mehr, weil wir konditioniert sind und unser Bewusstsein es ausblendet.
Genauso ist es mit der Gegenständlichen Meditation. Wenn wir einen (einfachen …) Meditationsgegenstand haben, der vollständig unseren Geist ausfüllt und alle anderen Gedanken verdrängt, werden Ebenen in uns auch diesen letzten Fixpunkt plötzliche ausblenden (Konditionierung), damit stehen wir ohne Fokus da und „fallen“ direkt in die Einsichtsmeditation.
Entweder führt die Gegenständliche Meditation eigenständig auch zum Ziel, oder es ist aber genau dieser Mechanismus, welche die Gegenständliche Meditation in die Einsichtsmeditation umwandelt und dann so zum Ziel führt.

4. „Ausgewogen“ Meditieren:
Es gibt Erfahrungen, welche berichten, dass eine ausschliessliche dauerhafte Einsichtsmeditaion zu Problemen führen kann. Aus diesem Grunde sollte man zum Auslgleich oder auch zur Kompensation immer wieder auch Gegenständliche Meditation praktizieren. Es ist auch so, dass Erfahrungen in der einen Meditationsarte einen in der anderen Meditationsart weiter bringen können – also gibt es hier Synergien.

Mein resume:
Die Gegenständliche Meditation ist durchaus eine zielführende Methode, welche nicht unterbewertet werden sollte.
Ich selbst praktiziere Einsichtsmeditation und empfehle dies auch grundsätzlich.
Aber es ist ein hoher Anspruch und aus meiner Sicht nicht in der Breite praktikable, eine einzige Methode auf alle Menschentypen und auf alle unterschiedlichen Ausgangsbasen anzuwenden.
Es gibt Menschen die mit einer Gegenständlichen Meditation glücklich werden, sehr eigenständig arbeiten können und grosse und schnelle Fortschritte machen. Warum sollte ich sie zur Einsichtsmeditaion „zwingen“? Zumal ich doch auch so weiss, dass sie unweigerlich (früher oder später) in der Einsichtsmeditation ankommen werden.
Warum sollte ich die Gegenständliche Meditation nicht als „geschicktes Mittel“ anwenden? Das wäre sicher im Sinne Buddhas gewesen …

Trotz allem bleibt für mich intellektuell interessant, wie Buddha selbst diese beiden Methoden geübt und wie er diese exakt empfohlen hat – ob das heute noch festgestellt werden kann?

Grüsse
michael

6 Idakio März 24, 2009 um 23:51

Hallo,
Die Versenkungen sind für das Erreichen der Heiligkeit nicht unerlässliche Bedingung; die Erlösung kann vielmehr auch ohne diese Fähigkeit verwirklicht werden: Die Sutten des Pālikanons sprechen von zwei Arten von Heiligen: – Es gibt den cetovimutta, das ist der „Gemütserlöste“, der die Erlösung auf dem Wege der Jhānas erreicht hat. – Es gibt aber auch den paññavimutta, den Weisheitserlösten, der sich, ohne die Jhānas verwirklichen zu können, ganz auf die Weisheit stützt, die der der Versenkungen fähige Gemütserlöste in jedem Fall ebenfalls benötigt, während der Weisheitserlöste nicht auf die Jhānas angewiesen ist. Der Begriff einer „trockenen Einsicht“ in Bezug auf die ohne Versenkungszustände gewonnene Einsicht stammt übrigens von späteren Kommentatoren (!). Fazit: Erlösung ohne Versenkungszustände (jhānas) ist durchaus möglich, sofern die Weisheit im erkennenden Schauen (ñānadassana) gewonnen wurde; nicht aber ist Erlösung ohne ñānadassana möglich, mag auch die Fähigkeit der Versenkungszustände gegeben sein. Ausschlag gebend für die Erlösung ist also die Weisheit bzw. die aus ihr erfolgende Loslösung, nicht die Fähigkeit des Abschaltens der Sinne. Die Pflege der Jhānas ist somit, anders als die Weisheit, für sich allein kein Garant für das Verwirklichen der Heiligkeit, sie stellt nur eine zusätzliche, wunderbare Fähigkeit dar; ohne das Hinzukommen von Weisheit aber stellen die Jhānas für den Buddha „bloße Wohlseinszustände“ dar (vgl. Majjh. 8), die mangels Weisheit und Loslösung nicht zur Erlösung führen können (und durchaus nicht nur innerhalb der buddhistischen Lehre praktiziert wurden, wie mehrere Sutten belegen). Natürlich ist in beiden Fällen ein sehr hohes Maß an Konzentration unerlässlich, aber, um es noch einmal zu wiederholen, nicht unbedingt auf dem Wege der Jhānas (unter Ausschalten der Sinne), wohl aber auf dem Weg der Samādhi, die der der Jhānas nicht fähige Weisheitserlöste sehr wohl in vollem Maße besitzt! Auch im Zustand von Samādhi ist der Betreffende voll konzentriert, nur ohne dabei die äußeren Sinne völlig abgeschaltet zu haben. Auf die Frage, woran es denn liege, dass nicht jeder die Fähigkeit zu den Versenkungen besitzt, erwiderte der Buddha, dass dies an der „unterschiedlichen Veranlagung“ des Einzelnen liegt (Majjh. 64).

7 Cornelia März 17, 2009 um 9:10

Hallo,

ich interessiere mich seit vielen Jahren für spirituelle Lebensformen, besonders für Tantra, Energiezustände und meine Erfahrung ist, daß ohne einen erfahrenen, gut ausgebildeten und vorallem bodenständigen Lehrer, der zwar schon bestimmte Einsichten kennt,aber ein einfacher Mensch geblieben ist, geht es nicht, ja es ist sogar gefährlich, weil bei wirklichen Konzentrationsübungen/Zustände Dinge im Inneren ausgelöst werden mit denen man alleingelassen kaum umgehen kann und diese sich dann unbewußt gehalten verselbstständigen.
Wir können es ja in der heutigen Zeit überall im Alltag erleben wozu Menschen in unbewußten Zuständen fähig sind, Wahnzustände bleiben nie aus!

Also ich arbeite jetzt schon seit fast 7 Jahren an mir und erst jetzt glaube ich demütig genug zu sein mich auf den geistigen Weg machen zu dürfen und dafür bin ich sehr dankbar, vorallem meinem Lehrer und den Menschen die mich bis jetzt begleitet haben, egal ob sie heute noch mit mir im alltäglichen Kontakt stehen oder nicht, allein die Erfahrungen mit ihnen sind wichtig und werden mir weiterhin helfen mein Bewußtsein für das Leben zu entwickeln.

Ich möchte abschließend davor warnen zu glauben allein bestimmte Konzentrationszustände bringen die Einsichten, das ist einfach falsch und ich meine auch gefährlich. Einsicht ohne die menschlichen Erfahrungn führt zu dem was wir heute krank macht und soziale Strukturen einfach sterben läßt.

8 bhavana Februar 26, 2009 um 13:51

Hans Gruber schrieb:
„Im letzten Teil des SPS wird stark betont, dass die Zeiträume, um die Befreiungsergebnisse zu verwirklichen, auch sehr kurz sein kann – nämlich bis zu sieben Tagen. Diese kurzen Zeiträume gelten für eine konsequente Praxis der vorher in der Rede genau beschriebenen Vier Vergegenwärtigungen der Achtsamkeit. Es ist aber unmöglich, dass die hohen Konzentrationszustände der Vier Vertiefungen “Jhanas” in einem derart kurzen Zeitraum verwirklicht werden. Schon alleine deshalb können sie keine unerlässliche Voraussetzung für den Befreiungsweg sein, der über die Vier Vergegenwärtigungen führt.“

Kommentar:
Eine Beurteilung der Sachlage, ob es ein Wesen gab, gibt oder geben wird welches die hohen Konzentrationszustände der Vier Vertiefungen in einem Zeitraum von sieben Tagen verwirklichen kann setzt wissen über ALLE gewesenen, momentan bestehenden und noch kommenden Wesen aller Weltzeitalter voraus und ihnen/uns daher noch nicht möglich.

9 Bernd Wolf Februar 25, 2009 um 16:22

Bzgl. Lu´s Erfahrungen mit Jhana-Praktizierenden: Nicht von der Hand zu weisen, doch man muss immer berücksichtigen, wie es den jeweiligen Menschen danach ging/geht. Oft folgen ja Einsichten erst nach einem weiteren Stück Leben. Denke mal, Vertiefungszustände sind in jeder Hinsicht wertvoll, doch wenn man nicht ständig einen Lehrer um/mit sich hat oder in klösterlicher Umgebung lebt, können dadurch Dinge in Bewegung gesetzt werden, die dann nicht so im Mittelpunkt öffentlicher Diskussionen stehen.
Es wäre nicht nur in diesem Kontext mal interessant, mit Menschen zu reden, die sich aus buddhistischen Klöstern (in denen Jhanas meditiert werden) zurückgezogen haben und die Gründe dafür zu erfahren.

10 Lu Februar 25, 2009 um 9:48

Meine Beobachtungen bezüglich Jhanas:
ob Jhanas der einzige Weg ist, der zur Befreiung führt, weiß ich nicht, maß ich mir auch gar nicht an.
Eines weiß ich aber, dass Jhanas nicht unbedingt und automatisch zur Weisheit führen muss. Ich habe über Jahrzehnte einige Negativ-Fälle erlebt von Leuten, die teilweise 5, 6 oder 8 Jhanas gemeistert hatten. Woher weiss ich das? Durch Studium der Jhanas und durch die Erlebnisse der Einzelnen, die von Jhanas teilweise gar nichts wußten.
So hatte eine junge Frau auf einer Parkbank tiefe Erlebnisse im plötzlich aufgetretenen Versenkungszustand und die einfachen Schilderungen entsprachen genau den Jhanas bis zur 5. Stufe. Diese Frau jedoch war alles andere als Weise; ihr Lebensstil war eher asozial.
Ein anderer Jhana-Praktikant (Buddhist) ging übelst auf seine Eltern los; unterste Schublade, keine Weisheit, kein Mitgefühl.
Eine Jhana-Lehrerin bekannte sich selbst als ‚Nicht-Heilige’und agierte dementsprechend im Alltag.
Ein Jhana-Mönch floh aus dem Kloster ins Bett einer jungen Frau……
Diese Fälle möchte ich nicht im Detail ausschlachten, sonst würde es einem teilweise übel.
Nonnen in kath. Frauenklöster erreichen oft die 2. Stufe (piti) der Jhanas und benennen das als Gotteserfahrung. In dieser Stufe zu verharren, auf Dauer, kann aber zur geistigen Dumpfheit führen, sagen die Tibeter.

Meine Meinung ist, dass Befreiung durchaus über die 16 Einsichtsstufen (nanas) möglich ist. (Vipassana)
Zu den Befreiungsmöglichkeiten im Zen oder tibetischen Buddhismus kann ich nichts sagen.
Jhanas sind nicht für Jedermann erreichbar. Somit wäre der Dharma auch nicht für Jedermann praktizierbar und hätte keine Aussicht auf Befreiung.

Lu

11 Bernd Wolf Februar 23, 2009 um 17:09

Hallo,

eine mE wichtige Diskussion, doch wie oben bemerkt, sollte man zuerst auch wirklich betrachten, was denn die Jhanas eigentlich wirklich sind.

Ich habe mich auf einem 14-tägigem Retreat, welches via Anapansati-Praxis ohne Satipatthana- bzw. Vipassana-Aspekt ausschließlich auf Gemütsruhe abzielte, automatisch den Jhanas angenähert und aufgrund der Beschreibung des Kursleiters kamen die meisten Teilnehmer ab ca. dem 8. Tag in den Bereich der 1., 2. und 3. Vertiefung. Über 4-5 Tage hinweg bewegte ich mich ständig zwischen angrenzender Sammlung und diesen drei Stufen hin und her. Einmal war mir, als könnte es die 4. Vertiefung gewesen sein, was sehr beeindruckend war – weil nämlich „Form und Leere“ ganz natürlich als Einheit zum Ausdruck kamen. Eine „Beschreibung“ dieser „Zustände“, die mal überwältigend, mal eher beruhigend, mal ernüchternd waren, ist für mich schlechterdings unmöglich.

Mal davon abgesehen, dass ich bis dahin erst 2 Jahre Zazen und einige Sesshin gemacht hatte, und ich deshalb mE für derlei Erfahrung noch lange nicht reif war, um das psychisch zu verkraften, muss ich sagen, dass das „Jhana-Bewusstsein“, welches auch Nyanaponika als unschätzbar wertvoll hält, im Alltag so gut wie nicht oder nur extrem schwer beizubehalten ist. Nach dem Retreat meditierte ich ein paar Wochen ohne Anleitung weiter (2 Std. täglich) und lief nach eigenem Empfinden tatsächlich Gefahr, verrückt zu werden. Es ist irgendwie schizophren, sich täglich nahezu als „Ich“ aufzulösen und sich andererseits in unserer westlichen, dualistischen Welt im Beruf und Familie behaupten zu müssen. Nyanaponika hat auch auf diesen Umstand hingewiesen, als er Satipatthana als „die“ Praxis für moderne Westler empfahl.

Aus Angst, vollkommen verrückt zu werden, bin ich wieder zum Zen zurückgekehrt und sehe da inzwischen meine Heimat. Ich muss auch dazu sagen, dass ich bei diesen Jhanas in keinster Weise irgendwelche Weisheits-Einsichten hatte, die über Erfahrungen von Sesshins hinausgegangen wären. Alleine die Nicht-Selbst-Erfahrung war wirklich beeindruckend aber eben auch für einen Nicht-Mönch wie mich eher erschreckend.

Mein persönliches Fazit: Jhanas im richtigen Rahmen über einen langen Zeitraum für ein mönchisches Leben sind mit Sicherheit sehr passend doch Vipassana/Satipatthana entsprechen mE mehr dem westlichen Geist. Und ich gehe mit der o.g. Ansicht konform, dass die Menschen unterschiedlich sind und der Buddha dies gut wusste.

Nochmal zur Definition der Jhanas: Sollten die o.g. Beschreibungen denn wirklich als Hilfe für den Meditierenden dienen? Macht der Übersetzer und unser Verstand denn daraus nicht wieder ein strukturiertes Gebilde? Ich glaube, ohne wirklich guten Lehrer sind die Jhanas eher ein Hindernis für Einsicht.

Ich erlaube mir zu behaupten, dass, wenn ich vor dem Buddha heute stehen würde und er meine Daseinsschleifen kennt – würde er mir eine für mich passende Meditationsweise empfehlen, die vielleicht so aussehen könnte wie Zazen oder Ajahn Chah´s Unterweisungen. Und bei einem Mönch in Sri Lanka mag das wieder ganz anders aussehen…

Liebe Grüße Bernd

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